Olafs Raumfahrtkalender

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Raumfahrtchronik 03. November 1957

03.11.1957

Laika in ihrer Kabine vor dem Start::Abb.: RGANTDAufsetzen der Nutzlastverkleidung von Sputnik 2::Abb.: RGANTDAusstellungsmodell von Sputnik 2::Nach der gewaltigen Aufmerksamkeit, die der Start des ersten Sputnik in der Welt erregte, drängte der damalige sowjetische Staats- und Parteichef Nikita S. Chruschtschow auf eine aufsehenerregende Nachfolgemission zum bevorstehenden 40. Jahrestag der Oktoberrevolution. Sergej P. Koroljow, der zunächst die Zuverlässigkeit der Trägerrakete verbessern wollte, mußte sich dem Druck beugen. Da der geplante große Forschungssatellit noch immer nicht fertiggestellt war, mußte improvisiert werden. Durch Verzicht auf den Satellitenadapter und den Ausstoßmechanismus des Satelliten konnten etwa 500 kg Nutzlast mit der Sputnik Rakete auf eine Umlaufbahn befördert werden. Man entschied sich, diesen Kapazitätsgewinn zum Transport eines Versuchstieres auf eine Umlaufbahn zu nutzen. In den Nasenkonus wurde also die geringfügig modifizierte Druckkabine integriert, die für einen der nächsten Vertikalaufstiege eines Hundes an Bord einer Höhenforschungsrakete vom Typ R-2A bereitstand. Da geplant war, das Versuchstier mehrere Tage am Leben zu erhalten, rüstete man eine Fütterungsapparatur und entsprechende Lebenserhaltungssysteme nach. Ein Telemetriesystem sollte beim Überflug der Sowjetunion aktiviert werden und die Sensordaten zu Laikas Vitalfunktionen und die Meßergebnisse der wissenschaftlichen Experimente zur Erde übertragen. Der Satellit entstand in 24-Stunden-Schichten ohne komplette Zeichnungssätze oder gar Tests. Unter diesen Bedingungen gelang die termingerechte Fertigstellung des Satelliten und der Rakete. Am 03.11.1957 erfolgte der Start von Baikonur mit der Sputnik 8K71PS. Auf eine Umlaufbahn gelangten dabei der eigentliche konische Satellit (Basisdurchmesser ca. 1,7 m, Höhe ca. 1,2 m) und die fest mit ihm verbundene letzte Raketenstufe von etwa 26 m Länge. Die Welt war beeindruckt von dem neuerlichen Erfolg der sowjetischen Raumfahrt und es gab nur verhaltene Proteste wegen der Hündin „Laika” an Bord. Diese suchte die Sowjetunion mit Hinweisen darauf zu entkräften, daß Vorkehrungen für eine humane Tötung des Tieres nach Abschluß der Mission getroffen waren, da ja eine Rückführung technisch damals noch nicht möglich war. Westliche Militärexperten dagegen waren hauptsächlich von der Masse des Satelliten, immerhin 508,3 kg, beeindruckt. Doch der sowjetische Erfolg hatte einen Schönheitsfehler. Obwohl die Sowjetunion jahrzehntelang verkündete, daß die Hündin „Laika” an Bord von Sputnik 2 mehrere Tage am Leben gehalten werden konnte und schließlich nach Aufbrauchen der Ressourcen eingeschläfert worden sei, gab es bald Zweifel an dieser Darstellung. Diese wurden natürlich in der Zeit des kalten Krieges von westlichen Geheimdiensten ebenso forciert, wie die Sowjetunion ihren Triumph propagierte. Erst Jahrzehnte später wurde offiziell bestätigt, daß „Laika” bereits kurz nach dem Start verendet war, als sich wegen der zu schwach ausgelegten Temperaturregelung die Kabine unaufhaltsam aufheizte. Nach nur einer Woche fielen auch die anderen Meßgeräte von Sputnik 2 aus und der tote Satellit geriet immer mehr ins Taumeln. Dennoch hätte Sputnik 2 wissenschaftlich beinahe noch für eine Sensation gesorgt. Denn abgesehen von den unbestritten wertvollen Telemetriedaten von „Laika” waren auch Strahlungsmeßdaten empfangen worden, die erste Hinweise auf ein System von die Erde umgebenden Strahlungsgürteln lieferten. Die Daten waren jedoch zu unsicher und widersprachen auch damaligen Theorien, so daß es nicht zu einer Veröffentlichung kam. Wenige Monate später starteten die USA „Explorer I” und „entdeckten” die irdischen Strahlungsgürtel, die nach einem der am Projekt beteiligten US Wissenschaftler van-Allen-Strahlungsgürtel genannt wurden. Damit hatte auch Sputnik 2 wie sein Vorgänger wissenschaftlich wenige Erkenntnisse geliefert, propagandistisch erwies sich die Mission hingegen als ein voller Erfolg.

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