01.03.2005
Nach einem von Oberstufenproblemen begleiteten Flug im Juni 2004 wurden die nächsten Starts der Zenit-3SL Rakete zunächst aufgeschoben. Erst nachdem eine Untersuchungskommission ihren Bericht vorgelegt hatte und die Block DM-SL für den nächsten Start gründlich untersucht worden war, liefen die Sea Launch Commander und die Startplattform Odyssey zu einer neuen Mission von Long Beach in Kalifornien aus. Auf dem Äquator bei 154° West positioniert begannen die Vorbereitungen zum Start des XM-3 „Rhythm” Satelliten. Geplanter Starttermin war der 17.02.2005. Die Wetterbedingungen mit ungewöhnlich hohem Seegang und heftigem Sturm ließen jedoch an diesem und am folgenden Tag keinen Start zu. Am 23.02.2005 wurde der Countdown dann 7 min vor dem Start aufgrund einer Anomalie abgebrochen. Der wiederaufgenommene Countdown führte schließlich zu einem Start am 01.03.2005. Mit ungewöhnlicher Präzision erreichte die Rakete die vorgesehene geostationäre Transferbahn, wo der von Boeing gebaute Satellit der Baureihe 702 ausgesetzt wurde. Nach dem Erreichen einer vorläufigen Synchronbahn wurde XM-3 mit seinen Schwestersatelliten XM-1 und XM-2 über 85° West ko-positioniert. Wie diese übertrug auch er mehr als 150 digitale Rundfunkprogramme an Abonnenten des Unternehmens XM Satellite Radio. Neben reinen Sparten-Musikprogrammen waren dies auch Sport-, Kinder-, Bildungs-, Verkehrs- und Wettersendungen.
11.03.2005
Die bis dato schwerste für eine Synchronbahn bestimmte (kommerzielle) Nutzlast hatte die Atlas V Modell 431 an Bord, die am 11.03.2005 von Cape Canaveral gestartet wurde. Der Jungfernflug der zu diesem Zeitpunkt leistungsfähigsten Variante der Rakete war usrprünglich für den Oktober 2004 geplant gewesen, war dann aber auf den 27.02.2005 und schließlich 10.03.2005 festgesetzt worden. Nach einer letzten 24-stündigen Verschiebung aufgrund fehlerhafter Telemetriedaten hob die Rakete schließlich ab und setzte ihre Nutzlast, den Kommunikationssatelliten Inmarsat 4 F-1 nach einer halben Stunde auf einer super-synchronen Transferbahn mit einem Apogäum bei über 90.000 km aus. Trotz der hohen Masse von nur knapp unter 6.000 kg ermöglichte diese Bahn einen treibstoffsparenden Transfer auf die endgültige geostationäre Position über 64° Ost. Der eingesparte on-Board Treibstoff rechtfertigte damit den Einsatz der leistungsfähigen Rakete. Inmarsat 4 F-1 war der erste Vertreter einer neuen Generation extrem leistungsfähiger Kommunikationssatelliten. Ein spezielles Antennensystem ermöglichte dem Satelliten die Übermittlung von Internet, Video, Fax, email, Telefonie und den Aufbau von Videokonferenzen zu kleinen mobilen Terminals in der Größe eines Laptops. Slogan des Vermarkters: „Breitband-Dienste für einen mobilen Planeten”. Großes Interesse an solchen Diensten hatten die US Navy und zahlreiche Fluggesellschaften. Gegenüber seinen Vorgängern steigerte das von EADS Astrium gebaute Inmarsat 4 Modell die Sendeleistung auf das 60-fache und die Kapazität auf das 20-fache. Bis zu 200 steuerbare Sendekeulen waren möglich.
28.03.2005
Vor ihrer Rückkehr zur Erde unternahmen Leroy Chiao und Salishan Scharipow von Bord der Raumstation ISS ihr zweites Außenbordmanöver. Wie schon beim letzten Ausstieg im Januar trugen sie auch am 28.03.2005 die russischen Orlan Raumanzüge und nutzten die Luftschleuse des Pirs Moduls. Nachdem die Sicherheitsseile gespannt und alle Werkzeuge gesichert waren, installierten Chiao und Scharipow zunächst drei weitere Antennen für die Kommunikation mit dem europäischen Transportraumschiff ATV, dessen Erprobung in einigen Monaten beginnen sollte. Etwa zwei Stunden nach Beginn des Manövers setzte Scharipow per Hand auf einer Leiter am Pirs Modul stehend den Nanosatelliten TECh 42 bzw. TNS 0 aus. Dieser auch als Nanosputnik bezeichnete Satellit sollte der Entwicklung von Kontrolltechniken für solche Kleinsatelliten dienen und neue Lageregelungssensoren erproben. Nächste Aufgabe war die Montage eines GPS Empfängers, der ebenfalls für die Navigation des ATV Raumtransporters benötigt wurde. Auch fertigten Chiao und Scharipow eine Reihe von Fotos an, die den Zustand und die korrekte Montage einiger Experimente dokumentieren sollten. Um die beiden Kosmonauten nicht zu gefährden, waren die Lageregelungstriebwerke am russischen Swjesda Modul während ihres Ausstiegs deaktiviert worden. Knapp 20 min vor Abschluß ihrer Arbeiten erkannte die Flugleitung eine leichte Veränderung in der Ausrichtung der Station, die normalerweise durch einen Triebwerksimpuls korrigiert worden wäre. So traf es sich gut, daß Chiao und Scharipow ihre Aufgaben rund eine Stunde vorzeitig abschließen konnten und bereits nach 4:30 h zurück an Bord waren.
29.03.2005
Der Austausch der überalterten russischen Kommunikationssatelliten gegen modernere Modelle mit westlicher Kommunikationsnutzlast schritt in den Jahren 2003 bis 2005 zügig voran. Das Staatsunternehmen Космическая Cвязь (englisch RSCC: Russian Satellite Communications Company) hatte bei NPO PM eine Reihe von modernen Ekspress-AM Satelliten in Auftrag gegeben, in die die Kommunikationsnutzlast namhafter westlicher Ausrüster integriert wurde. Insbesondere mit der französischen Alcatel Space entstand eine enge Zusammenarbeit. Auch der am 29.03.2005 von Baikonur mit einer Proton-K 8K82K mit Block DM-2M 11S861-01 Endstufe gestartete Ekspress-AM2 zählte zu dieser Serie. Der Satellit erreichte trotz Problemen mit dem RD-0214 Verniertriebwerk der Proton Drittstufe mit ausreichender Präzision seine Bahn. Er verfügte über 16 C-Band-, 12 Ku-Band- und einen L-Band-Transponder. Die Sendekeulen des über 80° Ost stationierten Satelliten deckten schwerpunktmäßig den größten Teil der GUS Staaten ab und bedienten zudem den asiatischen Raum mit Schwerpunkt China. Für einen geplanten Zeitraum von mindestens 12 Jahren sollte der Satellit diese Regionen mit Digital-TV, Telefonie, Videokonferenzen, Datenübertragungen und Internet versorgen. Im Herbst 2008 wurde bekannt, daß der Satellit wegen Problemen mit dem Antrieb einen Teil der Kapazität seiner Solarzellenflächen verloren hatte und nur noch eingeschränkt genutzt werden konnte. Die Probleme verschärften sich, als am 08.03.2009 eines der beiden Paneele komplett versagte. Ende März 2009 gab die RSCC bekannt, daß der Satellit außer Kontrolle geraten war. Als Sofortmaßnahme wurden die meisten Transponder auf benachbarte Satelliten übertragen und man verhandelte mit EUTELSAT über die Repositionierung von Eutelsat W2. Doch als dessen Ablösung, Eutelsat W2M, kurz nach dem Start ebenfalls außer Kontrolle geriet, mußte man sich von dieser Idee verabschieden. Nun sollte stattdessen Eutelsat W1 auf 80° Ost verschoben werden. Eine genauere Bewertung der eigenen Situation führte bei EUTELSAT jedoch zu der Erkenntnis, daß auch dieser Satellit vorläufig nicht entbehrlich war. Stattdessen wurde nun SESAT 1 in Betracht gezogen. Bis Ende 2009 wurde dies aber nicht verwirklicht.



Raumfahrtchronik