Olafs Raumfahrtkalender

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Trägerraketen
Gesamtsystem
NationJapan (ISAS) 
Bezeichnung(en)M-3S, Mu-3S, My-3S  
Entwicklungszeitraum 
erster Start17.02.1980 
Einsatzzeitraum1980-1984 
Stufenzahl3 + 8 Feststoffbooster 
Gesamthöhe23,80 m 
Basisdurchmesser1,41 m 
Spannweite der Stabilisierungsflächen4,00 m 
max. Nutzmasse290 kg 
Leermasse8.383 kg 
Treibstoffmasse41.025 kg 
Startmasse einschließlich Nutzlast49.615 kg 
Startschub2.211 kN 
Feststoff-Starthilfen
HerstellerNissan Motor Co. 
Bezeichnung(en)8 Feststoffbooster SB-310 
Länge5,79 m 
Durchmesser0,31 m 
Leermasse8 × 172 kg  
Treibstoffmasse8 × 343 kg  
Gesamtmasse8 × 515 kg  
Antriebje 1 Feststofftriebwerk Nissan 
TreibstoffFeststoff UP-10 
Startschub8 × 133 kN 
spezifischer Impuls (Seehöhe)219 s 
Brenndauer7,7 s 
1. Stufe
HerstellerNissan Motor Co. 
Bezeichnung(en)M-13TVC 
Länge ohne Stufenadapter14,98 m? 
Durchmesser1,41 m 
Leermasse4.439 kg 
Treibstoffmasse29.886 kg 
Gesamtmasse34.425 kg 
Antrieb1 Feststofftriebwerk Nissan 
TreibstoffFeststoff BP-30B 
Startschub1.147 kN 
spezifischer Impuls (Seehöhe)240 s 
Brenndauer70 s 
2. Stufe
HerstellerNissan Motor Co. 
Bezeichnung(en)M-22TVC 
Länge4,95 m  
Durchmesser1,41 m 
Leermasse2.419 kg 
Treibstoffmasse7.234 kg 
Gesamtmasse9.653 kg 
Antrieb1 Feststofftriebwerk Nissan 
TreibstoffFeststoff BP-22B 
Vakuumschub357 kN 
spezifischer Impuls (Vakuum)277 s 
Brenndauer72 s 
3. Stufe
HerstellerNissan Motor Co. 
Bezeichnung(en)M-3A 
Länge2,61 m  
Durchmesser unverkleidet1,35 m 
Leermasse150 kg 
Treibstoffmasse1.163 kg 
Gesamtmasse1.313 kg  
Antrieb1 Feststofftriebwerk Nissan 
TreibstoffFeststoff BP-27B  
Vakuumschub63 kN  
spezifischer Impuls (Vakuum)289 s  
Brenndauer60 s  
Nutzlastverkleidung
Länge über Endstufe3,98 m 
max. Durchmesser1,41 m 

m-3s-1Der ursprüngliche Plan des Institute of Space and Aeronautical Science (ISAS) an der Universität von Tokio sah nach dem gelungenen ersten Satellitenstart mit der L-4S die Entwicklung einer weiteren Rakete vor, die besser zum Start der geplanten Forschungssatelliten geeignet war. Im Rahmen der Entwicklung und Erprobung der L-4S hatte man die grundlegenden Probleme beim Start eines Satelliten gemeistert. Die ebenfalls vierstufige M-4S war bereits deutlich leistungsfähiger. Ein großes Defizit bestand jedoch auch weiterhin. Die Rakete war nicht lenkbar. Die Bahnparameter bestimmten sich aus dem Winkel, der Geschwindigkeit und dem Zeitpunkt des Brennschlusses. Nach dem Abschuß unter einem definierten Winkel unterlag die Aufstiegsbahn der Rakete aber vielen nicht zu beeinflussenden Faktoren. Weder lieferten die Triebwerke immer den berechneten Schub, noch brannten sie exakt zum berechneten Zeitpunkt aus. Und Höhenwinde beeinflußten die Bahn noch zusätzlich. Beim ISAS war man sich des Problems natürlich bewußt und arbeitete an verschiedenen Verfahren zur Schubvektorkontrolle. Die weitere Entwicklung sollte über die M-4SC (lenkbare Zweit- und Drittstufe) zur M-4SH (alle Stufen lenkbar) und schließlich M-4SS (zusätzlich verstärkte Erst- und Viertstufe) führen. Bereits der dritte und vierte wissenschaftliche Satellit Japans war zum Start mit der M-4SC vorgesehen. Doch die Entwicklung neuer, leistungsfähigerer Triebwerke schritt unerwartet rasch voran. Die angestrebte Nutzlast konnte nun bereits mit einer dreistufigen Rakete befördert werden. Und da sich die Stufentrennung bisher als besonders kritisches Element erwiesen hatte, konnte man die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems mit dem Übergang zu einem dreistufigen Entwurf deutlich steigern. 1971 wurde daher die Entscheidung getroffen, statt der M-4SC die M-3C zu entwickeln. Diese übernahm mit einigen Modifikationen die Erststufe samt Boostern von der M-4S. Die zweite Stufe, M-22TVC, war eine Weiterentwicklung der M-20 der M-4S. Bei weitgehend unveränderten Leistungscharakteristika erhielt sie erstmals ein Schubvektorkontrollsystem und ein Radio-Inertial-Navigationssystem. Die Schubvektorkontrolle bestand aus zwei Komponenten, dem Secondary Injection Thrust Vector Control (SITVC) und dem Side Jet (SJ) System. Beim SITVC wurden in der zweiten Stufe 173 kg Freon und 55 kg H2O2 mitgeführt, die bei Bedarf in den Düsenhals eingespritzt werden konnten. Während das Freon lokal die Verbrennung störte, förderte das Wasserstoffperoxid diese. Derart konnte ein asymmetrischer Schub erzeugt werden. Die Side Jets bestanden dagegen aus einem Satz Kleinsttriebwerke außerhalb des Triebwerksstrahls für die Rollkontrolle. Bei der Drittstufe handelte es sich um eine Neuentwicklung, die auf den Erfahrungen mit der M-40 Viertstufe der M-4S aufbaute. Das M-3A Triebwerk hatte einen deutlich höheren spezifischen Impuls und war für die Arbeit im Vakuum optimiert. Erstmals wurden Erst- und Zweitstufe über einen offenen Gitteradapter miteinander verbunden, was eine „heiße” Stufentrennung ermöglichte. Diese Konstruktion aus sechs A-förmigen Gittersegmenten testete man erstmals beim Flug der K-10C-4 Höhenforschungsrakete am 15.09.1973. Bereits 1969 war die praktische Erprobung des Schubvektor­kontroll­systems aufgenommen worden. Diverse Flüge zwischen 1969 und 1973 u.a. mit K-10C und L-4SC Raketen perfektionierten das System soweit, daß es in Verbindung mit einer radargestützten Bahnverfolgung und einem Kommandoempfänger sowie einer Inertialplattform tauglich für die Steuerung des Satellitenträgers M-3C wurde. Im Gegensatz zu L-4S und M-4S verjüngte sich der Durchmesser der Endstufe bei der M-3C nicht. Das und die Verwendung einer neuen großvolumigeren Nutzlastverkleidung ermöglichte nun auch den Transport größerer Forschungssatelliten. Die vorläufige Endstufe diese Entwicklung stellte die M-3S dar. Diese verfügte nun auch über ein Schubvektorkontrollsystem für die Erststufe. Es basierte auf der Einspritzung von Freon und Wasserstoffperoxid. Modifiziert wurde dagegen das Kontrollsystem der Zweitstufe. Wurde bei den ersten beiden Einsätzen der M-3S noch Freon und Wasserstoffperoxid eingespritzt, ersetzte man letzteres bei den folgenden Flügen durch Hydrazin (N2H4). Das System der Erststufe unterteilte sich in die Komponenten SMRC (Solid Motor for Roll Control) und LITVC (Liquid Injection Thrust Vector Control). Neu entwickelt worden waren die SPGGs (Solid Propellant Gas Generator), die den Schub für das System zur Rollsteuerung lieferten. Mit dieser Evolutionsstufe hatte die ISAS ihre ursprünglichen Entwicklungsziele erreicht. Die M-3S war zwar nicht leistungsfähiger als die M-3H, doch verfügte man nun über eine voll lenkbare Rakete, die eine hohe Präzision beom Bahneinschuß gewährleistete. Allerdings um den Preis eines äußerst komplexen (und damit teuren) Systems.


Quellen:
[1] ISAS: BULLETIN OF THE INSTITUTE OF SPACE AND AERONAUTICAL SCIENCE VOL 16, Oktober 1986




JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval