Vier Monate nachdem die Landekapsel von Luna 9 funktionsfähig die Mondoberfläche erreicht hatte, gelang den USA mit Surveyor 1 die erste wirklich weiche Landung einer Raumsonde auf einem fremden Himmelskörper. Nach dem geglückten Start vom wiederaufgebauten Startkomplex LC-36 A auf eine Direktflugbahn zum Mond (ohne Benutzung einer Parkbahn um die Erde) mit einer Atlas-LV3 C Centaur-D von Cape Canaveral am 30.05.1966 und nach einer planmäßigen Kurskorrektur am nächsten Tag erreichte Surveyor am 02.06.1966 den Nahbereich des Mondes. Etwa 75 km (nach anderen Quellen 84 km) über der Mondoberfläche erfolgte die Zündung des Bremstriebwerks. Nach Brennschluß des Feststofftreibsatzes wurde dieser abgeworfen. Verniertriebwerke verringerten die Geschwindigkeit weiter. Etwa 3 m über der Mondoberfläche wurden auch diese abgestellt, den restlichen Landestoß fing die elastische Struktur der Sonde auf. Wenig später wurde das Kamerasystem aktiviert. Über einen beweglichen Spiegel konnten in einem Blickwinkel von 360° bei einem vertikalen Schwenkbereich von –45° bis +15° Bilder aufgenommen werden. Die Kamera selbst war fest installiert und verfügte über Weitwinkel– und Teleoptik. Im Bereich von 1,2 m bis unendlich konnte die Optik scharf eingestellt werden und bildete noch feinste Details von 0,1 mm ab. Obwohl eines der Antennensysteme verklemmt war, konnten 10.341 (nach anderen Quellen 11.150) Aufnahmen mit 200 bzw. 600 Zeilen Auflösung übertragen werden. Davon waren je 1.000 mit einem Rot-, Grün– und Blaufilter aufgenommen worden, so daß auf der Erde die ersten Farbbilder der Mondoberfläche generiert werden konnten. Eine gleichfalls montierte, nach unten gerichtete, Annäherungskamera, die im 600-Zeilen-Modus arbeitete, wurde dagegen nicht aktiviert. Sehr interessant waren auch die Ergebnisse zur Oberflächenfestigkeit des Mondes. Dehnmeßstreifen zeigten die Härte des Landestoßes und wurden ebenso fotografiert wie die Eindrücke der Landefüße. Die Oberflächenfestigkeit wurde anhand dessen mit 25 bis 70 Ncm–2 bestimmt. Vom 16.06.1966 bis zum 06.07.1966 wurde die Sonde während der Mondnacht deaktiviert. Nach der Wiederaufnahme des Funkkontakts wurden noch 899 Fotos und Meßdaten übertragen. Eine am 08.07.1966 versuchte Zündung der Bremstriebwerke für einen kleinen Ortswechsel mißlang leider. Während mehrerer Mondtage wurde der Funkkontakt zu Testzwecken weiter aufrechterhalten. Letzte Daten gingen am 07.01.1967 ein.
Nach den durchwachsenen Ergebnissen der Erprobungsflüge hatte diese Mission, wenn auch mit einem bewußt einfach gehaltenen Aufstiegsprofil ohne Wiederstart, dem Atlas-Centaur Programm endlich zum Durchbruch verholfen. Viele Erfolge der unbemannten Raumfahrt im Laufe der nächsten Jahre wären ohne die Centaur unmöglich gewesen. Und obwohl die Sowjetunion der NASA, was die ersten Bilder von der Mondoberfläche betraf, um wenige Tage zuvorgekommen war — bei Qualität und Anzahl der Bilder setzte das Surveyor Programm neue Maßstäbe.


