Olafs Raumfahrtkalender

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Raumfahrtchronik März 2006

03.03.2006

Fast auf den Tag genau sechs Monate nach seinem Start endete die Mission des Versorgungsraumschiffs Progress M-54. Am 22.02.2006 war der Progress-Antrieb noch genutzt worden, um die Bahn des ISS Orbitalkomplexes um 3 km anzuheben. Alle darüberhinaus entbehrlichen Treibstoffvorräte waren in die Tanks der ISS umgepumpt worden. Beladen mit Abfällen koppelte am 03.03.2006 um 10:06 UTC Progress M-54 schließlich von der ISS ab. Drei Stunden später zündete das Triebwerk für den gezielten Wiedereintritt. Planmäßig verglühten die Überreste von Progress M-54 in der Atmosphäre.

10.03.2006

Aerobreaking Manöver von MRO am Mars::Abb.: NASA/JPLSieben Monate nach dem Start von Cape Canaveral erreichte die Raumsonde MRO (Mars Reconnaissance Orbiter) Anfang März ihr Ziel, den Planeten Venus. Ausgelegt für eine mehrjährige wissenschaftliche Mission stand nun das entscheidende Manöver an, die Zündung des Bremstriebwerks für das Einlaufen in einen vorläufigen Orbit. Am 10.03.2006 fand die Triebwerkszündung dann statt und verzögerte den MRO soweit, daß er vom Schwerefeld des Mars eingefangen wurde. Die erste Phase des Manövers konnte von der Erde aus noch mitverfolgt werden, doch dann flog die Sonde für mahr als 20 Minuten im Funkschatten des Planeten. Erst als der Funkkontakt wieder hergestellt war, konnten die Wissenschaftler aufatmen. Die zwei Tonnen schwere Sonde war zu einem künstlichen Satelliten des Mars geworden. Zunächst lag der Apopunkt der Bahn aber noch bei weit über 50.000 km. Daher war ein halbes Jahr an Bahnkorrekturen vorgesehen, bevor aus etwa 300 km das primäre wissenschaftliche Programm beginnen sollte. Um Treibstoff zu sparen, bediente man sich dabei der Technik des „Aerobraking”. Dabei tauchte die Sonde immer wieder in die oberen Atmosphärenschichten ein und wurde unter Zuhilfenahme der rund 20 m² großen Solarzellenflächen gezielt abgebremst. Doch natürlich wollten die Wissenschaftler keine sechs Monate mehr auf die Ergebnisse ihrer Experimente warten. Und so wurden nach und nach die Instrumente aktiviert. Gespannt waren die Experten natürlich auf die Aufnahmen der hochauflösendsten Kamera, die jemals zum Mars geschickt worden war. Und das Infrarot-Spektrometer CRISM (Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars) konnte sogar Bilder in 560 Spektralkanälen liefern - zwischen 400 nm Wellenlänge (sichtbarer Bereich) bis 4.050 nm (mittleres Infrarot). Und dies bei ebenfalls beeindruckender Bodenauflösung. Der Mars Climate Sounder war dagegen bereits zweimal zum Mars geschickt worden. Doch weder der Mars Observer (1992) noch der Mars Climate Orbiter (1997) erreichten ihr Ziel. Zwei Wochen nach der Ankunft am Mars übertrug die HiRISE Kamera (High Resolution Imaging Science Experiment) dann tatsächlich die ersten Bilder. Obwohl aus rund 2.500 km Höhe aufgenommen, zeigten sie bereits erstaunliche Details. Nach einer zweiten Serie von Aufnahmen wurde das HiRISE wieder deaktiviert, um es während der folgenden Aerobraking Manöver zu schützen. Die Suche nach aussichtsreichen Landeplätzen für kommende unbemannte und möglicherweise bemannte Missionen war damit aufgeschoben.

11.03.2006

SpainSat::Abb.: Space Systems/LoralMehrfach mußte der erste Ariane-Start des Jahres 2006 verschoben werden. So wurde am 21.02.2006 ein Defekt an der Bodenausrüstung des Startkomplexes entdeckt. Als neuer Starttermin wurde der 24.02.2006 bestimmt. Doch am Starttag ersuchte der Eigner eines der beiden Satelliten um eine Verschiebung. EUTELSAT benötigte mehr Zeit, um ein Telemetrieproblem mit Hotbird 7A zu untersuchen. Am 25.02.2006 versagte dann auch noch eine der Verbindungen im kryogenen Betankungssystem zwischen Versorgungsmast und Rakete. Daraufhin wurde die Ariane 5 ECA in die Endmontagehalle zurückgerollt, wo die Verbindung ersetzt wurde. Technische Probleme verhinderten aber auch am 09.03.2006 den Start. Sensoren hatten einen zu niedrigen Druck im kryogenen System der Oberstufe signalisiert. Schließlich lief der Countdown am 11.03.2006 aber reibungslos durch. Nach 27 min wurde der erste Satellit, SpainSat, für den spanischen Betreiber Hisdesat S.A. ausgesetzt. 5 min später folgte Hotbird 7A. Der von Space Systems/Loral gebaute SpainSat steuerte von seinem Transferorbit aus eine geostationäre Position über 30° West an. Über dem Atlantik stellte er mit seinen 13 X-Band und 1 Ka-Band Transponder Kapazitäten für die sichere Kommunikation von spanischen Militär und Regierungsdienststellen bereit. Das Hisdesat Konsortium war 2001 von INSA, EADS CASA Espacio, Indra und Sener gegründet worden, um mit einem dedizierten Satelliten die militärischen Secomsat Nutzlasten der Hispasat 1A und Hispasat 1B Satelliten abzulösen. Ein Teil der Kapazitäten wurde auch von XTAR LLC, einem Gemeinschaftsunternehmen aus Hisdesat Servicios Estratégicos und Loral Space & Communications betrieben, die die Transponder an verschiedenen NATO Staaten weitervermieteten. Hotbird 7A wurde dagegen auf der wichtigsten EUTELSAT Orbitalposition bei 13° Ost stationiert. Dort verstärkte er die dort bereits positionierte Satellitenflotte und sicherte das System zudem gegen Ausfälle ab. Nach der Inbetriebnahme übernahm er die Übertragungen des ältesten der Hotbird Satelliten, Hotbird 1. 38 Ku-Band Transponder stellte der von Alcatel Alenia Space gebaute Spacebus-3000B3 Satellit bereit. Nach dem Start von Hotbird 9A im Dezember 2008 wurde Hotbird 7A auf eine neue Position bei 9° Ost verschoben und in Eurobird 9A umbenannt. Damit reagierte der Betreiber EUTELSAT auf den rasch wachsenden Bedarf an Kapazitäten auf dieser Position. Nicht nur direktempfangbare Rundfunk- und Fernsehprogramme wurden von dort abgestrahlt, große Bedeutung hatte die Position auch für die Versorgung europäischer Kabelnetze.

20.03.2006

Zur Vorbereitung auf die Ankunft der nächsten ISS Mannschaft unternahm die 12. Stammbesatzung der Raumstation ein Umkopplungsmanöver ihres Sojus TMA-7 Raumschiffs. Am 20.03.2006 um 06:49 UTC koppelten Waleri Tokarew und William McArthur vom „Sarja” Modul ab und manövrierten bis auf eine Entfernung von einigen 100 m zur Raumstation. Diese war für den Fall von Problemen bei der Wiederankopplung auf einen unbemannten Betrieb vorbereitet worden, die Kosmonauten für eine eventuelle Notlandung gerüstet. Doch nach 22 min, am 20.03.2006 um 07:11 UTC, dockte ihr Raumschiff sicher wieder am axialen Port des „Swjesda” Raumstationsmoduls an. Nach der Überprüfung der hermetischen Verriegelung und dem Wiederherstellen aller elektrischen und sonstigen Verbindungen wechselten die Kosmonauten in die ISS hinüber. Der Kopplungsadapter am „Sarja” Modul war aber nun frei für die Ankunft von Sojus TMA-8 wenige Tage später.

22.03.2006

Aussetzen der ST5 Satelliten::Abb.: NASANach wiederholter Startverschiebung wegen schlechten Wetters bzw. technischer Probleme gelangten am 22.03.2006 die drei Satelliten des ST5 Projekts auf ihre Umlaufbahn. Zuletzt war ein Startversuch am 14.03.2006 gescheitert. Die L-1011 „Stargazer” hatte nach dem Start von der Vandenberg AFB problemlos die Abwurfzone für die Pegasus-XL Rakete erreicht. Doch wenige Sekunden vor dem Abwurf zeigte die Telemetrie, daß sich einer der Sicherungsbolzen am Leitwerk der Rakete nicht gelöst hatte. Auch ein Rütteln des Flugzeugs konnte ihn nicht lösen. So blieb nur die Rückkehr zur VAFB. Acht Tage später gelang dann das Manöver. Die Rakete erreichte die vorgesehene sonnensynchrone Polarbahn und setzte die drei Space Technology Mikrosatelliten - ST 5a, ST 5b und ST 5c alias NCT 1, NCT 2 und NCT 3 (Nanosat Constellation Trailblazer) aus. Mit den je 25 kg schweren Satelliten erprobte die NASA im New Millenium Program eine Reihe neuer Technologien, darunter neuartige Antennen, Kommunikationssysteme und Li-Ion Batterien. Ihre wissenschaftliche Mission bestand in der Untersuchung der irdischen Magnetosphäre, wozu jeder der Satelliten über einen Magnetometer-Ausleger verfügte. Die wie auf einer Perlenkette aneinander gereiht fliegenden Satelliten führten koordinierte Messungen aus, wofür sie über ein hohes Maß an Autonomie verfügten. Geplant war eine 90-tägige Mission als Vorreiter für spätere ähnliche Unternehmungen.

24.03.2006

Testlauf der Falcon 1 am 21.03.2006::Abb.: SpaceXFalconSat 2 in der Nutzlastverkleidung::Abb.: SpaceXDer seit den 80er Jahren erste Versuch eines Privatunternehmens, mit einer eigenentwickelten Rakete einen revolutionär günstigen Zugang zum Weltraum anzubieten, scheiterte am 24.03.2006 auf dem Kwajalein Atoll. Der erfolgreiche Unternehmer Elon Musk hatte ein kleines Team erfahrener Raumfahrttechniker um sich geschart und im Juni 2002 die Firma Space Exploration Technologies Corporation (kurz SpaceX) gegründet. Ihr erstes Projekt war die zweistufige Falcon 1 Rakete. Ausgelegt auf eine hohe Zuverlässigkeit bei teilweiser Wiederverwendbarkeit der Stufen sollte sie zu sehr günstigen Preisen bis zu 570 kg auf erdnahe Umlaufbahnen transportieren können. Die Rakete, eine vollkommene Neuentwicklung, setzte andererseits auf bewährte Komponenten aus anderen Raumfahrtprogrammen. Doch die Triebwerke wurden komplett neu entwickelt. Und so zog sich die Fertigstellung der Rakete doch länger hin, als SpaceX erwartet hatte. Noch im Oktober 2003 erwartete man den Jungfernflug der Falcon 1 im Januar 2004. Aber erst im Oktober 2004 konnte die Rakete auf der Vandenberg AFB aufgerichtet werden. Im Mai 2005 fand dort ein heißer Triebwerkstest der startbereiten Rakete statt. Doch auch der nun für Anfang 2005 geplante Start mußte verschoben werden. Nun kamen auch noch Bedenken der USAF hinzu, die eine Gefährdung einer in Vandenberg startbereit stehenden Titan IV Rakete sahen, sollte der Jungfernflug der Falcon 1 mißlingen. SpaceX mußte den Start von Vandenberg auf das Kwajalein Atoll verlegen. Kleinere technische Probleme verzögerten aber den nun für September 2005 anberaumten Start immer weiter. Schließlich wurde der 26.11.2005 als Starttermin festgesetzt. Meteorologische und technische Probleme erzwangen ein mehrfaches Anhalten des Countdowns. Schließlich mußte der Startversuch abgebrochen werden, als sich zeigte, daß das verdampfende Helium nicht so schnell ersetzt werden konnte, wie es bei den tropischen Temperaturen verdampfte. Ein falsch eingestelltes Ventil hatte zum Verlust eines großen Teils des flüssigen Sauerstoffs geführt, der nicht nur als Oxidator diente, sondern auch die Heliumtanks kühlte. Eine Analyse der Situation führte schließlich zum Abbruch des Countdowns. Der nächste Startversuch am 19.12.2005 endete mit der Beschädigung der ersten Stufe. Zu heftige Höhenwinde hatten den Start unmöglich gemacht. Und so wurde mit dem Enttanken der Rakete begonnen. Ein elektrischer Defekt an der Ventilsteuerung führte dabei dazu, daß sich im Kerosintank der Erststufe ein Vakuum bildete und die Tanks sich verformten. Nachdem eine neue Stufe eingeflogen worden war, wurde als neuer Starttermin der 09.02.2006 festgesetzt. Im Ergebnis eines weiteren heißen Triebwerkstests wurde der Start aber verschoben. Ein erneuter Testlauf machte den Weg frei für einen Start am 24.03.2006. An diesem Tag hob die Falcon 1 mit ihrer Nutzlast, dem kleinen, von Studenten gebauten, FalconSAT 2, von Omelek Island ab. Nach einem zunächst scheinbar reibungslosen Start geriet die Rakete nach wenigen Sekunden Flug außer Kontrolle. Eine erste Analyse zeigte unmittelbar nach dem Start den Ausbruch eines Feuers im Triebwerksbereich. Dies führte nach 25 s zu einem Druckverlust im Heliumsystem. Als ein kritischer Wert erreicht war, wurde nach 29 s der Treibstoffzufluß abgestellt. Einige Sekunden später schlug die Falcon 1 auf dem Meer auf. Der Satellit stürzte zusammen mit anderen Trümmern über Omelek ab und durchschlug ein Hallendach.
Bei dem Fehlstart ging der von Kadetten der USAF Akademie gebaute FalconSAT 2 verloren. Dieser war ursprünglich zum Start bei der Space Shuttle Mission STS-114 im Januar 2003 vorgesehen gewesen. Doch nach dem Verlust des Orbiters „Columbia” war ein Starttermin nicht mehr abzusehen. Die USAF, die Interesse am Falcon Programm hatte, buchte so den Jungfernflug der Falcon 1. Mit FalconSAT 2 sollten Plasma Phänomene untersucht werden, die u.a. die GPS Signalübertragung beeinträchtigten. Vor allem aber sollten die Kadetten Erfahrungen beim Design, Bau und Betrieb des Mikrosatelliten sammeln.
Die Untersuchung des Fehlstarts ergab, daß ein Techniker bei Wartungsarbeiten vor dem Start eine Zuleitung des Treibstoffsystems gelöst, aber nicht wieder korrekt befestigt hatte. Menschliches Versagen war also die Ursache des verhängnisvollen Feuers gewesen.

30.03.2006

Marcos Pontes beim Anlegen seines „Sokol” Raumanzugs::Abb.: NASA/Bill IngallsMarcos Pontes an Bord der ISS::Abb.: NASAEine weitere Routinemission zur ISS startete am 30.03.2006 um 02:30 UTC von Baikonur zur ISS. Kommandant Pawel Winogradow und sein Bordingenieur Jeffrey Williams brachten mit Sojus TMA-8 nicht nur ein neues Rettungsraumschiff zur Raumstation und lösten dort die bisherige zwölfte Stammbesatzung ab. Gemeinsam mit ihnen flog der erste brasilianische Raumfahrer, Marcos Pontes, auf einer Kurzzeitmission zur ISS. Während des Aufstiegs der Sojus-FG 11A511U-FG Rakete gab es einen Zwischenfall, als gegen Ende der Zweitstufen-Brennphase der Kontakt zwischen Raumschiff und Kontrollzentrum abbrach. Ursächlich war, wie sich später herausstellte, ein Problem mit einem „Molnija” Kommunikationssatelliten. Die Besatzung ließ sich aber von der etwa 10-minütigen Unterbrechung nicht irritieren. Planmäßig fand der Einflug in eine vorläufige Umlaufbahn statt. Von dort aus manövrierte die Sojus allmählich auf eine Bahn ähnlich der der ISS. Das Docking mit dem erdzugewandten Port des „Sarja” Moduls fand am 01.04.2006 um 04:19 UTC statt. Kurze Zeit darauf konnten sich die beiden Mannschaften begrüßen. Während Pontes seinen Konturensitz ins Sojus TMA-7 Raumschiff schaffte, mit dem er in einer Woche zur Erde zurückkehren sollte, und sich dann seinen Experimenten widmete, übernahmen Winogradow und Williams das Kommando der Station von William McArthur und Waleri Tokarew. Pontes, der bereits 1998 für einen Raumflug ausgewählt worden war, hatte ursprünglich im Rahmen einer Space Shuttle Mission zur ISS fliegen sollen. Finanzprobleme hatten seinen Start aber bereits mehrfach verzögert, als das „Columbia” Unglück Anfang 2003 seinen Einsatz in weite Ferne rücken ließ. Doch im Jahr 2005 bot die russische Raumfahrtorganisation RKA eine Mitfluggelegenheit auf einer Sojus Mission an. Im September 2005 nahm Pontes, akademisch ausgebildeter Militär- und Testpilot, sein Training in Rußland auf und schloß es im Februar 2006 offiziell ab. Nach eigenem Bekunden, mit nur rudimentären Russisch Kenntnissen. Dennoch war sein Raumflug in Brasilien ein nationales Ereignis, dem in den Medien breiter Raum eingeräumt wurde. Seine acht zu betreuenden Experimente stammten aus den Bereichen Wissenschaft (5), Technologie (1) und Bildung (2). Es handelte sich um MEK - Efeito da Microgravidade na Cinética das Enzimas Lipase e Invertase, DRM - Danos e Reparos no DNA na Microgravidade, CEM - Teste de Evaporadores Capilares em Ambiente de Microgravidade, MHP - Mini tubos de Calor, NIP - Nuvens de interação Protéica, GSM - Germinação de Sementes em Microgravidade und SED - Sementes de feijão brasileiras e CCM - Cromatografia da Clorofila.

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