11.04.2006
Nach einem fünfmonatigen interplanetaren Flug erreichte die europäische Raumsonde Venus Express Anfang April 2006 das Ziel ihrer Reise. Am 11.04.2006 zündete das Bremstriebwerk der Sonde für das entscheidende Manöver, bei dem die Anfluggeschwindigkeit von etwa 29.000 kmh-1 um etwa 15% verringert werden mußte, um mit Venus Express in einen Orbit um die Venus einzuschwenken. Nach einem 180° Wendemanöver zündete das Triebwerk für 50 min. Noch während das Triebwerk arbeitete, verschwand Venus Express im Funkschatten der Venus. Zur Erleichterung der Wissenschaftler verlief nicht nur das Bremsmanöver sondern auch eine nachfolgende Sequenz automatischer Operationen perfekt nach Plan. Und so übertrug die Sonde nach dem Austritt aus dem Funkschatten über eine ihrer Hochgewinnantennen die Statusmeldungen zum Orbit und zur Funktion der Bordsysteme. Venus Express war mit hoher Präzision in den vorgesehenen Orbit eingeschwenkt. Noch während die Systeme der Sonde wieder aktiviert wurden, bereiteten die Wissenschaftler die Übertragung der ersten wissenschaftlichen Daten vor. Und so konnte bereits am 12.04.2006 das erste Falschfarbenbild des VIRTIS Instruments (Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer) empfangen werden. Die Aufnahme, die erstmals den Südpol der Venus zeigte, begeisterte die Wissenschaftler. Und dies, obwohl die Kalibrierung der Instrumente noch nicht abgeschlossen und der Zielorbit noch nicht erreicht war. Bereits jetzt waren zahlreiche Details erkennbar. So war klar ein dunkler Wirbel unmittelbar über dem Südpol auszumachen, wie er bereits vom Nordpol der Venus bekannt war.
12.04.2006
Die JSAT Corporation, einer der bedeutendsten japanischen Satellitenbetreiber, ließ seinen bei Lockheed Martin gebauten Kommunikationssatelliten JCSAT 9 am 12.04.2006 mit einer Zenit-3SL des Unternehmens Sea Launch starten. Mit kaum noch zu steigernder Präzision setzte die Block-DM Endstufe der Rakete ihre Nutzlast auf einem Transferorbit aus. Die maximale Abweichung betrug in der Bahnhöhe 200 m, alle anderen Parameter entsprachen exakt den projektierten Werten! Unter Einsatz des eigenen Antriebs manövrierte der A2100-AX Satellit wenig später auf eine Synchronbahn. Hier wurde er über 132° Ost positioniert und als JCSAT 5A in Betrieb genommen. Mit seinen Hochleistungstranspondern für das C-, Ku- und S-Band deckte er weite Gebiete Asiens ab. Die NTT-DoCoMo Inc., die die S-Band Nutzlast und einen Teil der C-Band Transponder betrieb, löste mit JCSAT 9 den N-Star a Satelliten ab und erweiterten zudem das Dienstleistungsangebot von dieser Orbitalposition. Daher trug der Satellit auch den Namen N-Star d. Seine 20 Ku-Band Transponder dienten vor allem der direkten Ausstrahlung nationaler Rundfunk- und Fernsehprogramme. Für den internationalen Austausch von Programmen und Telefongesprächen wurden die 20 C-Band Transponder genutzt. Mit dem S-Band Transponder wurden mobile Dienste angeboten. Insgesamt wurde der Raum von Hawaii und Ozeanien bis hin zu den Ländern Südostasiens abgedeckt.
15.04.2006
Einen Schwarm aus sechs gleichartigen Satelliten beförderte am 15.04.2006 eine Minotaur Rakete von der Vandenberg AFB aus auf ähnliche Umlaufbahnen. Innerhalb von etwa 5 Minuten wurden die mit Unterstützung von Orbital Sciences im Auftrag der Raumfahrtbehörde Taiwans, der National Space Organization (NSPO), gebauten Satelliten in 500 km Höhe ausgesetzt. Innerhalb der nächsten 13 Monate sollten die Satelliten ihre Zielbahnen in 700 bis 800 km Höhe erreichen. Die FORMOSAT 3 Konstellation (Formosat 3A, Formosat 3B, Formosat 3C, Formosat 3D, Formosat 3E und Formosat 3F) trug in den USA, die sich mit etwa 20% an den Kosten des Projekts beteiligten, den Namen COSMIC (Constellation Observing System for Meteorology, Ionosphere and Climate). Jeder der etwa 62 kg schweren Satelliten trug drei Experimente. Einen GPS Empfänger, ein Photometer für ionosphärische Untersuchungen und eine 3 Band Funkbake. Mit dieser Ausrüstung war eine intensive Sondierung der Atmosphäre geplant, die eine Vielzahl von Temperatur- und Wasserdampfprofilen sowie Luftdruckmessungen liefern sollte. Damit wurde eine Verbesserung der Wettervorhersage angestrebt, konnte das System doch vielmehr Echtzeitdaten liefern, als sie bis dahin gewonnen werden konnten. Wissenschaftlich interessant waren auch die Messungen der Elektronendichte in der Ionosphäre. Für die Sondierungen nutzte man die Technik der Radio Okkultation, bei der die Signale von GPS Satelliten knapp über dem Erdhorizont von den COSMIC Satelliten nach dem Durchdringen der Atmosphäre aufgefangen wurden. Für Taiwans Raumfahrtindustrie war das Projekt ebenfalls von großer Bedeutung, erlangte man doch wertvolle Erfahrungen bei Bau und Entwicklung der Satelliten. Diese basierten zwar auf Orbital's bewährtem MicroStar Bus, waren aber in Taiwan gefertigt und ausgerüstet worden.
20.04.2006
Ein neuer Kommunikationssatellit für den europäisch-amerikanischen Satellitenbetreiber SES Astra startete am 20.04.2006 mit einer Atlas V Mod. 411 von Cape Canaveral. Hersteller des Satelliten, der die Kapazitäten auf der SES Stammposition 19,2° Ost verstärken sollte, war Lockheed Martin Commercial Space Systems. Der A2100-AXS Satellit Astra 1KR trat die Nachfolge des von Alcatel-Space gebauten Astra 1K an, der im November 2002 auf einer zu niedrigen Umlaufbahn gestrandet war. Als achter Satellit auf 19,2° Ost verstärkte Astra 1KR die Kapazitäten auf dieser Orbitalposition weiter, sollte aber auch die Abstrahlung weiterer Programme nach Osteuropa ermöglichen. In dieser Region sah SES Astra besondere Wachstumsmöglichkeiten. Der neue Satellit sollte es SES Astra zudem ermöglichen, mittelfristig die Satelliten Astra 1B und Astra 1C abzulösen. Für Zentraleuropa bot der Satellit Kapazitäten für den Fernsehdirektempfang einschließlich der Übertragung hochauflösender digitaler Programme (HDTV). Die Ausstrahlungen starteten ab Sommer 2006 mit 32 Transpondern. Nach fünf Jahren war eine Reduzierung auf nur noch 28 aktive Transponder geplant. Alle Ausstrahlungen erfolgten im Ku-Band.
24.04.2006
Weiteren Nachschub für die ISS hatte das unbemannte Transportraumschiff Progress M-56 an Bord, das am 24.04.2006 um 16:03 UTC mit einer Sojus-U 11A511U von Baikonur startete. Neben den üblichen Versorgungsgütern, Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Ersatz- und Verbrauchsmaterialien, Wasser, Atemluft und Treibstoff beförderte die Progress einen ungewöhnlichen Posten. Für einen Werbespot mit Pawel Winogradow brachte das Raumschiff ein Golf-Set auf die Raumstation. Nach zweitägigem autonomem Flug erreichte Progress M-56 die ISS und dockte dort am 26.04.2006 um 17:42 UTC am Heck des „Swjesda” Moduls an. Für die nächsten fünf Monate blieb der Frachter dort verankert und unterstützte die ISS u.a. bei ihren Bahnmanövern. Am 19.09.2006 um 00:28 UTC koppelte Progress M-56 dann von der Raumstation ab, zündete drei Stunden später das Bremstriebwerk und verglühte wie vorgesehen gegen 04:15 UTC über dem Pazifik.
25.04.2006
Um dem wachsenden Bedarf an hochauflösenden Erderkundungsinformationen gerecht zu werden, plante der (auf den Niederländischen Antillen registrierte) israelische Satellitenbetreiber ImageSat International N.V. den Aufbau einer Konstellation aus vier neuen EROS B Satelliten. Diese sollten, wie schon die EROS A Vorgänger, auf dem militärischen Ofeq Modell basieren, das der Hersteller IAI entwickelt hatte. Die zweite Satellitengeneration erhielt eine leistungsfähigere Kamera vom CCD/TDI (Charge Coupled Device/Time Delay Integration) Typ mit einer panchromatischen Auflösung von 0,70 m. Verbessert wurde zudem die Ausrichtgenauigkeit, während die Speicherkapazität und Datenübertragungsrate gesteigert wurden. Alle vier Satelliten sollten mit der russischen Start-1 vom Kosmodrom Swobodnij gestartet werden. Letztlich wurde aber nur ein Exemplar gebaut und am 25.04.2006 gestartet. Mit einer projektierten Lebensdauer von 10 Jahren bildete er gemeinsam mit EROS A1 die Satellitenflotte von ImageSat. Um die Kontinuität der Datengewinnung sicherzustellen, gab ImageSat allerdings den Satelliten EROS C in Auftrag, der ab 2008 startbereit sein sollte.
26.04.2006
Einen neuartigen Erderkundungssatelliten startete China am 26.04.2006 vom Raumfahrtzentrum Taiyuan. Die Nutzlast der CZ-4B Rakete wurde als Yaogan 1 bezeichnet. Laut chinesischen Angaben hatte der Satellit, zu dem nur vage Angaben gemacht wurden, eine Masse von 2.700 kg. Zudem kam erstmals eine überkalibrige Nutzlastverkleidung zum Einsatz. Daraus ließ sich ableiten, daß es sich um einen sehr großen Satelliten handelte. Doch zur Ausrüstung und Leistungsfähigkeit von Yaogan 1 wurden keine Informationen veröffentlicht. Daher ist anzunehmen, daß die Mission wenigstens teilweise militärischen Charakter trug. Die militärische Bezeichnung des Satelliten lautete vermutlich Jian Bing 5 (JB-5 1). Als zivile Anwendungen wurden die Suche nach Rohstoffen, die Prognose landwirtschaftlicher Erträge, die Vorbeugung vor Naturkatastrophen und die Unterstützung bei der Beseitigung von deren Folgen genannt.
28.04.2006


Im Rahmen des Earth Systems Science Pathfinder Programms der NASA, an dem sich auch andere Nationen mit eigenen Satelliten beteiligten, startete am 28.04.2006 eine Delta 7420 mit zwei Forschungssatelliten von der Vandenberg AFB. Der französische-amerikanische Satellit CALIPSO (basierend auf dem Proteus Bus von Alcatel Space) war als PICASSO-CENA (Pathfinder Instrument for Cloud and Aerosol Spaceborne Obeservation - Climatologie Etendue des Nuages et des Aerosols) als dritte ESSP Mission konzipiert worden. Als die Mission schließlich realisiert wurde, zählte sie allerdings offiziell nicht mehr zum ESSP Programm. Der Satellit wurde mit einem polarisations-sensitiven LIDAR (Light Detection and Ranging) ausgestattet, das auf zwei Wellenlängen (532 nm and 1064 nm) operierte. Seine Messungen wurden von einem Imaging Infrared Radiometer (IIR) und einer Wide Field Camera (WFC) ergänzt. Damit konnten Informationen zur Aerosolverteilung und Wolkenbeschaffenheit gewonnen werden, die große Relevanz für das Erdklima haben. Speziell der Untersuchung von komplexen Wolkenstrukturen diente auch der zweite Satellit, CloudSat. Diese Mission hatte ihren Ursprung ebenfalls im ESSP Programm (ESSP 4). Sie wurde als Kooperation zwischen NASA und USAF (Space Test Program) realisiert. Einziges Instrument war das Cloud Profiling Radar (CPR). Dieses Millimeterwellen-Radar war 1.000 mal empfindlicher als die üblicherweise auf meteorologischen Satelliten eingesetzten Instrumente. Vor allem aber war es in der Lage, auch noch sehr dicke Wolken mit starken Regen- und Schneefällen zu durchdringen. Der Start der beiden Satelliten mußte unter Einhaltung eines extrem knappen Zeitfensters von täglich lediglich einer Sekunde erfolgen. Denn sie sollten in den sogenannten „A-Train”, eine Formation aus weiteren Umweltsatelliten, präzise integriert werden. Technische Probleme und die Wetterbedingungen machten wiederholt in letzter Minute die Startchancen zunichte. Der siebte Startversuch war schließlich von Erfolg gekrönt. Beide Satelliten erreichten die vorgesehene sonnensynchrone Bahn in rund 700 km Höhe.



Raumfahrtchronik