27.09.2003



Einen Cluster von Kleinsatelliten verschiedener Nationen beförderte am 27.09.2003 eine Kosmos-3M 11K65M Rakete vom Kosmodrom Plesetsk auf Bahnen in knapp 700 km Höhe. An einem speziellen Nutzlastadapter montiert waren der türkische Bilsat 1, der britische BNSCSat 1, der nigerianische NigeriaSat 1, die russischen Moshajez 4 und Larets, der deutsche Rubin 4-DSI und der südkoreanische STSat 1. Drei der Satelliten zählten zur globalen Disaster Monitoring Constellation (DMC). Dieses Netzwerk von kleinen Erderkundungssatelliten wurde von der DMC International Imaging (DMCii) koordiniert, während die Satelliten im Auftrag der nationalen Betreiber von der Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) gebaut wurden. Diese Satellitenflotte lieferte Erdaufnahmen in vergleichbarer Qualität wie das amerikanische Landsat System, jedoch konnte ein viel größeres Terrain abgedeckt werden und es waren häufigere Überflüge möglich. Damit war das System vor allem hilfreich bei der Bewertung von Schäden nach Naturkatastrophen und der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen (z.B. nach dem Tsunami an Weihnachten 2004 oder dem Hurrikan Katrina im August 2005). Bilsat 1 (BiltenSat, Tubitak 1, DMC-Turkey) verfügte über eine Kamera mit 26 m Auflösung im multispektralen Bereich bzw. 12 m für panchromatische Aufnahmen. Die technische Universität von Ankara betrieb den Satelliten erfolgreich bis zum August 2006, als der Ausfall von zwei Batteriezellen seine Aufgabe erzwangen. NigeriaSat 1 war für multispektrale Aufnahmen (32 m Auflösung im roten, grünen und Nah-IR-Bereich) ausgerüstet und hatte zudem große nationale Bedeutung für den Aufbau eines eigenen Raumfahrtprogramms. So wurden 15 Ingenieure für die NASDRA, die National Space Research and Development Agency, ausgebildet. Auch der britische BNSCSat 1 (UK-DMC) war mit einem 3-kanaligen Multispektralscanner ausgerüstet. Er bildete mit anderen Satelliten den Grundstock für die erste Generation der Disaster Monitoring Constellation. Ausgelegt für einen 5-jährigen Betrieb, wurde er im September 2010, als seine Treibstoffvorräte allmählich zur Neige gingen, aus der Konstellation herausgenommen, seine Bahn um etwa 80 km abgesenkt. Die Kosmos-3M Rakete, deren größte Schwäche die bekannte Ungenauigkeit beim Bahneinschuß war, absolvierte diesen Start mit außergewöhnlicher Präzision. Die DMC Satelliten wurden nur wenige 100 m von dem bereits im November 2002 gestarteten AlSat 1 auf ihrer sonnensynchronen Bahn ausgesetzt. Diesen Orbit teilten sie mit dem Laserreflektor-Satelliten Larets, bei dem es sich praktisch um einen Zwilling des deutschen GFZ 1 handelte und mit Moshajez 4 (RS-22), der als Trainingsobjekt von Studenten der russischen Militärakademie entwickelt worden war und Komponenten für das GLONASS System erprobte. Dazu kam der südkoreanische STSat 1 (Science and Technology Satellite) bzw. KAISTSat 4 (Korea Advanced Institute of Science & Technology Satellite). Ziel seiner Mission war die Entwicklung eines kleinen hochleistungsfähigen Satellitenbusses, der in diesem Fall für eine astronomische Forschungsmission eingesetzt werden sollte. Dementsprechend bestand die wissenschaftliche Ausrüstung aus den Instrumenten FIMS (Far-ultraviolet Imaging Spectrograph), SST (Solid State Telescope), NAST (Narrow Angle Star Sensor) und SPEAR (Spectroscopy of Plasma Evolution from Astrophysical Radiation) sowie einem DCS (Data Collection System). Die erfolgreiche Mission lieferte u.a. die erste komplette Karte des Himmels im erweiterten UV-Bereich. Schließlich hatte die Kosmos-3M Rakete noch das Rubin 4-DSI Paket an Bord, das mit der letzten Raketenstufe verbunden blieb. Entwickelt von der OHB-System AG bot diese Nutzlast in der Aufstiegsphase der Rakete erweiterte Bahnverfolgungsmöglichkeiten über das Orbcomm Satellitennetzwerk auch außerhalb des Sichtbereichs russischer Bodenstationen.
27.09.2003



Der vierte Satellit der INSAT 3 Serie startete am 27.09.2003 gemeinsam mit dem europäischen Kommunikationssatelliten e-BIRD und der experimentellen Mondsonde SMART 1 an Bord einer Ariane 5G von Kourou in Französisch Guyana. Der von indischen Raumfahrtorganisation entwickelte und gebaute INSAT 3E war als reiner Kommunikationssatellit konzipiert und verfügte über 24 C-Band Transponder und weitere 12 Transponder für den Einsatz im erweiterten C-Band. Eine Serie von Zündungen seines Liquid Apogee Motor (LAM) hob den Satelliten aus dem Transferorbit auf eine geostationäre Bahn, wo er über 55° Ost stationiert wurde. Von dort aus versorgte er Indien sowie Bangladesch, Bhutan und Nepal mit verschiedenen Telekommunikationsangeboten. e-BIRD dagegen, ein Boeing BSS-376HP Kommunikationssatellit der EUTELSAT, sollte Fernseh- und Rundfunkangebote sowie Breitband-Internet-Dienste verbreiten. Ein Nutzer war die Berliner Firma TELES, die über den Satelliten ihren SkyDSL Dienst anbot, der eine Alternative zum terrestrischen DSL darstellte. Stationiert über 33° Ost erreichten die 20 Ku-Band Transponder von e-BIRD mit ihren vier Spot-Beams praktisch ganz Europa und die Türkei. Anfang 2005 wurde der Satellit auch namentlich in die Eutelsat Flotte eingegliedert und trug fortan den Namen Eurobird 3. Als letzter der drei Satelliten trennte sich die ESA Technologiemission SMART 1 (Small Missions for Advanced Research in Technology) von der Endstufe der Ariane Rakete. Mit der kleinen Sonde sollte vor allem ein neuartiges solarelektrisch gespeistes Ionentriebwerk erprobt werden. Dieses würde SMART 1 in einer mehrmonatigen Mission in die Nähe des Mondes bringen, wo die Sonde von seinem Gravitationsfeld „eingefangen” werden konnte. Dort war dann, quasi als Zugabe, eine wissenschaftliche Mission geplant. Der Antrieb der Sonde arbeitete zur Freude der Ingenieure und Wissenschaftler besser als erwartet. Ursprünglich war man davon ausgegangen, bis März 2005 die Bahnellipse um die Erde soweit gestreckt zu haben, daß ein Einlaufen in den Mondorbit möglich wäre. Doch stattdessen gelang dieses Manöver bereits am 15.11.2004. Die Anfangsbahn lag 5.000 bis 6.000 km über der Mondoberfläche. Am 26.01.2005 begann die fotografische Erkundung des Mondes. Einen Monat später war der geplante Arbeitsorbit erreicht, der in 300 km Höhe über den Südpol führte, während der Mondnordpol in 3.000 km Höhe überflogen wurde. Bereits im Februar 2005 bewilligte die ESA eine Verlängerung der wissenschaftlichen Mission um ein Jahr. In dieser Zeit übertrug die optische Kamera AMIE (Asteroid-Moon Micro-Imager Experiment) Bilder von einem Großteil der Mondoberfläche zur Erde, während das Infrarotspektrometer SIR (Spectrometer InfraRed) eine mineralogische Karte des Mondes erstellte und das Röntgenteleskop D-CIXS (Demonstration of a Compact Imaging X-ray Spectrometer) versuchte, Wasser nachzuweisen. Weitere Instrumente erforschten den Einfluß des Mondes auf den Sonnenwind und die Aktivität der Sonne im Röntgenstrahlungsbereich. Ingenieurtechnisch bedeutsam waren an der SMART Mission neben dem erfolgreichen Test des Halleffekt-Antriebs u.a. die Erprobung eines neuen autonomen Navigationssystems, das einen Betrieb der Sonde ohne ständigen Kontakt zu einem Kontrollzentrum ermöglichte, Versuche zur Langstrecken-Kommunikation im Ka-Band und per Laser-Link. Am 03.09.2006 endete mit einem letzten Bahnmanöver die Mission von SMART 1. Gezielt wurde die Sonde nahe des Mondterminators zum Absturz gebracht, während auf der Erde zahlreiche Teleskope die Region beobachteten. Die Wissenschaftler hofften, in der aufgewirbelten Staubwolke den Nachweise von Wassereis antreten zu können - leider jedoch erfolglos. Unabhängig davon war die gesamte Mission für die ESA jedoch ein uneingeschränkter Erfolg.
Der Start der Ariane V162 war ursprünglich bereits für den 28.08.2003 geplant gewesen, war jedoch auf Bitten der ISRO, die zusätzliche Tests an ihrer Nutzlast vornehmen wollte, verschoben worden.



Raumfahrtchronik