Olafs Raumfahrtkalender

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Raumfahrtchronik Juni 2002

05.06.2002

INTELSAT 905 im Clean Room von Kourou::Abb.: ArianespaceZu den letzten größeren Transportaufträgen für die Ariane 4 vor ihrer Ablösung durch die Ariane 5 zählte der Transport von sechs der sieben Intelsat IX Satelliten. Die Starts erfolgten innerhalb von nur 1½ Jahren. Der von Space Systems/Loral gebaute FS-1300 Satellit Intelsat 905 startete am 05.06.2002 mit einer Ariane 44L von Kourou und wurde zunächst auf einer Transferbahn ausgesetzt. Später manövrierte er dann auf eine geostationäre Position über dem Atlantik bei 24,5° West. Dabei nutzte er als erster der Satelliten eine neue Hochleistungsvariante des bewährten R-4D Antriebs, das Modell R-4D-15 HiPAT (High Performance Apogee Thruster). Wie die anderen Satelliten der Reihe verfügte auch dieser über 42 C-Band und 14 Ku-Band Transponder. Diese Kombination in Verbindung mit einer hohen verfügbaren elektrischen Leistung garantierte vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Neue digitale Dienste, kleinere Terminals und spezielle neue Angebote wurden nun offeriert. Vor allem aber offerierte IS-905 seinen Nutzern in Europa, Afrika und Amerika eine um 13% höhere Gesamtkapazität als sein Vorgänger.

05.06.2002

„Endeavour” im Anflug auf die ISS::Abb.: NASAChang-Díaz bei seiner ersten EVA am 09.06.2002::Abb.: NASADas Mobile Remote Servicer Base System (MBS) am Canadarm 2::Abb.: NASACNES Spationaut Perrin bei seiner zweiten EVA::Abb.: NASAPerrin bei Arbeiten am MBS::Abb.: NASA15.06.2002: Blick zurück auf die ISS::Abb.: NASAEine Mission zur ISS unternahm die Raumfähre „Endeavour” am 05.06.2002. Utilization Flight UF-2 diente dem Transport von Versorgungsgütern und neuen Bauteilen, aber auch dem Austausch der ISS Stammbesatzung. Der Start war aus unterschiedlichen Gründen seit Mai immer wieder verschoben wurden. Weder anfangs (02.05.2002 und 06.05.2002) noch Ende des Monats (30.05.2002 und 31.05.2002) erreichte einer der Countdowns auch nur annähernd den Startzeitpunkt. Erst Anfang Juni war die Wetterprognose erfolgversprechend. Pünktlich zu Beginn des Startfensters startete die Mission STS-111 „Endeavour” F-18 am 05.06.2002 um 21:23 UTC von Cape Canaveral. An Bord befanden sich Kommandant Kenneth Cockrell, Pilot Paul Lockhart sowie die beiden Missionsspezialisten Franklin Chang-Díaz und Philippe Perrin (CNES). Dazu kamen die Mitglieder der fünften ISS Stammbesatzung, Waleri Korsun, Peggy Whitson und Sergej Trestschow. In der Nutzlastbucht befanden sich u.a. das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) „Leonardo” und das Mobile Base System (MBS). Im MPLM waren die meisten der Versorgungsgüter für die ISS untergebracht. Nach dem Docking mit der Station am 07.06.2002 um 16:25 UTC wurde das MPLM aus der Nutzlastbucht der „Endeavour” herausgehoben und mit dem Canadarm 2 an der Luftschleuse des Unity Moduls angekoppelt. Dank des größeren Durchmessers, den dessen Luftschleuse aufwies, konnten auch sperrige Güter leichter an- und abtransportiert werden. Während die neue Stammbesatzung die ISS von ihren Vorgängern übernahm und beide Mannschaften die angelieferten Versorgungsgüter umluden, bereiteten sich Chang-Díaz und Perrin auf ihre Außenbordtätigkeit auf. Der erste Ausstieg fand am 09.06.2002 statt. Chang-Díaz nahm seine Position an der Spitze des Canadarm 2 ein, den ISS Crewmitglied Whitson aus der ISS bediente. Mit Unterstützung von Perrin brachte Chang-Díaz eine Halterung für den Manipulatorarm am P6 Truss der ISS an. Dann holte er sechs Mikrometeoritenschilde aus der Nutzlastbucht des Shuttle deponierte sie am PMA-1. Die Montage war einer späteren Mission vorbehalten. Dann wurde das MBS nahe dem geplanten Montageort positioniert. Da es die Zeit noch zuließ, inspizierten die beiden Astronauten bei ihrer EVA auch noch eines der vier Gyroskope der ISS. Dieses war am Tag zuvor ausgefallen und hatte bereits für Diskussionen über die Sicherheit der Mission geführt. Nach insgesamt 7:14 h war das Außenbordmanöver beendet. Zwei Tage später, am 11.06.2002, unternahmen die beiden Astronauten ihr zweites Außenbordmanöver. Diesmal galt es, zahlreiche Kabel, Steckverbinder und Adapter am MBS zu installieren. Auch wurde an der mobilen Plattform ein Greifer analog dem des Canadarm montiert. Zu den letzten Aufgaben zählte die Sicherung des Schienenwagens und die Installation einer Kamera, die zukünftig Bilder vom Betrieb der MBS Plattform übertragen sollte, wenn sich diese entlang der ISS Struktur bewegte. Die Arbeiten gingen schneller als erwartet vonstatten und waren bereits nach 5:00 h beendet. Der nächste Tag diente Chang-Díaz und Perrin der Erholung. Denn am 13.06.2002 sollten sie noch eine sehr komplexe Reparatur unternehmen. Im März 2002 war das „Handgelenk” des Canadarm 2 ausgefallen. Seither war seine Beweglichkeit eingeschränkt und nur dank einer neuen Software konnte das aus zahlreichen Gelenken bestehende System noch immer erfolgreich genutzt werden. Doch waren die Abläufe unnötig kompliziert und es dauerte länger, eine bestimmte Position zu erreichen. Daher hatte die „Endeavour” ein Ersatzgelenk mitgebracht. Chang-Díaz und Perrin demontierten bei ihrem dritten Weltraumausstieg nun zunächst die Greifhand des Manipulators, um sich Zugang zu dem defekten Gelenk zu verschaffen. Dieses wurde nun ausgebaut und ersetzt. Anschließend mußte der Greifer wieder verbunden werden. Die Arbeiten stellten hohe Anforderungen an die Feinmotorik der Astronauten. Dennoch konnten sie ihre Arbeiten planmäßig abschließen. Das defekte Bauteil wurde zur Untersuchung in der Nutzlastbucht verstaut und kehrte zur Erde zurück. Nachdem Astronautin Whitson einen Funktionstest des überholten Canadarm 2 unternommen hatte, der den Erfolg der Arbeiten bestätigte, kehrten Chang-Díaz und Perrin nach 7:17 h in die Luftschleuse des Quest Moduls zurück. Am 15.06.2002 um 14:32 UTC löste sich die „Endeavour” wieder von der ISS. Auf dem Rückflug mit an Bord war die abgelöste bisherige Stammbesatzung der Raumstation: Juri Onufrijenko, Daniel Bursch und Carl Walz. Sie sahen alle einer Landung am übernächsten Tag entgegen und so wurden auch an Bord des Orbiters alle Vorbereitungen für eine baldige Rückkehr getroffen. Doch am 17.06.2002 genügte das Wetter über Florida nicht den Kriterien für eine sichere Landung. Die Crew konnte sich daher über einen zusätzlichen Tag im All freuen, der, abgesehen von einigen Routinetätigkeiten, hauptsächlich aus Freizeit bestand. Zwei Landemöglichkeiten am nächsten Tag auf der Edwards AFB wurden ausgelassen, da die Wetterprognose für Cape Canaveral positiv war. Doch das sollte sich nicht bestätigen. Gewitterböen rund um das Cape ließen eine Landung erneut nicht zu. Die begrenzten Ressourcen der „Endeavour” forcierten nun eine Entscheidung zur Landung, auch wenn das Wetter am bevorzugten Cape Canaveral einen Anflug dort nicht zulassen sollte. Und in der Tat genügten die Bedingungen auch am nächsten Tag in Florida nicht den strengen Kriterien. Die letzte der drei Gelegenheiten am 19.06.2002 wurde genutzt und um 17:58 UTC landete die „Endeavour” auf Runway 22 der Ausweichpiste der Edwards AFB. Nach 332:35 h war diese Mission erfolgreich zu Ende gegangen. Onufrijenko, Bursch und Walz kehrten dagegen nach mehr als halbjährigem Aufenthalt (4.699:38 h) auf der ISS zur Erde zurück.

10.06.2002

Der eigentlich für den Mai 2002 angesetzte Start einer Proton-K 8K82K mit Block DM-2M 11S861-01 Viertstufe fand am 10.06.2002 auf dem Kosmodrom Baikonur statt. Die ersten drei Stufen der Rakete brachten die Transferstufe mit der Nutzlast, dem Kommunikationssatelliten Ekspress A1R, auf eine Parkbahn. Diese entsprach zwar nicht den Vorgaben, doch konnte die Block DM-2M Oberstufe das Defizit ausgleichen. Ekspress A1R war innerhalb von nur 15 Monaten als Ersatz für den im Oktober 1999 bei einem Proton Fehlstart verlorengegangenen Ekspress A1 von NPO PM und Alcatel gebaut worden. Er konnte planmäßig über 40° Ost in Dienst gestellt werden. Im Oktober 2005 wechselte er auf 14° West. Von diesen Positionen bot der Satellit eine Vielzahl von Kommunikationsdienten an. 12 C-Band und 5 Ku-Band Transponder ermöglichten die Verteilung von Radio- und Fernsehprogrammen, die Vermittlung von Telefonaten, die Übertragung von Daten und Videosignalen sowie die Anbindung von Hochgeschwindigkeits-Internetknoten.

15.06.2002

Entfaltungstest der Solarzellenausleger bei Galaxy 3C::Abb.: BoeingSatellitenbetreiber PanAmSat verstärkte im Sommer 2002 seine Flotte mit einem weiteren Boeing BSS-702 Satelliten. Den Startauftrag hatte das Unternehmen Sea Launch mit seiner Zenit-3SL erhalten. Am 15.06.2002 startete die Rakete und brachte Galaxy 3C. Zwei Zündungen der Block-DM SL Endstufe beförderten den Satelliten auf einen Transferorbit mit einem Perigäum von über 40.000 km Höhe bei nahezu 0° Bahnneigung. Damit verbrauchte das R-4D Triebwerk des Satelliten nur ausgesprochen wenig Treibstoff, bis Galaxy 3C seine endgültige Synchronbahn erreichte. Stationiert wurde der Satellit über 95° West, von wo aus er Nord-, Zentral- und Südamerika versorgte. 24 C-Band und 53 Ku-Band Transponder stellte der Satellit bereit, der ursprünglich als PAS 9 (PanAmSat 9) in Auftrag gegeben worden war und später als Galaxy 13 firmiert hatte. Die Kapazitäten wurden von einer Reihe Kabelnetzbetreiber, aber auch von großen Konzernen gemietet. Als erster BSS-702 Satellit war Galaxy 3C mit vergrößerten Solarzellenauslegern ausgerüstet worden, nachdem die ursprüngliche Lösung, bei der spezielle Konzentratoren die Ausbeute erhöhen sollten, sich als unbrauchbar erwiesen hatte.

20.06.2002

Nach zweiwöchiger Verschiebung des Termins hob am 20.06.2002 erstmals von Plesetsk eine Rockot Rakete im Auftrag der Iridium Satellite LLC ab. Nach dem finanziellen Kollaps der ursprünglichen Iridium Corp., die ab 1997 ein globales Netzwerk aus 66 Satelliten für die mobile Telefonie und Datenübertragung errichtet hatte, war dies der zweite Start im Auftrag des neustrukturierten Nachfolgers. Mit diesen Starts wurden Lücken im System aufgrund von Ausfällen einzelner Satelliten geschlossen, was eine Voraussetzung dafür war, daß das Unternehmen seine Dienste u.a. dem amerikanischen Militär flächendeckend zur Verfügung stellen konnte. Die beiden Satelliten, Iridium SV97 und Iridium SV98, dienten als Auffrischung des Systems, in dem inzwischen einzelne Satelliten Fehlfunktionen entwickelt hatten.

24.06.2002

NOAA 17::Abb.: Lockheed MartinEinen neuen Satelliten erhielt der amerikanische meteorologische Dienst NOAA am 24.06.2002. An diesem Tag startete von der Vandenberg AFB eine Titan 23G mit einem TIROS-N Satelliten an Bord. Die zweistufige Rakete brachte ihre Nutzlast auf eine suborbitale Bahn, bevor das Star 37XFP Feststofftriebwerk des Satelliten diesen auf eine sonnensynchrone Bahn in 800 km Höhe anhob. Hydrazin-Kleinstriebwerke nahmen eine Feinjustierung der Bahn vor. Als NOAA 17 wurde der vor dem Start als NOAA-M bezeichnete Satellit später in Dienst gestellt. Aufgrund der gewählten Bahn übernahm NOAA 17 die Morgenüberflüge über dem amerikanischen Kontinent, während NOAA 16 der Nachmittagsbahn folgte. Nur zwei Tage nach dem Start übertrug der Satellit sein erstes Bild der Wolkenbedeckung. Neben der üblichen Ausrüstung mit meteorologischen Sensoren (u.a. AMSU = Advanced Microwave Sounding Unit, HIRES = High Resolution Infrared Radiation Sounder, AVHRR = Advanced Very High Resolution Radiometer und SBUV = Solar Backscatter ultraviolet Radiometer) trug der Satellit den Space Environment Monitor für die Erforschung kosmischer Teilchen und ein SAR (Search and Rescue) Paket zur Lokalisierung verunglückter Fahrzeuge und Personen.

25.06.2002

Nur einen Tag vor dem geplanten Start des nächsten Progress Transportraumschiffs machte Progress M1-8 den Kopplungsstutzen am Swjesda Modul frei. Beladen mit Abfällen und ausgedienten Gerätschaften legte das unbemannte Raumschiff am 25.06.2002 um 08:26 UTC von der ISS ab. Drei Stunden später wurde das entscheidende Bahnmanöver eingeleitet. Das Retromanöver senkte das Perigäum bis auf 50 km ab, so daß Progress M1-8 planmäßig über dem ausgewiesenen Gebiet des Pazifiks verglühte.

26.06.2002

Progress-M46 im MIK::Abb.: RKK EnergijaProgress M-46 startete am 26.06.2002 um 05:36 UTC mit einer Sojus-U 11A511U Rakete vom Kosmodrom Baikonur. Ziel des Transportraumschiffs auf der Mission ISS 8P, die ursprünglich am 21.05.2002 hatte beginnen sollen, um dann wieder vom 14.07.2002 vorverlegt zu werden, war die Internationale Raumstation. Im Endanflug auf die ISS wurde das Kurs Rendezvoussystem am 28.06.2002 noch einer gründlichen Prüfung unterzogen. Dann, am 29.06.2002 um 06:23 UTC fand das Docking am Swjesda Modul der ISS statt. Für die nächsten 3½ Monate blieb das Raumschiff hier verankert.

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