Olafs Raumfahrtkalender

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Home Trägerraketen Europa II
Trägerraketen
Gesamtsystem
NationEuropa (ELDO) 
Bezeichnung(en)Europa II, ELDO-B 
Entwicklungszeitraum1965-1970 
erster Start05.11.1971 (Fehlstart) 
Einsatzzeitraum--- 
Stufenzahl
Gesamthöhe31,65 m 
Basisdurchmesser3,05 m 
max. Nutzmasse1.250 kg (300 km Kreisbahn)
170 kg (GEO) 
Leermasseca. 10.470 kg 
Treibstoffmasse 
Startmasseca. 112.050 kg 
Startschub1.335 kN 
1. Stufe
HerstellerHawker Siddeley Dynamics 
Bezeichnung(en)„Blue Streak” 
Länge18,57 m  
Durchmesser3,05 m 
Leermasse6.168 kg 
max. Treibstoffmasse84.952 kg 
Gesamtmasse95.025 kg  
Antrieb2 Flüssigkeitstriebwerke Rolls Royce RZ.2-III 
TreibstoffKerosin RP1 + Flüssigsauerstoff 
Startschub1.335 kN 
spezifischer Impuls (Seehöhe)249 s 
Brenndauer160 s 
2. Stufe
HerstellerSNIAS (Aerospatiale) 
Bezeichnung(en)„Coralie” 
Länge5,50 m 
Durchmesser2,01 m 
Leermasse2.263 kg 
Treibstoffmasse9.850 kg  
Gesamtmasse12.186 kg  
Antrieb4 Flüssigkeitstriebwerke L.R.B.A. 
TreibstoffUDMH + Stickstofftetroxid 
Vakuumschub275 kN 
spezifischer Impuls (Vakuum)280 s 
Brenndauer104 s 
3. Stufe
HerstellerASAT  
Bezeichnung(en)„Astris 2” 
Länge inkl. Adapter3,82 m 
Triebwerksdurchmesser2,01 m 
Leermasse 
max. Treibstoffmasse2.978 kg 
Gesamtmasse4.007 kg  
Antrieb1 Flüssigkeitstriebwerk ERNO 
TreibstoffAerozin 50 + Stickstofftetroxid  
Vakuumschub36 kN 
spezifischer Impuls (Vakuum)292 s 
Brenndauer375 s 
4. Stufe
HerstellerAerfer, Matra 
Bezeichnung(en)PAS 
Länge2,02 m 
Triebwerksdurchmesser0,73 m 
Leermasse 
Treibstoffmasse685 kg 
Gesamtmasse790 kg  
Antrieb1 Feststofftriebwerk SEP P.07 
TreibstoffFeststoff 
Vakuumschub30 kN 
spezifischer Impuls (Vakuum)270 s 
Brenndauer46 s 
Nutzlastverkleidung
Länge über Endstufe4,00 m 
max. Durchmesser2,01 m 
europa-iiZielsetzung der in der ELDO (European Launcher Development Organization) zusammengeschlossenen Nationen war die Schaffung einer Trägerrakete geeignet für den Transport von kleinen Forschungssatelliten auf erdnahe Umlaufbahnen. Frankreich, Großbritannien, die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, die Niederlande und Italien erhofften sich gemeinsam mit Australien eine von den USA unabhängige (west-)europäische Startmöglichkeit. Doch die rasante Entwicklung auf dem Raumfahrtgebiet überholte diese Pläne rascher, als sie überhaupt umgesetzt werden konnten. Mitte der 60er Jahre zeichnete sich bereits ab, wie aktive geostationäre Kommunikationssatelliten die globalen Informationsflüsse revolutionieren würden. 1965 kam es daher zu einer Krise der ELDO, als Frankreich mit Nachdruck eine Neuausrichtung des Programms forderte. Denn die Europa I Rakete hatte keine adäquate Transportkapazität für den zu erwartenden Bedarf beim Start von Satelliten auf Synchronbahnen. Es entstanden die Studien ELDO-B 1 und ELDO-B 2, wobei die „Blue Streak” Erststufe eine hochenergetische Oberstufe erhalten sollte, was den Transport von bis zu 1.000 kg auf eine Synchronbahn ermöglich hätte. Damit war das Projekt vergleichbar mit den Charakteristika der amerikanischen Atlas-Centaur. Doch blieben dies nur Studien, die später in das Europa III Projekt mündeten. Unter der Bezeichnung ELDO-B wurde vielmehr ein Projekt verwirklicht, bei dem mit minimalem Aufwand aus der ELDO-A eine Trägerrakete für den Transport eines maximal 200 kg schweren Satelliten auf eine Synchronbahn abgeleitet werden sollte. Im Juli 1966 wurde das Zusatz-Programm genehmigt, das die Nachrüstung eines Systems aus Apogäums- und Perigäumsstufe (P.A.S.) vorsah. Die Europa I Basisrakete sollte die Nutzlast mitsamt der neu eingeführten Perigäumsstufe auf eine kreisförmige 300 km Parkbahn transportieren. Nach der vollzogenen Spinstabilisierung würde dann die Perigäumsstufe den Satelliten auf eine geostationäre Transferbahn anheben, bevor dessen eigener Antrieb den Einflug in die endgültige Synchronbahn vornahm. Diese Übergangslösung erhielt die Bezeichnung Europa II und wurde parallel zur noch laufenden Flugqualifizierung der Europa I entwickelt. Während die ersten beiden Stufen nahezu unverändert bleiben konnten, mußte die deutsche „Astris” Drittstufe strukturell so angepaßt werden, daß sie das zusätzliche Gewicht des PAS Systems von ca. 1.250 kg aufnehmen konnte. Auch mußte ein neues Inertiallenksystem entwickelt werden, das die von Bodenkommandos unabhängige Steuerung der Rakete übernehmen sollte. Als Perigäumsstufe wurde die P0.7 Drittstufe aus dem französischen Diamant Programm adaptiert.
Obwohl bei der Erprobung der Europa I kein einziger voller Erfolg zu verzeichnen gewesen war, verzichtete man auf den eigentlich noch vorgesehenen F10 Erprobungsflug der Europa I und beschloß, die Tests direkt mit der Europa II vom neuen Startkomplex in Kourou fortzusetzen. Lediglich zwei Qualifizierungsflüge waren eingeplant. Zwischen Sommer 1972 und Sommer 1975 waren dann die Missionen F13 bis F18 im Kundenauftrag vorgesehen. Zunächst schien sich diese Strategie auch zu bestätigen. Denn der Countdown zum Flug F11 lief nahezu reibungslos durch, so daß die Rakete exakt zu dem Termin abheben konnte, der Anfang 1971 festgesetzt worden war. Doch nach 105 s Flug fiel das noch nie zuvor im Flug erprobte Inertiallenksystem aus. Die Rakete wich vom Kurs ab, bis die wirkenden Kräfte zu ihrem Auseinanderbrechen führten. Die Untersuchung des Fehlstarts zeigte schließlich auch deutlich die Ursachen auf. So war die Elektronik der Inertialplattform nachträglich in die Drittstufe eingebaut worden, ohne daß es eine Verträglichkeitsprüfung der elektrischen Systeme gegeben hätte. Eine mangelhafte Erdung ließ den Aufbau elektrischer Aufladungen zu, die über einen ungenutzten Kanal des Telemetriesystems unkontrolliert abflossen. Das führte zum „Absturz” des Inertiallenksystems. Technisch war die Ursache damit erklärt. Doch die Gründen lagen tiefer. Die in nationaler Verantwortung entwickelten und gebauten Stufen der Europa Rakete hatten nie ein einheitliches Ganzes ergeben. Politisch schwand nach dem neuerlichen Fehlstart ebenso die Unterstützung wie in der Öffentlichkeit. Frankreich und Deutschland versagten dem Projekt die weitere Unterstüzung. Eine für den Sommer 1972 geplante Ministersitzung der Europäischen Raumfahrtkonferenz wurde zunächst auf den Dezember des Jahres verschoben und führte dann zu keiner Beschlußfassung hinsichtlich einer Fortführung des Europa II Programms. Vielmehr wurde die Fortführung der französischen Studien für das L-3S Projekt unterstützt, während die Entwicklung der Europa III praktisch eingestellt werden sollte. Damit verlor auch die Europa II jede Perspektive. Obwohl die nächste Europa II bereits auf dem Weg nach Kourou war und auch die Finanzierung des Starts als sichergestellt galt, endete das Programm ohne einen weiteren Start. Einiges an Hardware für die Europa III wurde noch erprobt, bevor am 01.05.1973 das gesamte Programm zugunsten des konservativeren L-3S Entwurfs endgültig eingestellt wurde.



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