05.05.2005
Mit einer PSLV Rakete startete die indische Raumfahrtorganisation ISRO am 05.05.2005 zwei Satelliten unterschiedlicher Zweckbestimmung auf sonnensynchrone Umlaufbahnen. Die Hauptnutzlast bildete ein Satellit aus dem bewährten IRS Programm zur Erderkundung. IRS P5 alias CartoSat 1 war mit Weiterentwicklungen jener Sensoren ausgerüstet, die sich schon auf früheren IRS Satelliten bewährt hatten. Die im panchromatischen Bereich arbeitenden Kameras erreichten eine Auflösung von ausgezeichneten 2,5 m. Da zwei baugleiche Kameras an Bord waren, konnten die Aufnahmen zu stereoskopischen Bildern kombiniert werden. Bis zum Überflug einer Bodenstation wurden die Daten auf einem 120 GB Festkörperspeicher zwischengespeichert. Die Erdaufnahmen eigneten sich hervorragend zur Erstellung von Kartenmaterial, die Städteplanung, den Katastrophenschutz und viele andere GIS Anwendungen. Vom Start weg lief auch die weltweite kommerzielle Vermarktung des Datenmaterials ausgezeichnet. Als sekundäre Nutzlast wurde Indiens erster Amateurfunksatellit mitgeführt. Einer der beiden Transponder an Bord von HAMSAT stammte von indischen Amateurfunkern, während der andere von ihren niederländischen Kollegen und Ingenieurstudenten entwickelt worden war. Einen Tag nach dem Start wurde der UHF/VHF Transponder aktiviert und bald schon wurde der Satellit von Amateurfunkern (HAMs) in aller Welt genutzt. Die AMSAT Organisation verlieh dem Satelliten die Bezeichnung VUSat-OSCAR 52 (VO-52).
Für die ISRO hatte der gelungene Zweifachstart noch eine besondere Bedeutung. Denn mit dem Start der PSLV-C6 wurde zugleich der zweite Startkomplex des Sriharikota Space Center eingeweiht. Mit zwei Startanlagen für die PSLV und GSLV Raketen erlangte die ISRO eine wesentlich größere Flexibilität in der Planung ihrer Missionen, was entscheidend für die Umsetzung der anspruchsvollen Zukunftspläne war.
20.05.2005
Nach wochenlangen Startverschiebungen gelang am 20.05.2005 endlich der Start des vierten Exemplars aus einer fünf Satelliten umfassenden Serie meteorologischer Satelliten des POES Programms. Nachdem die bei den letzten Starts eingesetzte Titan 23G nicht mehr verfügbar war, erfolgte der Start mit einer Delta 2310 von der Vandenberg AFB. Dafür waren erhebliche Anpassungen an dem Satelliten erforderlich gewesen und auch das Startprofil war ein anderes. Anfang des Monats hatte schlechtes Wetter mehrfach einen Start verhindert. Dann fiel eine Wasserpumpe der Sprinkleranlage auf dem Startkomplex SLC-2W aus. Und schließlich löste sich eine Schlauchverbindung an der Nutzlastverkleidung vorzeitig, was Befürchtungen aufkommen ließ, Kerosin könne beim Abpumpen des Treibstoffs aus der Erststufe die Nutzlast kontaminiert haben. Zwar bestand hierfür nur eine minimale Gefahr, doch wurde eine Inspektion angesetzt. Der neu aufgenommene Countdown am 20.05.2005 verlief dann reibungslos. Ohne Probleme erreichte NOAA-N seinen Orbit. Nach einer Testphase stellte ihn die Wetterbehörde NOAA als NOAA 18 in Dienst. Neben einer Vielzahl meteorologischer Sensoren hatte der Satellit auch wieder eine COSPAS-SARSAT Nutzlast an Bord zur Lokalisierung verunglückter Personen. Die meteorologische Nutzlast umfaßte das Advanced Very High Resolution Radiometer (AVHRR/3), den High Resolution Infrared Radiation Sounder (HIRS/4), das Solar Backscatter Ultra-violet Radiometer (SBUV/2) und die Advanced Microwave Sounding Unit (AMSU-A). Die bisher ebenfalls mitgeführte (AMSU-B) war hingegen von einem neuen Instrument, dem Microwave Humidity Sounder (MHS) abgelöst worden. Wieder an Bord waren auch der Space Environment Monitor (SEM/3) und das Data Collection System (DCS/2).
Zusammen mit NOAA-O, dem letzten Satelliten der Baureihe, sollte NOAA-N das Bindeglied zur nächsten Generation amerikanischer meteorologischer Satelliten bilden. Doch sowohl der Start von NOAA-O verzögerte sich, nachdem der Satellit beim Hersteller schwer beschädigt worden war, als auch die Indienststellung des NPOESS (National Polar-orbiting Operational Environmental Satellite System). Letzteres jedoch aufgrund anhaltender technischer und Budgetprobleme.
22.05.2005
Der führende amerikanische Anbieter von direktempfangbaren TV-Programmen, die DIRECTV Group Inc., verstärkte seine Satellitenflotte am 22.05.2005 mit einem weiteren Satelliten. DirecTV 8 startete mit einer Proton-M 8K82KM mit Bris-M 14S43 Oberstufe der ILS von Baikonur. Mehrere Zündungen der Oberstufe manövrierten den knapp über 3.700 kg schweren Satelliten auf eine Synchronbahn. Hier wurde er über 101° West stationiert. Der von Space Systems/Loral gebaute LS-1300 Satellit verfügte über 36 Ku-Band Transponder mit mittlerer bis hoher Sendeleistung. Dazu kamen Ka-Band Transponder für geplante zukünftige Angebote insbesondere im HDTV Bereich. Ursprüngliche Pläne für Angebote von Zweiwege-Internetverbindungen waren noch vor dem Start fallengelassen worden.
31.05.2005
Der Wiederholungsflug für die im Oktober 2002 gescheiterte Foton M-1 Mission fand am 31.05.2005 in Baikonur statt. Eine Sojus-U 11A511U Rakete brachte den Satelliten auf die projektierte erdnahe Umlaufbahn. Hier wurden seine Experimente aus den Gebieten Technologie, Biologie, Physik, Materialwissenschaft und Raumfahrtmedizin aktiviert. Insgesamt waren 39 Experimente an Bord. Viele der von der europäischen ESA gestellten Experimente (Gesamtgewicht 385 kg) waren bereits für Foton M-1 vorgesehen gewesen, bei anderen handelte es sich um Neuentwicklungen für den Foton M-2 Flug. Weitere Experimente stammten von russischen und amerikanischen Wissenschaftlern. Diesmal verlief die Mission nach Plan. Alle Experimente an Bord konnten aktiviert werden und lieferten wertvolle Ergebnisse. Mit der Landung verbunden waren dann eine Reihe abschließender Versuche. So war in der Außenhaut der Landekapsel das deutsche KERAMIK eingelassen, eine Probe eines neuen Faserkeramik-Materials, das zukünftig einmal als Hitzeschutz wiederverwendbarer Raumflugkörper zum Einsatz kommen soll. Weiter waren wieder Proben natürlicher Gesteine eingelassen worden, das STONE Experiment. Die Kapsel ging sicher am Fallschirm nieder und konnte 140 km südöstlich der kasachischen Stadt Kostanai geborgen werden. Bei der Auswertung der Mission war eine der Überrschungen das Ergebnis des BIOPAN Experimentes. Dieser Probenbehälter wurde im Orbit geöffnet und setzte die darin enthaltenen biologischen Proben für 15 Tage kosmischen Bedingungen aus. Dabei zeigte sich, daß die mitgeführten Flechten dem Vakuum des Weltraums, der harten UV-Strahlung der Sonne und der energiereichen kosmischen Strahlung erfolgreich getrotzt hatten. Bis dahin hatte man dies eigentlich nur Bakterien zugetraut.



Raumfahrtchronik