Olafs Raumfahrtkalender

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Raumfahrtchronik Februar 2004

05.02.2004

AMC 10::Abb.: Lockheed MartinAls Nachfolger des im August 1992 gestarteten Kommunikationssatelliten Satcom C4 ließ der Kommunikationskonzern SES AMERICOM am 05.02.2004 ein leistungsfähigeres A2100 Modell starten. Satcom C4 näherte sich 2004 dem Ende seiner garantierten 12-jährigen Lebensdauer, wurde aber auch, als seine Treibstoffvorräte zur Neige gingen, ab Juli 2004 weiterhin über 135° West auf einer nunmehr inklinierten Bahn betrieben. Der neue, von Lockheed Martin Commercial Space Systems gebaute, Satellit verfügte über 24 C-Band Transponder, die von der 135° West Orbitalposition zur Versorgung der 50 kontinentalen US Bundesstaaten, Mexikos und der Karibik mit Kabelfernsehprogrammen genutzt wurden. Dazu kamen Kapazitäten für die allgemeine Kommunikation, Videodienste und den Breitband-Datentransfer. Zusammen mit dem später gestarteten AMC 11, dem Nachfolger von Satcom C3, bildete AMC 10 den Grundstock für das neue Programmpaket „HD PRIME Cable Neighborhood”, mit dem über 80 Millionen Hau shalte mit hochauflösendem Fernsehen (HDTV) versorgt werden sollten. Um den gestiegenen Erfordernissen gerecht zu werden, war die Sendeleistung der Transponder um nahezu 20% gesteigert worden. Nach dem Start mit einer Atlas IIAS von Cape Canaveral vergingen drei Monate, bis AMC 10 am 04.05.2004 mit der regulären Programmausstrahlung begann.

14.02.2004

Ihren letzten Einsatz erlebte die IUS Inertial Upper Stage Oberstufe am 14.02.2004 beim Start eines Infrarot-Frühwarnsatelliten aus dem DSP Programm. Das zweistufige Oberstufensystem im Wert von 111 Mio. $ wurde benötigt, um den Satelliten aus dem Transferorbit, auf den ihn die Titan 402B von Cape Canaveral aus befördert hatte, auf eine Synchronbahn anzuheben. Der Start von USA 176 bzw. DSP-22 war nach langandauernden Verzögerungen ursprünglich für den November 2003 geplant gewesen und sollte eigentlich auch als sekundäre Nutzlast das IMEX Experiment der University of Minnesota mitführen. Mit dem Inner Magnetosphere Explorer wollten die Wissenschaftler um Dr. John Wygant die Reaktion der van Allen Strahlungsgürtel auf Variationen im Sonnenwind untersuchen. IMEX hätte dazu auf einer elliptischen Bahn zwischen 350 und 35.000 km operieren sollen. Das Projekt, Teil des von der NASA geförderten UnEX (University-class Explorer) Programms, wurde aber ein halbes Jahr vor dem ursprünglich geplanten Starttermin (Sommer 2001) gestoppt, als die NASA wegen Überschreitung des Kostenrahmens (13 Mio. $) die weitere Finanzierung einstellte. Der 256 Mio. $ teure DSP I (Block 3) Satellit erreichte dagegen mit mehrjähriger Verspätung seinen Arbeitsorbit und erweiterte die US Kapazitäten zur Frühwarnung vor möglichen Anriffen mir Langstreckenraketen.

18.02.2004

Im Rahmen des großangelegten Manövers „Безопасность 2004” (dt. Sicherheit 2004) der russischen Streitkräfte startete am 18.02.2004 in Plesetsk auch eine Molnija-M 8K78M Rakete mit einem militärischen Satelliten, der zunächst die Bezeichnung Kosmos 2405 erhielt. Augenzeuge des Starts war der russische Präsident Wladimir W. Putin. Der Satellit erreichte planmäßig einen hochelliptischen Orbit, wie er sowohl für Oko Frühwarnsatelliten als auch für Molnija Kommunikationssatelliten typisch war. Da aber letztere üblicherweise keine Kosmos Nummer erhielten, wurde allgemein angenommen, daß es sich bei Kosmos 2405 um einen IR-Frühwarnsatelliten handelte. Einige Monate später wurde der Satellit jedoch offiziell als vom Typ Molnija 1T (Molnija 1-93) bezeichnet und der Name Kosmos 2405 neu an einen am 28.05.2004 gestarteten US-PU Satelliten vergeben. Das deckte sich auch mit einer russischen Pressemitteilung vom Februar 2004 zum Start des Satelliten. Rückblickend zeigte sich, daß der Satellit der letzte verfügbare Molnija 1T war, was natürlich berechtigte Fragen zum Sinn des Starts innerhalb des Manövers aufkommen ließ.

26.02.2004

Alexander Kaleri im Orlan-M Raumanzug::Abb.: NASAErstmals ging die US Raumfahrtbehörde NASA am 26.02.2004 das Risiko ein, während eines Außenbordmanövers die gesamte Crew außerhalb der Station arbeiten zu lassen. Allerdings gab es auch kaum Alternativen, denn nachdem vorläufig keine Space Shuttle mehr die ISS anfliegen würden, hatte man die Besatzung der Station auf eine Rumpfcrew von zwei Raumfahrern reduzieren müssen. Ein Solo-Weltraumausstieg wurde aber als noch riskanter angesehen, als die Station für einige Stunden „unbemannt” fliegen zu lassen. ISS Kommandant Michael Foale und sein Bordingenieur Alexander Kaleri trugen russische Orlan Raumanzüge, als sie die ISS durch die Luftschleuse am „Pirs” Modul verließen. An der Außenhaut des Moduls ersetzten sie einige Materialproben, mit denen die Auswirkungen der Weltraumeinflüsse auf verschiedene Stoffe getestet werden sollten. Weiter ging es zum „Swjesda” Modul, wo das Experiment MPAC / SEED (Microparticle Capturer Space Exposure Environment Device ) ausgetauscht wurde. Diese registrierten Mikrometeoriten und Kleinstpartikel künstlichen Ursprungs (z.B. Farbreste von Satelliten). Schließlich montierten Foale und Kaleri dort auch noch das „Matroshka” Experiment, einen Strahlungsdetektor in der Form eines menschlichen Torsos. Gegen Ende der mit der „Matroshka” Installation vebundenen Arbeiten registrierte Kaleri zunehmende Probleme mit seinem Raumanzug. Die Innentemperatur stieg immer weiter an und sein Visier beschlug gefährlich. Daraufhin mußte das Außenbordmanöver vorzeitig beendet werden. Als die beiden Raumfahrer nach 3:55 h an Bord waren, fand sich auch die Ursache für die Probleme: ein abgeknickter Schlauch im Wasserkreislauf des Thermoregulierungssystems.

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