Olafs Raumfahrtkalender

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Raumfahrtchronik Juni 2003

02.06.2003

Mars Express::Abb.: ESASo sollte Beagle 2 auf dem Mars forschen::Abb.: All Rights Reserved Beagle 2Mars Express HRSC 3D-Bild von Olympus Mons::Abb.: ESAEisfelder in Polnähe gesehen von Mars Express::Abb.: ESAspektakuläre Aufnahme eines Kraters mit Eissee::Abb.: ESA/DLRJahrzehntelang hatte sich die europäische Raumfahrtorganisation ESA auf die Entwicklung von Anwendungs- und Forschungssatelliten sowie die vereinzelte Teilnahme an bemannten Raumflügen konzentriert. Raumsonden, wie sie in den 60er Jahren von der ESRO konzipiert worden waren, fanden keinen Eingang in die Planungen. Doch im Jahr 1999 beschloss die ESA die Mars Express (MEX) Mission als Bestandteil des „Horizon 2000 plus” Programms. Geplant wurden mehrere sogenannte „F” (flexibel) Missionen zum Mars und zur Venus, die einen möglichst großen Nutzen aus der Verwendung einheitlicher Baugruppen ziehen sollten. Mars Express sollte die Pfadfinderrolle innerhalb des Programms übernehmen und im Sommer 2003 als erste Sonde gestartet werden. Dieser Zeitpunkt ermöglichte dank einer günstigen Planetenkonstellation den Start einer vergleichsweise schweren Sonde mit der für die Mission ausgewählten Sojus-FG Rakete. Da Mars Express selbst nicht mehr als 150 Mio. € kosten durfte, griff man bei der Entwicklung auf bestehende und erprobte Systeme zurück. Der Bus stellte eine Weiterentwicklung desjenigen der Rosetta Sonde dar. Auch bei der wissenschaftlichen Ausrüstung konnte man größtenteils auf bereits vorhandene Systeme zurückgreifen. HRSC, die High Resolution Stereo Camera, war ursprünglich in Deutschland für die gescheiterte Mars 96 Mission entwickelt worden. Diese Kamera konnte durch die Kombination der im Rot-, Blau-, Grün- und Nahinfrarot-Bereich gewonnenen Aufnahmen stereoskopische Bilder mit 10 m Auflösung liefern. Der Super Resolution (SR) Kanal bot sogar eine Auflösung von 2,3 m unter optimalen Bedingungen. Ziel der Missionsplaner war es, die gesamte Marsoberfläche mit der bis dahin unerreichten Auflösung von 30 m zu fotografieren (erstmals zudem flächendeckend in Farbe). Höheninformationen (auf 10 m genau) sollten ebenfalls in globalem Ausmaß gewonnen werden. Und etwa 1% der Marsoberfläche hoffte man mit höchster Auflösung dokumentieren zu können. OMEGA, das französische Observatoire pour la Minéralogie, l'Eau, les Glaces et l'Activité, wurde ebenfalls aus der Reserveeinheit eines Instruments der Mars 96 Mission entwickelt. Das abbildende Spektrometer (sichtbarer und infraroter Bereich) diente der Suche nach Mineralien, Wasser und Eis, konnte aber auch die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Temperatur am Boden bestimmen. In Italien wurde das Planetary Fourier Spektrometer (PFS) entwickelt. Dabei handelte es sich um ein breitbandiges IR-Spektrometer. Dieses wurde zur Analyse der Atmosphäre eingesetzt, konnte aber auch die Zusammensetzung des Marsbodens bestimmen. Im Laufe der Mars Express Mission erhofften die Wissenschaftler, eine globale Kartierung von Mineralien, Erzen und Spurengasen vornehmen zu können. Das SPICAM (Spectroscopy for Investigation of Characteristics of the Atmosphere of Mars) Spektrometer durchleuchtete in verschiedenen Betriebsmodi die Marsatmosphäre und maß so z.B. die Konzentrationen von Spurengasen wie Ozon oder Kohlenmonoxid. Wie das PFS ging auch SPICAM auf ein Instrument zurück, das für die Mars 96 Mission entwickelt worden war. Die Vorgänger von ASPERA-3 (Analyzer of Space Plasmas and Energetic Atoms) flogen ebenfalls bereits mit Phobos 1 und Phobos 2 und waren an Bord von Mars 96. Nun erhielten die vier Sensoren des Instruments endlich die Gelegenheit, über einen längeren Zeitraum geladene und neutrale Teilchen in der oberen Marsatmosphäre nachzuweisen. Neu für die Mars Express entwickelt wurde dagegen das MARSIS (Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionosphere Sounding) Radar. Durch die Wahl des Frequenzbereichs war das Instrument sowohl in der Lage, die Ionosphäre des Mars zu untersuchen, als auch seine Oberfläche. Wichtigste Aufgabe von MARSIS war die Suche nach Eis oder Wasser unterhalb des Marsbodens.
Zu der Zeit, als die ESA die Mars Express beschlossen hatte, suchte in Großbritannien ein Wissenschaftlerteam um Colin T. Pillinger eine Möglichkeit zur Umsetzung seiner Beagle 2 Marslandemission. Da Großbritannien praktisch kein nationales Raumfahrtprogramm hatte, setzten die Wissenschaftler auf eine Finanzierung durch Sponsoren. Doch konnte nur ein Bruchteil der benötigten Gelder aufgebracht werden, die zur Umsetzung der Idee erforderlich waren. Dennoch gelang es Pillinger die ESA davon zu überzeugen, Beagle 2 einen Mitflug auf der Mars Express Mission zu ermöglichen. Die Nutzlastkapazität der Sojus-FG Rakete ließ die Mitnahme einer knapp 100 kg schweren sekundären Nutzlast zu. Das war zwar etwa soviel, wie man für Beagle 2 kalkuliert hatte, allerdings als Landemasse. Also mußte der Entwurf radikal überarbeitet werden. Es entstand ein minimalistischer Lander, der bei einem Ausgangsgewicht von 74 kg auf dem Mars noch 33 kg wiegen sollte. Angesichts der engen Massenvorgaben war die redundante Auslegung auch nur einzelner Systeme unmöglich. Schließlich wollte man mit dem winzigen Lander ein anspruchsvolles Forschungsprogramm absolvieren. Der Anthropomorphic Robotic Manipulator (ARM), ein hochbeweglicher 1 m langer Manipulatorarm sollte die Instrumente der Payload Adjustable Workbench (PAM) mit hoher Präzision rund um den Lander zum Einsatz bringen. Das Gas Analysis Package (GAP) bestand aus einem Massenspektrometer und 12 Öfen, in denen Bodenproben erhitzt und analysiert werden konnten. Dabei sollte geziel u.a. nach Karbonaten (Hinweis auf früher vorhandenes Wasser) und organischen Spuren gesucht werden. Dagegen maß die Environmental Surface Suite atmosphärische Paremeter. Zwei Stereo-Kameraa und eine Mikroskop-Kamera jeweils mit vorschaltbaren Filtern ergämuten die Ausrüstung, zu der auch ein Mössbauer Spektrometer und ein Röntgenstrahlenspektrometer zählten. Besonders interessant war das deutsch „Maulwurf” Experiment. PLUTO, das Planetary Undersurface Tool sollte über den Boden „kriechen” und sich beim Auftreffen auf ein Hindernis unter dieses in den Marsboden bohren. Der winzige Bohrer konnte bis in 3 m Entfernung zum Lander agieren und bis in 1,5 m tiefe vordringen. Dort sollte er Temperaturmessungen vornehmen und Proben für das GAP entnehmen. Mit dieser Ausrüstung war Beagle 2 durchaus ein ernstzunehmender wissenschaftlicher Beitrag vor allem im Hinblick auf die Suche nach Leben. Dem britischen Team um Professor Pillinger gelang es jedoch lediglich einen Bruchteil des Geldes für die Mission aufzubringen, obwohl wissenschaftliche Institute aus dem In- und Ausland die wissenschaftliche Ausrüstung beisteuerten. Erst als die ESA 24 Mio. € beisteuerte, war das Projekt gerettet. Für die ESA bedeutete dieses Engagement, daß der Bau einer zweiten Empfangstation für Mars Express, welcher die empfangbare Datenmenge verdoppelt hätte, auf 2004 verschoben werden mußte. Zudem beging die ESA den Fehler, die Projektleitung weiter bei dem in solchen Dingen unerfahrenen Pillinger Team zu lassen. Das sollte Konsequenzen haben. Trotz der nun einigermaßen gesicherten Finanzierung lag das Beagle 2 Projekt bis zuletzt hinter dem Zeitplan zurück. Daher konnten kaum Tests der einzelnen Systeme, geschweigedenn der gesamten Sonde unternommen werden. Vor allem das Landesystem blieb eine große Unbekannte. Der Eintrittswinkel in die Atmosphäre hing ausschließlich von der Präzision bei der Abtrennung vom „Mutterschiff” Mars Express ab. Im Gegensatz zu den Landestufen der amerikanischen Rover verfügte Beagle 2 nicht über ein Triebwerk, das den Lander bei Seitenwind hätte stabilisieren können. Und statt vieler kleiner Airbags kamen aus Gewichtsgründen lediglich drei große zum Einsatz. Gerade die Airbags wurden aber vor dem Start nie unter realen Bedingungen getestet. Und so bestätigten sich die Befürchtungen vieler Experten. Den Start Huckepack auf Mars Express überlebte Beagle 2 zunächst unbeschadet. Mehrfach war der Starttermin der Mission verschoben worden, u.a. auch wegen Verunreinigungen innrhalb der Nutzlastverkleidung. Am 02.06.2003 gelang der Start von Baikonur aber ohne Probleme. Am 19.12.2003 trennte sich Beagle 2 dann von Mars Express, ein Vorgang, der von einer Kamera dokumentiert wurde. Danach sollte Beagle 2 planmäßig inaktiv bleiben bis etwa 1 Stunde vor dem Eintritt in die Atmosphäre. Doch von Beagle 2 sollten keine Lebenszeichen mehr kommen. Weder der amerikanische Mars Odyssey 2001 Orbiter, noch Mars Express oder das Radioteleskop von Jordell Bank konnten ein Signal auffangen. Offenbar war Beagle 2 gescheitert. Die Ursache blieb aber im Dunkeln. Der Fehlschlag löste vor allem in Großbritannien ein gewaltiges Medienecho aus. Eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt, die schwere Mängel bei der Realisierung des Projekts feststellte. Beagle 2 hätte unter den gegebenen Umständen niemals starten dürfen. Auch die ESA sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie Gelder der Mitgliedsstaaten derart unkritisch vergeben hatte. Überhaupt überlagerte der Mißerfolg von Beagle 2 den Erfolg von Mars Express. Zwar litt Mars Express unter dem Ausfall von 30% der Solarzellenkapazität, was eine teilweise Neuplanung der Mission erforderlich machte. Ansonsten funktionierten die Systeme aber nahezu perfekt. Am 20.12.2003 flog Mars Express ein Ausweichmanöver, um Beagle 2 nicht zu gefährden. Das entscheidende Bremsmanöver am Mars fand dann am 25.12.2003 statt. Mehrere Triebwerkszündungen justierten die Bahn dann planmäßig. Bald darauf konnten die wissenschaftlichen Untersuchungen aufgenommen werden. Probleme bereitete lediglich das Antennensystem des MARSIS Experiments. Beim Ausklappen des ersten Auslegers waren dessen Gelenke blockiert und mußten erst im Sonnenlicht aufgetaut werden. Dann gab es Bedenken hinsichtlich eines möglichen Zurückschwingens der immerhin 20 m langen Antennen. Zeitweise wurde sogar erwogen auf den Einsatz von MARSIS zu verzichten, um die gesamte Mission nicht zu gefährden. Doch letztlich konnten zwischen dem 02.05. und dem 17.06.2005 alle Ausleger ausgeklappt und verriegelt werden. Damit war auch dieses Experiment einsatzbereit. Seither wurde der Betrieb von Mars Express mehrfach verlängert, denn die Mission lieferte herausragende Ergebnisse. So wurden Indizien für das Vorhandensein von Wassereis gefunden, Methan in der Atmosphäre nachgewiesen und spektakuläre hochauflösende Bilder von Strukturen auf der Marsoberfläche zur Erde übertragen. Bilder des verschollenen Beagle 2 Lander waren nicht daraunter. Diese lieferte Ende 2005 stattdessen Mars Global Surveyor. Sollte die Deutung der schemenhaften Strukturen auf den Bildern korrekt sein, dürfte der Abstieg von Beagle 2 durch die Atmosphäre fatal mißlungen sein. Scheinbar wurde der Hitzeschutzschild nie abgeworfen und der Fallschirm entfaltete sich wohl auch nicht. Schließlich „landete” Beagle 2 wohl auch noch in einem Krater, wobei zuguterletzt die Airbags versagten...

04.06.2003

Ein „Parus” Navigationssatellit wurde am 04.06.2003 mit einer Kosmos-3M 11K65M Rakete vom nordrussischen Kosmodrom Plesetsk gestartet. Unter der Bezeichnung Kosmos 2398 wurde er nach Erreichen der geplanten Umlaufbahn in durchschnittlich 1.000 km Höhe in Dienst gestellt.

06.06.2003

Im Jahr 2000 bestellte GE American Communications (GE Americom) bei Alcatel Space einen neuen Kommunikationssatelliten auf Basis des Spacebus 3000B3 Modells. Insgesamt umfaßte der Auftrag vier Satelliten, GE 12, GE 14, GE 1i und GE 2i. Mit Ausnahme von GE 14 (Atlas IIAS) sollten die Starts der Satelliten auf Proton Raketen von International Launch Services erfolgen. Als GE 12 schließlich im Jahr 2003 startklar war, war GE Americom als Tochter des SES Konzerns in diesem aufgegangen. SES Americom benannte den Satelliten in AMC 9 um und plante einen Einsatz über 85° West. Mit seinen 24 Ku-Band und ebensovielen C-Band Transpondern konnte der Satellit von dieser Position aus die USA, Mexiko, Mittelamerika und die Karibik mit Rundfunk- und TV-Programmen versorgen. Nach dem Verlust des SES Satelliten Astra 1K aufgrund eines Problems mit der Block DM-3 11S861-02 Endstufe der Proton Rakete entschied sich der Eigner von AMC 9 für den (partiellen) Wechsel der Trägerrakete. Zeitweise wurde die Umbuchung des Starts auf eine Atlas V erwogen. Doch letztlich machte man von der Möglichkeit Gebrauch, die Proton-K 8K82K mit der Breeze-M 14S43 Endstufe ausrüsten zu lassen. Dieser Wechsel und zusätzliche Überprüfungen des Satelliten, die nach den Problemen mit Thaicom 3, einem anderen Spacebus 3000 Satelliten, angeordnet worden waren, verzögerten den ursprünglich für März 2003 geplanten Start aus zunächst Ende April und dann weiter auf Mai und schließlich Juni 2003. Am 06.06.2003 brachte die Trägerrakete ihre Fracht von Baikonur auf eine geostationäre Transferbahn. Fünf Zündungen der Breeze-M waren bis zum Erreichen der Bahn erforderlich. Den Einflug in eine Synchronbahn besorgte dann der satelliteneigene Antrieb.

08.06.2003

Nachschub für die Rumpfcrew an Bord der ISS lieferte das Frachtraumschiff Progress M1-10, das am 08.06.2003 um 10:34 UTC im Rahmen der ISS-11P Mission mit einer Sojus-U 11A511U Rakete von Baikonur startete. Rund zwei Tonnen Versorgungsgüter, frische Nahrungsmittel, Wasser, Treibstoffe, Ersatzteile und Material für Experimente, brachte die Progress zur Raumstation. Nach dem Start begann ein zweitägiges Annäherungsmanöver an die ISS, das in einem automatischen Endanflug mündete. Am 11.06.2003 um 11:15 UTC dockte das Raumschiff schließlich am Pirs Modul der ISS an. Es folgten die üblichen Sicherheitsüberprüfungen, bevor Juri Malentschenko und Edward Lu die Luken zur Frachtsektion öffnen konnten. Mit besonderer Anspannung hatte Malentschenko diesen Moment erwartet, wollte er doch in einigen Wochen in der Erdumlaufbahn seine Freundin Jekaterina Dimitriewa heiraten. Und so hatte Progress M1-10 nicht nur lebensnotwendigen Nachschub für die ISS an Bord, sondern auch Frack und Ehering für die Hochzeitszeremonie.
Knapp drei Monate blieb Progress M1-10 an der ISS angedockt und steuerte in dieser Zeit auch den gesamten Orbitalkomplex bei mehreren Routinebahnmanövern. Am 04.09.2003 um 19:42 UTC machte der Frachter seine Andockposition schließlich frei für die Ankunft des nächsten bemannten Sojus-Raumschiffs. Statt jedoch wie üblich unmittelbar darauf das Retromanöver zum Rücksturz in die Atmosphäre einzuleiten, manövrierte Progress M1-10 bis auf einen Sicherheitsabstand zur ISS und begann ein autonomes einmonatiges Forschungsprogramm. Obwohl nur wenige Details verlauteten, wurde bekannt, daß das Ziel des Unternehmens darin bestand, die Eignung der Progress für Erderkundungsaufgaben zu untersuchen. Am 03.10.2003 um 11:26 UTC wurde schließlich das finale Bahnmanöver eingeleitet und gegen 12:39 UTC war das Raumschiff über dem Pazifik in der Atmosphäre verglüht.

10.06.2003

Im Frühjahr 2002 erteilte die Thuraya Satellite Telecommunications Co. Ltd. den Auftrag zum Start des zweiten Thuraya Satelliten. Dabei griff der Satellitenhersteller Boeing Satellite Systems auf eine Startreservierung zurück, die bereits 1996 bei der Sea Launch Company gebucht worden war. Thuraya 2 war ursprünglich als Reserveexemplar für Thuraya 1 gebaut worden. Nachdem auch dieser Satellit die typischen Probleme des BSS-702 Modells mit den Solarkonzentratoren entwickelte, reklamierte Thuraya einen Versicherungsschaden in Höhe von 371 Mio. $ und gab den Start von Thuraya 2 frei. Gleichzeitig schloß man mit Boeing Satellite Systems einen Vertrag über die Lieferung eines dritten Satelliten ab. Als Starttermin für Thuraya 2 wurde der Januar 2003 vorgesehen. Er verzögerte sich jedoch zunächst auf den 04.04.2003, um dann schließlich am 10.06.2003 stattzufinden. Von der schwimmenden Startplattform „Odyssey” hob die Rakete an diesem Tag mit ihrer 5.177 kg schweren Fracht ab. Gegenüber Thuraya 1 waren an dem BSS-GEM (geo mobile) Satelliten einige Änderungen vorgenommen worden. Vor allem war Boeing zu einem herkömmlichen Solarzellendesign zurückgekehrt, was jedoch eine Vergrößerung der Spannweite bedingte. Die sonstige konstruktive Auslegung hatte sich bewährt, insbesondere auch die 12,25 m durchmessende L-Band Antenne mit ihren 128 aktiven Elementen. Der Satellit erreichte mit zwei Zündungen der Block DM-DL Endstufe den vorgesehenen Transferorbit, bevor er auf eine Synchronbahn manövrierte. Stationiert wurde er schließlich über 44° Ost. Durch eine Rekonfiguration der Ausleuchtzone von Thuraya 1 erhöhte sich mit der Inbetriebnahme von Thuraya 2 nicht nur die Kapazität des Thuraya Systems für die satellitengestützte Mobilfunkkommunikation, auch die Reichweite konnte durch eine bessere Abdeckung von Teilen Afrikas erhöht werden.

10.06.2003

Die verlassene Landestufe von „Spirit”::Abb.: NASA/JPLDer „Adirondack” Felsen::Abb.: NASA/JPL„Spirit” bei der Untersuchung eines Felsens::Abb.: NASA/JPLDas blockierte Vorderrad von „Spirit” gab den Wissenschaftlern teilweise unerwartete Einblicke in tiefere Schichten des Bodens...::Abb.: NASA/JPLBlick in den „Bonneville Crater”::Abb.: NASA/JPL/CornellNachdem der erste amerikanische Mars-Rover „Sojourner” den Nutzen eines mobilen Forschungslabors eindrucksvoll unterstrichen hatte, nahm die NASA mit dem Mars Exploration Rover Projekt gleich eine Doppelmission in ihr Marsprogramm auf. Diesmal sollten gleich zwei Rover getrennt zum Mars gestartet werden und diesen für jeweils mindestens 90 Tage untersuchen. Gegenüber Sojourner wurden die MER mobiler und mit einem höheren Autonomiegrad ausgelegt. Die gestiegene Größe kam zudem der wissenschaftlichen Ausrüstung zugute. Die kompakten, auch nur 1,6 m langen, Rover wurden mit zwei Kamerasystemen ausgerüstet. Die Pancam (Panoramic Camera) wurde an der Spitze eines ausklappbaren Mastes angebracht, so daß Aufnahmen aus ca. 1,30 m Höhe über dem Marsboden gewonnen werden konnten. Das Kamerasystem ermöglichte die Gewinnung stereoskopischer Bilder unter Verwendung von Filtern, die den gesamten Bereich des sichtbaren Lichts bis hin zum Infrarot abdeckten. Die um 360° drehbare Pancam Mast Assembly (PMA) trug zudem noch Kameras für die Rover-Navigation. Dagegen diente das Mini-TES (Mini-Thermal Emission Spectrometer) der Untersuchung der von den Forschungsobjekten emittierte IR-Strahlung. Aus der Spektralanalyse konnten Aufschlüsse zur Zusammensetzung des Marsbodens und -gesteins gewonnen werden. Ein weiterer Ausleger an der Front der Rover trug eine Suite von Instrumenten. Mit dem dort montierten RAT, dem Rock Abrasion Tool, konnten auf einer Fläche mit 5 cm Durchmesser und bis in 5 mm Tiefe interessante Felsen angeschliffen werden. Dann kamen die Spektrometer und die Mikro-Kamera zum Einsatz. Die Universität Mainz hatte zum MER Programm ein Mössbauer-Spektrometer beigesteuert, das die mineralische Zusammensetzung des Marsgesteins mit hoher Präzision bestimmen konnte. Insbesondere eisenhaltiges Gestein konnte detailliert untersucht werden. Das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie hatte das APXS Instrument (Alpha Particle X-ray Spectrometer) entwickelt. Dieses Instrument „beschoß” die Probe mit Alphateilchen und analysierte die Energiespektren der zurückgeworfenen Alphateilchen und die emittierte Röntgenstrahlung. Aus den Messungen ließ sich das Vorhandensein einer Vielzahl chemischer Elemente ableiten. Die Untersuchungen der Spektrometer wurden durch den Einsatz des Microscopic Imager ergänzt. Diese mikroskopische Kamera lieferte extreme Nahaufnahmen des Marsgesteins, was speziell nützlich bei der Untersuchung von Sedimentgesteinen und der Suche nach Spuren von Wasser nützlich war. Gerade die Suche nach Wasser bzw. der Nachweis, daß es einst fließendes Wasser auf dem Mars gegeben hatte, war eine der zentralen Aufgaben des MER Programms. Demenstprechend wurden auch die Landeplätze im Vorfeld ausgewählt.
Der Start des ersten Rovers, MER 2, war ursprünglich für den 30.05.2003 geplant gewesen. In letzter Minute wurden aber noch zusätzliche technische Überprüfungen angeordnet und einige kleinere Probleme bei den Startvorbereitungen mußten behoben werden. Schließlich hob die Delta 7925 am 10.06.2003 von Cape Canaveral ab. Aus einer kreisförmigen Parkbahn um die Erde beschleunigte die letzte Raketenstufe mit der Raumsonde in Richtung Mars. Schließlich wurde die Landestufe von der Stufe abgetrennt und setzte ihren Flug zum Ziel fort. Vier Kurskorrekturen erfolgten bis zum Ziel. Am 20.11.2003 endete die interplanetare Flugphase und der Endanflug auf den Mars begann. Die Landesequenz wurde am 04.01.2004 ausgelöst. 15 min vor dem Erreichen der äußeren Atmosphärenschichten wurde die nicht mehr benötigte Manövrierstufe des Landers abgetrennt. Mit 19.300 kmh-1 trat dieser dann in die äußeren Schichten der Marsatmosphäre ein. Innerhalb von nur vier Minuten verzögerte die Sonde auf 1.600 kmh-1. Dann wurde die Aeroshell abgeworfen und der Fallschirm ausgestoßen. In 100 m Höhe bei einer Geschwindigkeit von nur noch 300 kmh-1 lösten Bremstriebwerke aus und die Airbags entfalteten sich. Mit noch rund 50 kmh-1 traf der von den Airbags geschützte Lander im freien Fall auf dem Mars auf. Obwohl kleine Hilfstriebwerke die seitliche Drift im Endanflug minimierten, sprang der Lander etwa 8,4 m in die Höhe, prallte erneut auf und baute so Energie ab. Nach der 28. Bodenberührung blieb der Lander schließlich liegen, rund 250 bis 300 m von der ursprünglichen Landestelle entfernt. Mit nur 10 km Abweichung zum Zentrum der berechneten Landeellipse hatte der auf den Namen Spirit getaufte Rover bei 14,57° Süd und 175,47° Ost den Mars erreicht. Die Zielregion im Krater Gusev war ausgewählt worden, weil man annahm, daß sich dort einst ein See befunden hatte. Bereits während des Abstiegs hatte die Landestufe Daten und Navigationsbilder übertragen. Kaum waren die Airbags entlüftet und die Systeme des Landers überprüft, übertrug Spirit die ersten Bilder von der Landestelle direkt zur Erde. An den folgenden Tagen wurden die PMA mit den Kameras ausgefahren und der Rover in Fahrbereitschaft versetzt. Doch zunächst mußte ein Problem überwunden werden. Einer der Airbags hatte sich nicht vollkommen entleert und blockierte nun einer der Rampen. Schließlich wurde entschieden, Spirit auf der Stelle um 120° zu drehen und eine seitliche Reserverampe zu benutzen. Am 15.01.2004 rollte Spirit erstmals über den Marsboden. Seine ersten Bilder zeigten eine mit vielen kleinen Gesteinsbrocken bedeckte Ebene. Einen in der Nähe befindlichen Felsen, den die Wissenschaftler „Adirondack” getauft hatten, wählten sie als erstes Ziel für den kombinierten Einsatz der wissenschaftlichen Instrumente aus. Am 20.01.2004 erreichte der Rover den Felsen, doch am nächsten Tag brach die Kommunikation zwischen Spirit und dem Kontrollzentrum komplett zusammen. Nur noch wenige und zudem verstümmelte Signale trafen ein. Nach zwei Tagen konnten die Wissenschaftler aber schließlich genug Informationen aus den Fragmenten extrahieren, um der Ursache auf die Spur zu kommen. Wie sich zeigte, hatte der Bordcomputer von Spirit innerhalb der letzten drei Tage mehr als 60 Reboots ausgelöst. Ein Softwareproblem verhinderte das korrekte Management des verfügbaren Flashspeichers, was der Computer mit einem Reboot quittierte. In einem mehrtägigen Prozeß gelang es zunächst den Computer zu stabilisieren und dann eine neue Speicherverwaltungsroutine zu implementieren. Damit wurde die Mission von Spirit und vermutlich auch die von Opportunity, dem Zwillingsrover, gerettet. Jedenfalls demonstrierte Spirit doch noch erfolgreich die Funktion seiner Instrumente bei der Untersuchung von „Adirondack” und begab sich dann zum rund 300 m entfernt liegenden „Bonneville Crater”. Unterwegs wurden eine Reihe weiterer Felsen untersucht. Am 11.03.2004 war der Kraterrand erreicht, doch konnten keine Hinweise auf die Aktivität von Wasser in dieser Region festgestellt werden, so daß von einem Abstieg in den Krater abgesehen wurde. Stattdessen nahm man die Tour zu den „Columbia Hills” in Angriff, die man nach der Landung als Ziel der Mission ausgewählt hatte. Angesichts einer zurückzulegenden Entfernung von 2,6 km war die Hoffnung jedoch gering, mit Spirit bis dorthin zu gelangen. Es sollte jedoch anders kommen. Am 11.06.2004 erreichte der Rover den Fuß der Bergkette und war immer noch in einem Zustand, der weitere Erkundungen zuließ. Wie sich herausstellen sollte, war es erst der Beginn einer mehrjährigen Mission, die immer neue aufsehenerregende Ergebnisse hervorbrachte. Auch Probleme mit einem blockierenden Vorderrad, die zunehmende Verschmutzung der Solarzellenflächen und der Energiemangel während mehrerer „Marswinter” konnten die Mission nicht gefährden. Und trotz ernster Budgetprobleme verlängerte auch die NASA die Mission immer wieder.

11.06.2003

Satellit des BSAT 2 Typs ::Abb.: Orbital Sciences Co.Eine weitere Ariane 5G wurde am 11.06.2003 von Kourou in Französisch Guyana gestartet. Sie beförderte zwei Kommunikationssatelliten auf geostationäre Transferbahnen. Es handelte sich dabei um den von Orbital Sciences gebauten BSAT 2c und den von Mitsubishi gelieferten Optus and Defence C1. Die Broadcasting Satellite System Corporation setzte für ihren Satelliten auf den leichten Star 1 Bus von OSC. Ein erster BSAT 2 Satellit dieses Typs war bereits Anfang 2001 gestartet worden, doch BSAT 2b strandete wenige Monate später auf einer unbrauchbaren Bahn. Daraufhin hatte die BSAT im September 2001 den Auftrag zum Bau und Start eines Ersatzsatelliten erteilt. Dieser verfügte wie seine Vorgänger lediglich über 4 Ku-Band Transponder. Von einer Position über 110° Ost versorgte er das japanische Inselreich mit direktempfangbaren Fernsehprogrammen. Dagegen diente Optus C1 verschiedenen zivilen und militärischen Kommunikationsaufgaben. Der Satellit war vom japanischen MELCO Konzern auf Basis des Space Systems/Loral Designs LS-1300 gebaut worden. Der zivile Teil des Satelliten trug den Namen Optus C1, während die zusätzlich installierte militärische Nutzlast als Defence C1 bezeichnet wurde. Als einer der modernsten Kommunikationssatelliten seiner Zeit verfügte Optus and Defence C1 über 16 steuerbare Antennen, die 18 Sendekeulen auf Australien, Neuseeland und die Pazifik-Region richten, aber auch global das Gebiet von Indien bis nach Hawaii ausleuchten konnten. 24 Ku-Band Transponder bildeten die zivile Nutzlast. Demgegenüber wurden 4 Ka-Band, 4 X-Band und 6 UHF-Transponder im Auftrag des australischen Verteidigungsministeriums betrieben, das auch einen Teil der Entwicklungs- und Betriebskosten des Satelliten trug. Stationiert wurde Optus and Defence C1 über 156° Ost.

19.06.2003

Molnija-3 Satellit in Plesetsk::Eine Ära ging am 19.06.2003 mit dem Start einer Molnija-M 8K78M Rakete vom Kosmodrom Plesetsk zu Ende. Fast 30 Jahre hatten die Molnija-3 Kommunikationssatelliten das Bild der sowjetischen und später russischen Satellitenkommunikation geprägt. Der zunehmende Einsatz geostationärer Satelliten ließ aber zuletzt die Startraten deutlich sinken. Zudem genügten ihre technischen Parameter nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Molnija 3-53 erreichte als letzter Satellit dieser Serie aus einer Parkbahn heraus, angetrieben von der Block-ML Endstufe der Rakete, den vorgesehenen Molnija-Orbit. Hier diente er hauptsächlich der Bereitstellung innerrussischer Kommunikationskapazitäten für die Übertragung von Fernseh- und Rundfunksendungen sowie von Telegrafie- und Telefoniekanälen.

26.06.2003

OrbView 3::Abb.: Orbital Sciences Co.Für ihr Tochterunternehmen Orbital Imaging Corporation (OrbImage) baute die Orbital Sciences Corporation den Erderkundungssatelliten OrbView 3. Der Satellit wurde mit einer Kamera mit einer Apertur von 0,45 m Durchmesser ausgerüstet, was im monochromen Bereich eine Auflösung von 1 m und im multispektralen Bereich (4 Kanäle) immer noch 4 m ermöglichte. Bei einem Gewicht von nur 304 kg war OrbView 3 der kleinste und leichteste Erderkundungssatellit seiner Zeit. Die Qualität der Aufnahmen zählte dessenungeachtet zur absoluten Weltspitze. Auch wenn OrbImage das Ziel verfolgte, diese hochwertigen Aufnahmen kommerziell zu vermarkten, sicherte sich das US Militär doch das Vorkaufsrecht auf einen Großteil der Daten. Lediglich Aufnahmen, an denen kein exklusives Interesse bestand, wurden für die weitergehende Vermarktung autorisiert. Einerseits sicherte sich das Militär derart exklusiv den Zugang zu wichtigen Aufklärungsinformationen, andererseits verhinderte man die unkontrollierte Verbreitung von detaillierten Aufnahmen sensibler Objekte (US Regierungsgebäude oder Militärstützpunkte). Und man unterband den Zugang zu unabhängigen Bildinformationen aus Afghanistan oder dem Irak. Bereits im September 2001 hatte OrbImage mit OrbView 4 einen ähnlichen Satelliten gestartet, der jedoch wegen eines Problems mit der Trägerrakete keinen stabilen Orbit erreichte. Der Verlust des Satelliten führte zu einer ernsten finanziellen Krise des Unternehmens, das daraufhin sogar im April 2002 Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen mußte. Knapp vier Jahre nach dem Start mußte der neue Eigner des Satelliten, die GeoEye Inc., bekanntgeben, daß ein Elektronikproblem im bildgebenden System seit dem 04.03.2007 die Gewinnung brauchbarer Aufnahmen verhinderte. Am 23.04.2007 wurde offiziell der Totalverlust der eigentlich auf mindestens fünf Jahre angelegten Mission erklärt. Die im Januar 2006 aus der Verschmelzung von OrbImage und Space Imaging entstandene GeoEye konnte glücklicherweise wenigstens noch über die Bilder des 1999 gestarteten Ikonos Satelliten verfügen. Zudem war für 2007 der Start des in GeoEye 1 umbenannten OrbView 5 geplant, der die Kontinuität des Systems sicherstellen sollte.

30.06.2003

MIMOSA::Abb.: Space Devices Ltd.MOST (im Vordergrund das Teleskop)::Abb.: Canadian Space AgencyFreddy Pranajaya (University of Toronto) mit QuakeSat::Abb.: University of TorontoEinen Mehrfachstart für zahlreiche internationale Kunden absolvierte am 30.06.2003 vom Komsodrom Plesetsk die Rockot Rakete. Schwerste Nutzlast war eine Attrappe des geplanten russischen Erderkundungssatelliten Monitor-E aus dem Konstruktionsbüro Chrunitschew, welches auch maßgeblich an der Rockot Rakete beteiligt war. Das 700 kg schwere Dynamikmodell des Satelliten wurde nicht von der Endstufe der Rakete abgetrennt. Anders die acht Mikro- und Nanosatelliten, die ebenfalls mitgeführt wurden. MIMOSA (Micro Measurements of Satellite Acceleration) aus der Tschechischen Republik diente ausschließlich der Messung der Atmosphärendichte. Dazu war mit einem einzigen Instrument ausgerüstet, einem extrem empfindlichen Beschleunigungssensor mit sechs Freiheitsgraden. Er wurde als erster auf einer elliptischen Bahn ausgesetzt. Nach einem Bahnmanöver der Breeze-KM Endstufe wurden der kanadische Kleinsatellit MOST und sechs weitere Nanosatelliten auf sonnensynchronen Bahnen ausgesetzt. MOST (Microvariability and Oscillations of Stars) stammte von der kanadischen Raumfahrtagentur und war mit einem 15 cm Teleskop ausgerüstet. Ziel der Mission war es, bisher unentdeckte Sterne und extrasolare Planeten aufzuspüren. Zudem ermöglichte die Instrumentierung in Verbindung mit einer neuentwickelten präzisen Lageregelung eine Sondierung unserere Sonne. Der Nanosatellit DTUSat (Danmarks Tekniske Universitet Satellite) war als studentisches Trainingsprojekt angehender Ingenieure konzipiert. Erprobt werden sollte aber auch eine Methode, mittels einer ausrollbaren 450 m langen elektrisch leitenden Trosse die Bahn des Satelliten zu beeinflussen. Theoretisch war eine Absenkung um 5 km pro Stunde berechnet worden. Bedauerlicherweise konnte nach dem Aussetzen kein Funkkontakt zu DTUSat hergestellt werden. CUTE-1 (Cubical TITech Engineering Satellite) war ein japanisches studentisches Projekt. Der Mikrosatellit verfügte über eine Reihe von Sensoren, die Informationen zum Zustand des Satelliten übertrugen. Ferner wurde eine ausklappbare Solarzellenfläche erprobt. Dazu kam eine Amateurfunknutzlast, die dem Satelliten auch die AMSAT Registrierung CO-55 bzw. CUBESAT-OSCAR 55 einbrachte. Trotz seiner dreifachen Größe zählte auch der amerikanische Quakesat zur neuen Gattung der CubeSats. Diese würfelförmigen ca. 1 kg schweren Satelliten, die bei diesem Start ihre Premiere feierten, sollten Schulen und Studenten eine kostengünstige Möglichkeit bieten, kleinere Experimente im All zu erproben. Quakesat basierte auf einem dreifachen CubeSat Modul. Für die Firma QuakeFinder baute das Space Systems Development Laboratory der Stanford University diesen Satelliten, mit dem das Unternehmen hoffte, extrem niederfrequente elektromagnetische Wellen empfangen zu können, wie sie scheinbar manchen Erdbeben vorausgehen. Sollte sich das bestätigen, hoffte QuakeFinder die Daten eines größeren Nachfolgesatelliten erfolgreich kommerziell vermarkten zu können. Von der Universität Aalborg stammte der zweite dänische Satellit bei dieser Mission. AAU-Cubesat 1 (Aalborg University Cubesat) war ebenfalls zunächst ein Trainingsobjekt für die Studenten. Zur Ausrüstung zählte eine CCD Kamera mit 1240×1024 Pixeln Auflösung entsprechend 100×80 km am Boden. Doch nach dem Aussetzen konnten nur wenige und sehr schwache Telemetriesignale von dem Satelliten empfangen werden. Nach 2½ Monaten war die Batteriekapazität soweit abgesunken, daß keine Daten mehr empfangen wurden. CanX 1, das erste Canadian Advanced Nanospace Experiment, stammte von Studenten der University Toronto. Er diente der Erprobung verschiedener miniaturisierter technischer Lösungen. CMOS Elemente als Horizont- und Sternensensoren, eine aktive magnetische Lagestabilisierung, moderne GaAs-Solarzellen und ein leistungsfähiger Bordcomputer waren die wichtigsten Punkte des Satellitendesigns. CubeSat XI-IV trug auch eine Amateurfunk-Bake, weswegen er auch als CUBESAT-OSCAR 57 bzw. CO-57 geführt wurde. Er war an der University of Tokyo entwickelt und gebaut worden. Der vierte Satellit des Typs XI (japanisch „sai”), daher die Bezeichnung, war das erste flugfähige Exemplar. Eine der Prämissen bei seiner Entwicklung war die weitgehende Verwendung kommerziell verfügbare Komponenten. XI-IV arbeitete sehr erfolgreich, übertrug Aufnahmen der Wolkenbedeckung zur Erde und seine Signale konnten von Funkamateuren weltweit empfangen werden.

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