Olafs Raumfahrtkalender

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Home Trägerraketen Ariane 1
Trägerraketen
Gesamtsystem
NationEuropa (ESA) 
Bezeichnung(en)Ariane 1, AR-1 
Entwicklungszeitraum1973-1979 
erster Start24.12.1979 
Einsatzzeitraum1979-1986 
Stufenzahl
Gesamthöhe47,39 m 
Basisdurchmesser3,80 m 
Spannweite der Stabilisierungsflächen7,60 m 
max. Nutzmasse1.850 kg (GTO)  
Leermasse19.760 kg  
Treibstoffmasse189.673 kg 
Startmasse211.520 kg 
Startschub2.569 kN 
1. Stufe
HerstellerAérospatiale (SNIAS) 
Bezeichnung(en)L140 „Drakkar” 
Länge18,39 m 
Durchmesser3,80 m 
Leermasse13.270 kg  
Treibstoffmasse147.670 kg  
Gesamtmasse160.940 kg 
Antrieb4 Flüssigkeitstriebwerke SEP „Viking V” 
TreibstoffUDMH + Stickstofftetroxid 
Startschub2.445 kN  
spezifischer Impuls (Seehöhe)239 s  
Brenndauer145 s 
2. Stufe
HerstellerAérospatiale (SNIAS) 
Bezeichnung(en)L33 
Länge mit Adapter11,47 m 
Durchmesser2,60 m 
Leermasse3.580 kg  
Treibstoffmasse33.840 kg  
Gesamtmasse37.420 kg  
Antrieb1 Flüssigkeitstriebwerk SEP „Viking IV” 
TreibstoffUDMH + Stickstofftetroxid 
Vakuumschub723 kN  
spezifischer Impuls (Vakuum)293 s 
Brenndauer132 s  
3. Stufe
HerstellerAérospatiale (SNIAS) 
Bezeichnung(en)H8 
Länge inkl. Adapter und VEB8,88 m 
Stufendurchmesser2,60 m 
Leermasse1.224 kg  
Treibstoffmasse8.163 kg  
Gesamtmasse9.387 kg  
Antrieb1 Flüssigkeitstriebwerk SEP HM7 
TreibstoffFlüssigwasserstoff + Flüssigsauerstoff 
Vakuumschub61 kN 
spezifischer Impuls (Vakuum)441 s 
Brenndauer548 s 
Nutzlastverkleidung
Länge über Endstufe8,65 m 
max. Durchmesser3,20 m 
Strukturmasse826 kg  

ariane-1_liftoffAnnähernd zehn Jahre lang hatte eine Gruppe westeuropäischer Länder im Rahmen der ELDO (European Launcher Development Organization) an der Entwicklung einer Raumfahrtträgerrakete gearbeitet. 1971, nach einer Serie von Fehlstarts, mußte man sich eingestehen, daß die Serienreife noch immer nicht erreicht war und die Europa-Rakete technisch in vielen Belangen längst veraltet war. Während nun einige der bisherigen Partner die Idee einer europäischen Trägerrakete ganz aufgeben wollten, beharrte Frankreich darauf, daß Europa einen eigenen Zugang zum Weltraum unanhängig von den Weltraummächten USA und Sowjetunion benötigte. Doch die Studie ELDO IIIB wurde von den meisten anderen Staaten als zu ambitioniert abgelehnt. Daraufhin beauftragte die französische Regierung im Februar 1972 CNES und DMA (Délégation Ministérielle pour l'Armement) mit der Erarbeitung eines Entwurfs für einen Lanceur 3ème Génération Substitution (L III S, dt. svw. Ersatzträger der 3. Generation). Dessen Leistung für den geostationären Transferorbit lag mit 1.300 kg zwar unter dem der ELDO IIIB, doch weckte er eher das Interesse der Partner aus dem ELDO Programm. Denn die technischen und finanziellen Risiken schienen hier weitaus überschaubarer. Die L III S wurde als dreistufige Rakete ausgelegt. Wobei man als Antrieb für Erst- und Zweitstufe Varianten des „Viking” Triebwerks vorsah, das erstmals bereits 1969 auf einem Prüfstand im französischen Vernon erprobt worden war. Es war eine Weiterentwicklung des Triebwerks der französischen Diamant Rakete, jedoch mit einer leistungsfähigen Turbopumpe statt Druckgasförderung. Für die Drittstufe setzte man auf eine kryogene Stufe, eine Technik, die bis dahin ausschließlich die USA zur Serienreife gebracht hatten. Mit geringen Änderungen wurde der L III S Entwurf schließlich angenommen und unter dem Projektnamen „Ariane” mit der Entwicklung begonnen.
Die Erststufe der Ariane erhielt die Bezeichnung L140, was sie als Flüssigkeitsstufe mit 140 Tonnen Treibstoffmasse ausweist (effektiv wurde das Tankvolumen später auf knapp 148 Tonnen gesteigert). Strukturell besteht sie im Wesentlichen aus den aus Edelstahl gefertigten Tanks für die beiden hypergolen Treibstoffkomponenten UDMH und Stickstofftetroxid. Beide Tanks waren gleichgroß und austauschbar gestaltet. Sie waren zylindrisch mit halbkugelförmigen Enddomen. Strukturell war die Wandstärke der Tanks gerade ausreichend, diese im Leerzustand in Form zu halten. Um Beschädigungen zu vermeiden, wurden sie aber unter Innendruck gehalten. Eine ungewöhnliche Lösung wählte man zum Antrieb des Gasgenerators. Hier wurden ganz einfach die beiden Treibstoffkomponenten verbrannt. Jedoch spritzte man Wasser aus vier zwischen den Triebwerken gruppierten Tanks von je 2.690 l Fassungsvermögen ein und konnte so die Gastemperatur bei etwa 600° C halten. Gebräuchlich ist eher die Variante, UDMH im Überschuß zu verbrennen, um die Temperatur zu reduzieren. Die europäische Variante erwies sich als sehr zuverlässig und letztlich kostensparend. Die eigentliche Antriebssektion der Erststufe bestand aus einem massiven Rahmen, der die hohen Kräfte aufnehmen konnte. Hier waren die vier nach dem Nebenstromverfahren arbeitenden Viking-V Triebwerke kardanisch schwenkbar für Korrekturen um Nick- und Gierachse aufgehängt. Die Stabilisierung um die Rollachse übernahmen Abgase des Gasgenerators. Ein weiterer Teil dieser Gase wurde zur Aufrechterhaltung des Tankdruck abgezapft. Zur aerodynamischen Stabilisierung erhielt die Erststufe am Heck vier je ca. 2 m² große Flächen. Die zweite Stufe trug die Bezeichnung L33 und wurde von einem einzelnen Viking-IV angetrieben. Hauptunterschied des Antriebs war die für die Arbeit im Vakuum optimierte verlängerte Düse. Das Triebwerk war um zwei Achsen bis zu 4° schwenkbar. Für die Rollstabilisierung kamen zwei Triebwerke mit je 50 N Schub zum Einsatz, die mit dem Abgas des Gasgenerators betrieben wurden. Zur Druckbeaufschlagung der Tanks konnte das heiße Gas bei der zweiten Stufe nicht genutzt werden. Denn die Tanks (eigentlich ein Tank mit Zwischenboden) waren zur Gewichtsreduzierung aus einer Aluminium-Legierung gefertigt. Daher mußten zusätzlich Helium-Druckgastanks installiert werden. Der Wasservorrat (620 l) für den Gasgenerator wurde in einem Toroidtank untergebracht, der rund um das Triebwerk angeordnet war. Erst- und Zweitstufe waren über einen Adapter miteinander verbunden, der den Unterschied im Durchmesser der Stufen ausglich. Die kryogene H8 Drittstufe mit ihrem im Nebenstromverfahren arbeitenden HM-7 Triebwerk übertraf bereits bei seiner Einführung in einer Reihe entscheidender Parameter das RL-10 Triebwerk der amerikanischen „Centaur” Stufe. Allerdings war es nicht wiederzündbar. Über eine Feststoffkartusche wurde die Sauerstoffturbine auf die notwendige Startdrehzahl gebracht. In einem Gasgenerator verbrannten Teile des Wasserstoffs und Sauerstoffs und trieben die Turbinen zur Treibstoffförderung an. Den notwendigen Andruck der Treibstoffe am Tankboden besorgten vier kleine Feststofftriebwerke. Auch das HM-7 Triebwerk war um Nick- und Gierachse schwenkbar, verfügte zur Rollstabilisierung über zwei Düsen, aus denen Wasserstoffgas ausgestoßen werden konnte. Die tiefgekühlten Treibstoffkomponenten  waren in zwei besonders isolierten Tanks untergebracht. Für die Druckbeaufschlagung nutzte man beim Wasserstofftank gasförmigen Wasserstoff, während man beim Sauerstofftank wieder auf Helium zurückgriff. Die großvolumige Nutzlastverkleidung bestand aus zwei Halbschalen, die getrennt wurden durch das Füllen von Druckschläuchen mit Gas. Der Schallisolierung und dem Schutz vor Reibungshitze dienten aufgeklebte Korkplatten, wobei die Unterstruktur aus einer Aluminium-Magnesium Legierung gefertigt wurde.


[1] ESA/CNES: FIRST TEST FLIGHT OF THE EUROPEAN ARIANE LAUNCHER, 1979
[2] weitere Quellen: diverse Firmenprospekte



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