10.06.2004
Bereits seit Februar 2004 war der Start einer Zenit-2 11K77 Rakete mit einer militärischen Nutzlast von Baikonur erwartet worden. Am 10.06.2004 war es dann soweit. Die Rakete mit ihrer geheimen militärischen Nutzlast hob ab un setzte den Satelliten in rund 850 km Höhe aus. Für Beobachter gab es keine Zweifel, daß es sich bei Kosmos 2406 um einen funkelektronischen Aufklärungssatelliten des Typs Zelina-2 (Erzeugnis 11F644) handelte. Da sowohl die Rakete als auch der Satellit aus dem KB Jushnoje in der inzwischen unabhängigen Ukraine stammten, wurden nach dem Ende der Sowjetunion nur noch wenige solche Aufklärungsmissionen geflogen. Stattdessen initiierte Rußland unter dem Codenamen „Liana” die Entwicklung eines Nachfolgemodells, das mit der Sojus Rakete gestartet werden konnte. Mehr als vier Jahre nach dem Start von Kosmos 2369 überbrückte man die Zeit bis zur Verfügbarkeit des „Liana” Systems aber nochmal mit dem Start eines der letzten verfügbaren Satelliten aus Sowjetzeiten.
16.06.2004
Um dem wachsenden Bedarf nach Kapazitäten für die C- und Ku-Band Kommunikation gerecht zu werden, schloß die Intelsat LLC im Februar 2000 mit Matra Marconi Space einen Vertrag über die Lieferung von zwei Hochleistungs-Kommunikationssatelliten. Sie erhielten die Bezeichnung Intelsat 10-01 bzw. Intelsat 10-02. Während Intelsat 10-01 von einer Position über 50° West mit 23 Ku-Band und 56 C-Band Transpondern die USA versorgen sollte, war Intelsat 10-02 (36 Ku-Band und 70 C-Band Transponder, davon 16 bzw. 45 aktiv) für den Einsatz über Europa bei 1° West vorgesehen. Die Startkontrakte wurden im Dezember 2001 unterzeichnet. Jeweils ein Satellit wurde auf der Zenit-3SL und der andere auf Proton-M 8K82KM mit der neuen Bris-M 14S43 Endstufe gebucht. Starttermin: zweites bzw. drittes Quartal 2003. Der Satellitenhersteller Astrium, wie Matra Marconi nach dem Zusammenschluß mit Teilen von Daimler Chrysler Aerospace nun hieß, geriet mit der Fertigung der auf der Eurostar 3000H basierenden Satelliten jedoch zunehmend in Verzug. Daher machte Intelsat im November 2002 von seiner vertraglich zugesicherten Option Gebrauch, den Auftrag für den ersten der beiden Satelliten zu stornieren. Am 16.06.2004 startete der zweite Satellit schließlich von Baikonur. Mit einer Startmasse von 5.575 kg transportierte die Proton-M die schwerste bis dahin jemals auf eine geostationäre Transferbahn beförderte kommerzielle Nutzlast. Die Indienststellung des Satelliten einige Wochen später bedeutete für die Intelsat die Übernahme des mit Abstand leistungsstärksten Satelliten in die eigene Flotte. Dank steuerbarer Sendekeulen und der Interkonnektivität zwischen C- und Ku-Band Transpondern bot Intelsat 10-02 eine enorme Flexibilität. Europa, Afrika, Südamerika und der Mittlere Osten konnten im C-Band bedient werden, die Ku-Band Spot-Beams waren auf Südeuropa/Nordafrika, Nordeuropa sowie den Nahen und Mittleren Osten gerichtet. Etwa die Hälfte der aktiven Ku-Band Transponder mietete der norwegische Telenor Konzern, der über 1° West selbst zwei Kommunikationssatelliten betrieb. Mit den Kapazitäten von Intelsat 10-2 konnte Telenor sein Programmangebot deutlich ausweiten.
23.06.2004
Ursprünglich war der Start des zwölften NAVSTAR Satelliten der R-Baureihe (R = Replenishment) bereits für den 17.02.2004 geplant gewesen, mußte aber auf Juni verschoben werden. Es folgte eine rekordverdächtige Serie von Startverschiebungen. Weder am 5., noch am 11., 13., 14., 16., 18., 19., 20. oder 21.06.2004 war der Start möglich. Zuletzt hatte das Wetter drei Startabbrüche erzwungen. Trotz schlechter Wetterprognosen konnte die Startmannschaft am 23.06.2004 schließlich eine vorübergehende Verbesserung der Bedingungen nutzen und die Delta 7925 mit GPS Block IIR-12 von Cape Canaveral starten.
24.06.2004
Das ursprünglich für den 10.06.2004 geplante und dann auf den 16.06.2004 verschobene Außenbordmanöver von Michael Fincke und Gennadi Padalka fand schließlich am 24.06.2004 statt. Ziel des Unternehmens war es, die defekte Steuerungselektronik eines der Gyroskope der ISS auszutauschen. Dabei sollten Fincke und Padalka amerikanische Raumanzüge tragen. Doch im Laufe der Vorbereitungen der EVA entdeckten sie ein Leck im Kühlsystem eines der Anzüge. Nach einigen Beratungen wurde beschlossen, auf die russischen Anzüge auszuweichen. Doch das bedeutete auch, daß man die Luftschleuse des russischen „Pirs” Moduls nutzen mußte. Dieses war aber deutlich weiter vom Einsatzort während der EVA entfernt, insgesamt mußten sich Fincke und Padalka nun rund 30 m an der Außenhaut der ISS entlanghangeln. Doch dazu sollte es nicht kommen. Nur 8 min nach dem Verlassen der Luftschleuse registrierte das russische Kontrollzentrum ein ernstzunehmendes Leck an Finckes Raumanzug. Beide Raumfahrer wurden in die Luftschleuse zurückbeordert, das Außenbordmanöver nach nur 0:14 h abgebrochen.
29.06.2004
Zur Ablösung des APStar 1 Satelliten, der 2003 das Ende seiner projektierten Lebensdauer erreichen würde, plante die APT Satellite Company Ltd. den Kauf eines leistungsfähigen Nachfolgers. Den Auftrag zur Lieferung erhielt Space Systems/Loral, die einen LS-1300 Bus mit 38 60 Watt C-Band und 16 141 Watt Ku-Band Transpondern ausrüsteten. Problematisch war es jedoch, eine Exportlizenz für den Satelliten zu erhalten, gehörte Hongkong doch seit dem 01.07.1997 als Sonderverwaltungszone zur Volksrepublik China. APT mußte daher einen westlichen Startanbieter wählen, nachdem ein Export nach China nicht genehmigt worden war (der Start war anfangs mit der CZ-3B geplant gewesen). Und um allen Problemen aus dem Weg zu gehen, wurde vereinbart, daß Loral Skynet als offizieller Eigner des Satelliten fungieren sollte. APT würde die Kapazitäten des Satelliten für seinen Bedarf mieten und seinerseits einige Transponder wieder an Loral untervermieten. Der Satellit erhielt dementsprechend zwei Namen, Loral Skynet registrierte ihn als Telstar 18, APT als APStar 5. Der ursprünglich im November 2003 geplante Start verzögerte sich zunächst auf Ende April 2004 und dann nochmals um zwei Monate. Schließlich hob die Zenit-3SL mit dem Satelliten am 29.06.2004 von der Startplattform „Odyssey” nahe Kiritimati im Pazifik ab. Zunächst erreichte die Block DM-SL Endstufe mit der Nutzlast die vorgesehene Parkbahn, doch nach der Wiederzündung zum Erreichen des Standard-Transferorbits brach der Schub des Triebwerks 54 s zu früh ab. Damit strandete APStar 5 auf einer Bahn mit einem rund 14.300 km zu niedrigen Apogäum (722×21618 km vs. 756×35929 km). Glücklicherweise verfügte der Satellit über ausreichende Treibstoffreserven, um mit eigenem Antrieb doch noch eine Synchronbahn zu erreichen. Laut Pressemitteilungen waren selbst danach die Treibstoffreserven noch hoch genug, um die projektierte Lebensdauer von 13 Jahren zu erreichen. Die angestrebte deutlich längere Nutzung hingegen schied wohl aber aus. Stationiert über 138° Ost bot Telstar 18 / APStar 5 Ku-Band Sprach-, Video- und Datendienste für China, Hawaii und Ostasien, während im C-Band weitere Teile der asiatisch-pazifischen Region, einschließlich Australiens und Hawaii abgedeckt werden konnten. Bedeutsam war der Satellit durch seine Brückenfunktion zwischen Asien und den USA (via Hawaii), die u.a. für die Internet-Anbindung von Ballungszentren genutzt wurde.
Als Ursache für den vorzeitigen Brennschluß der Endstufe wurde später ein Verkabelungsproblem innerhalb der Stufe ermittelt. Das führte zu einem höheren Treibstoffverbrauch als normal und somit zu dem Brennschluß 54 s vor dem berechneten Zeitpunkt.
29.06.2004
Gemeinsam mit dem französischen Forschungssatelliten DEMETER (Detection of Electro-Magnetic Emissions Transmitted from Earthquake Regions) starteten am 29.06.2004 sieben weitere Kleinstsatelliten mit einer Dnepr-1 Rakete von Baikonur. Die Rakete setzte ihre Nutzlasten auf mehr oder minder exzentrischen Umlaufbahnen im Höhenbereich zwischen 700 und 850 km aus. Größte und schwerste Nutzlast war der Forschungssatellit DEMETER der französischen Raumfahrtorganisation CNES. Es war die erste Applikation des Myriade Satellitenbusses, der für eine Reihe von Micro-Satelliten Projekten eingesetzt werden sollte. Für die DEMETER Mission wurde der Satellit mit Sensoren für elektrische und Magnetfelder, einem Plasma-Analysator, einer Langmuir-Sonde und einem Teilchen-Detektor so instrumentiert, daß er sich speziell für die Erforschung ionosphärischer Störungen eignete. Denn das Ziel des Unternehmens war es, solche Störungen mit seismischen und menschlichen Aktivitäten in Verbindung zu bringen. Denn es gab Forschungen, nach denen auffällige ULF/ELF/VLF Signale in der Ionosphäre mit bevorstehenden Erdbebenaktivitäten und Vulkanausbrüchen korrelierten. Andererseits wurden aber auch zunehmend solche Signale aus technischen Quellen (Hochspannungsleitungen, VLF Sender, Rundfunk- und Fernsehsender etc.) aufgefangen. Die Messungen von DEMETER sollten daher auch dazu beitragen, diese Signale zu unterscheiden.
Zu den weiteren Nutzlasten der Dnepr-1 zählten zwei argentinische Datenrelais-Satelliten, LatinSat-C und LatinSat-D (AprizeSat 1 und AprizeSat 2). LatinSat (Aprize Argentina) plante den Aufbau eines globalen Satellitennetzwerks. Zunächst sechs Satelliten sollten das erste System bilden, das einmal im Optimalfall 64 Satelliten auf erdnahen Bahnen umfassen sollte. Eine Besonderheit der winzigen Satelliten war ihr geringer Energiebedarf von nur 1 W. Ihr Speicher von 12 MB reichte für die Zwischenspeicherung der Nachrichten aus, die beim Überflug eines Regional Satellite Node (RSN) wiedergegeben wurden. Nach dem Start von zwei Prototypen im Jahr 2002 leiteten die beiden nächsten Exemplare nun zum Aufbau des kommerziellen Systems über. Da es aber nicht gelang, weitere Finanzmittel für die Fortführung des Projekts zu akquirieren, blieb der Erfolg beschränkt. Drei weitere Satelliten stammten aus Saudiarabien. SaudiComsat 1 und SaudiComsat 2 sollten den Grundstein für ein geplantes Netzwerk aus 24 Satelliten auf unterschiedlichen Bahnen bilden, die für einen Großteil der Welt kommerzielle „store and forward” Kommunikationsdienste anbieten sollten. Ebenso wie der dritte Satellit, SaudiSat 2, waren die Satelliten am Space Research Institute der King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST) entworfen und gebaut worden. SaudiSat 2 war als experimenteller Erderkundungssatellit konzipiert worden. Eine Videokamera sollte Erdaufnahmen mit einer Auflösung besser als 15 m liefern. Auch war eine präzise Bahnverfolgung mittels Laservermessung geplant. Die italienische Universität La Sapienza war mit dem Satelliten UniSat 3 an dem Mehrfachstart beteiligt. Das University Satellite Projekt diente der Erprobung von neuen und nicht speziell weltraumqualifizierten Komponenten. UniSat 3 war mit einem Magnetometer ausgerüstet und erprobte neuartige „triple-junction” Stapel-Solarzellen mit extrem hohem Wirkungsgrad. Schließlich nutzte auch AMSAT-NA die Gelegenheit, nach einigen Jahren Pause wieder einen Amateurfunksatelliten zu starten. Das Projekt trug den Namen AMSAT OSCAR-E bzw. AMSAT-Echo. Mit dem Bau des Satelliten wurde die Space Quest Ltd. beauftragt. Nach dem erfolgreichen Start erhielt der Satellit die offizielle Bezeichnung AMSAT-OSCAR 51 (AO-51).
30.06.2004
Nachdem das erste gemeinsame Außenbordmanöver von Michael Fincke und Gennadi Padalka am 24.06.2004 vorzeitig abgebrochen werden mußte, nahmen die beiden Raumfahrer am 30.06.2004 einen neuen Anlauf. Diesmal gab es keine Probleme mit den Raumanzügen. Und so konnten sie sich auf den Austausch eines Remote Power Controller (RPCM) konzentrieren. Dessen Ausfall hatte Ende April zur Abschaltung des Control Moment Gyroscope (CMG) No. 2 geführt. Zwar verfügte die ISS über insgesamt vier Gyroskope zur Stabilisierung und Orientierung der Station. Doch wollte die Flugleitung kein Risiko eingehen und hatte der Reparatur ein hohe Priorität eingeräumt. Die komplexe Aufgabe bedeutete für Fincke und Padalka einen Weltraumaufenthalt von 5:40 h.



Raumfahrtchronik