22.10.2001

Mit der PSLV verfügte die indische Raumfahrtorganisation ISRO nach einigen Anfangsschwierigkeiten seit Ende der 90er Jahre über einen anerkannt zuverlässigen und leistungsfähigen Raumfahrtträger. Dieser konnte erfolgreich auch internationalen Interessenten zum Start von sekundären Nutzlasten offeriert werden. So nutzten beispielsweise die ESA und das DLR die Gelegenheit, zwei kleine Satelliten beim Start der PSLV C-3 mitzugeben. Deren Start war ursprünglich für den Juli 2001 geplant gewesen, hatte sich aber auf den 22.10.2001 verzögert. Dann jedoch hob die Rakete reibungslos von Sriharikota ab und setzte ihre Hauptnutzlast, den Experimentalsatelliten TES (Technology Experiment Satellite), auf einem sonnensynchronen Orbit aus. Ähnliche Bahnen erreichten der ESA Satellit PROBA und der deutsche BIRD. Offiziell diente TES der Erprobung einer Reihe neuer konstruktiver Lösungen. So für die Satellitenstruktur, das Lageregelungs- und Stabilisierungssystem, den Antrieb, die Kommunikation und die Energieversorgung. Aber auch eine leistungsfähige panchromatische Kamera wurde mitgeführt, was vielfach als Hinweis auf eine militärische Zielsetzung des Projekts verstanden wurde. Mit einer Auflösung von 1 m war die Kamera für Aufklärungszwecke durchaus brauchbar. Ein Zweispiegelsystem verschaffte dem Satelliten zudem die Möglichkeit seitwärts zu „blicken” und so wiederholte Aufnahmen eines bestimmten Gebietes schon nach 3 Tagen zu liefern.
Auch der europäische PROBA (Project for On-Board Autonomy) Satellit war als Demonstrator konzipiert. Trotz seiner geringen Größe und einem Gewicht von unter 100 kg verfügte der beim belgischen Verhaert Unternehmen auf der Basis des britischen MiniSIL Bus gebaut Satellit über drei leistungsfähige Instrumente, allen voran CHRIS, das Compact High Resolution Imaging Spectrometer. Dieses war in der Lage, ein Zielgebiet auf der Erde simultan unter verschiedenen Blickwinkeln zu beobachten. Und dies mit einer Auflösung von immerhin beachtlichen 18 m. Die ebenfalls mitgeführte High Resolution Camera (HRC) lieferte sogar monochrome Aufnahmen mit nur 8 m Auflösung. Ergänzt wurde die Ausrüstung durch SREM (Standard Radiation Environment Monitor) und DEBIE (Debris In-Orbit Evaluator), die Untersuchungen des kosmischen Umfeldes des Satelliten unternahmen. PROBA erwies sich als wegweisend für die Entwicklung späterer hochflexibler Satelliten zur Erderkundung. Interessant war vor allem das Konzept, dem Satelliten lediglich die geographischen Koordinaten des zu erkundenden Zielgebiets zu übermitteln. Die Ausrichtung des Satelliten auf das Ziel und alles weitere steuerte der Bordcomputer der Satelliten autonom.
Ebenfalls sehr erfolgreich verlief die Mission des deutschen BIRD 1 Kleinsatelliten. Er war als Tesplattform für neuartige IR-Sensoren konzipiert. Das zweikanalige Hot Spot Recognition Sensor (HSRS) System mit den Sensoren MIR (Medium Infrared Sensor) und TIR (Thermal Infrared Sensor) wurde dabei von dem Wide-Angle Optoelectronic Stereo Scanner (WAOSS-B) unterstützt, der im Wellenlängenbereichen 600-670 nm (sichtbar) und 840-900 nm (nahes Infrarot), arbeitete. Ziel war es, thermische Prozesse auf der Erde automatisiert zu entdecken und zu charakterisieren. Dazu kam eine speziell entwickelte Software auf der Basis eines neuronalen Netzwerks zum Einsatz. Diese „lernfähige” Software war schließlich in der Lage, Feuer auf der Erde zu entdecken und gezielt unkontrollierte Brände herauszufiltern. Ziel war es, den Beweis anzutreten, daß Satelliten ein wirksames Instrument zur Brandbekämpfung sein konnten. Dieser Nachweis gelang sehr eindrucksvoll. Während weltweit zahlreiche Buschbrände (z.B. in Australien) und Waldbrände (z.B. in der Mittelmeerregion) entdeckt werden konnten, klassifizierte die Software die alljährlichen Osterfeuer in Deutschland als ungefährlich. Der für eine zweijährige Mission ausgelegte Satellit übertraf die Erwartungen deutlich. Doch am 13.02.2004 kam es zum Totalausfall des Hauptsensors für die Lageregelung des Kreiselsystems. Daraufhin wurden die Gyroskope so stark beansprucht, daß sie bis auf eins inoperabel blieben. Dennoch gelang es dem DLR neue Algorithmen zu entwickeln, die einen Weiterbetrieb nur unter Einsatz der Hilfs-Magnetspulen („Magnetic Coils”) zuließen. Eine Kombination aus Meßdaten von Magnetfeldsensoren und Sonnensensoren lieferte nun die notwendigen Referenzinformationen. Auch die Daten einer seit dem Start ungenutzten Sternenkamera wurden hinzugezogen, so daß ab Ende August 2004 die Sensoren von BIRD wieder aktiviert werden konnten. Die international vielbeachtete und wegweisende Rettungsoperation erlaubte den nahezu uneingeschränkten Weiterbetrieb des Satelliten.



Raumfahrtchronik