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unverkleideter ASSET Flugkörper (Modell?)
Heckansicht eines ASSET „lifting-body“
das ASSET-ASV 3 heute als Ausstellungsstück
Nach dem Verlust des zweiten ASSET Hyperschall-​Wiedereintrittsexperiments im März 1964 unternahmen die beteiligten Industrieteams eine Fehleranalyse, begannen aber auch rasch mit den Vorbereitungen auf einen dritten Testflug. Auch diesmal handelte es sich um eine ASSET-​ASV (Aerothermodynamic Structural Vehicle) Konfiguration, also einen der Flüge, bei denen besonders die aerodynamische Belastung und Aufheizung untersucht werden sollten. Erklärtes Ziel der USAF war es auch weiterhin, mit den Aerothermodynamic/​elastic Structural Systems Environmental Tests Daten für zukünftige bemannte Raumgleiter im „lifting-​body“ Design zu sammeln. Mit dem Abbruch des X-​20  „Dyna-​Soar“ Programms war zwar eine praktische Umsetzung vorläufig in weite Ferne gerückt. Doch sah die USAF die entfernt flugzeugähnlichen Auftriebskörper gegenüber klassischen Kapseln klar überlegen. Tatsächlich flossen einige Erfahrungen des ASSET Programms in den 1970er Jahren in das Design des Space Shuttle ein. Die ASV 3 Mission wurde zum größten Erfolg des ASSET Programms. Nach dem Start der Thor-​DSV2G Delta am 22.07.1964 von Cape Canaveral stieg diese bis auf über 64 km Höhe, wo das ASV 3 abgetrennt wurde. Mit einem Gleitwinkel von 38° begann der Abstieg durch die immer dichtere Atmosphäre. Dem RCS (Reaction Control System) gelang es, das ASV mit zahllosen Triebwerkszündungen auf Kurs zu halten, bis nach 930 s Flug die Fallschirmlandung eingeleitet wurde. Nach einem Flug von etwa 2.000 sm (3.700 km) — nahe an der theoretischen Maximalflugweite — wasserte das ASV im Südatlantik. Beim Aufprall auf dem Wasser wurde planmäßig die SOFAR-​Bombe zur Unterwasserortung ausgelöst, ebenso aktivierte sich der SARAH-​Peilsender. Eine erste Peilung ergab allerdings, daß die Wasserung über 100 km vor dem berechneten Punkt, an dem das Gros der Bergungsflotte wartete, erfolgt war. Dennoch überflog schon fünf Minuten später ein erstes Suchflugzeug die von einer fluoreszierenden Farbmarkierung gekennzeichnete Stelle und gab die exakten Koordinaten durch. Wenig später sprang ein Para-​Rescue Trupp ab und brachte einen weiteren Schwimmkragen an. Bis das Bergungsschiff, die USNS „Coastal Crusader“, eintraf, vergingen zwölfeinhalb Stunden. Doch dann konnten die ersten Techniker einen Blick auf den äußerlich unversehrten Flugkörper werfen, der mit Mach 12 durch die Atmosphäre abgestiegen war. Tatsächlich bestätigte sich dieser Eindruck weitgehend auch im Herstellerwerk von McDonnell in St. Louis. Das Salzwasser hatte einige Paneele beschädigt und ebenso die Beryllium Wärmesenken. Es sprach jedoch nichts dagegen, das ASV mit vertretbarem Aufwand für einen weiteren Flug aufzubereiten. Vor allem bestätigten aber auch die lückenlos erhaltenen Daten der Sensoren das grundsätzliche Design des Flugkörpers.