Hauptnutzlast der Dnepr-1 Rakete, die am 17.08.2011 aus einem Raketensilo auf der Raketenbasis Dombarowski abgefeuert wurde, war der ukrainische Erderkundungssatellit Sich 2. Entworfen im KB Juschnoje und gebaut bei JuschMasch in Dnepropetrowsk basierte dieser auf der Mikrosatelliten-Plattform MS-2 – 8 . Bei lediglich knapp 180 kg Gewicht sollte der Satellit mindestens fünf Jahre lang panchromatische und multispektrale Erderkundungsformationen sowie Daten aus dem IR-Bereich liefern. Die beste Auflösung war mit 8,2 m (panchromatisch) bzw. 15 m (multispektral) berechnet, die Schwadbreite lag bei rund 49 km. Der Middle Infrared Range Scanner erreichte 41,4 m Auflösung bei 58 km Schwadbreite. Ergänzt wurde diese Ausrüstung von einigen kleineren wissenschaftlichen Instrumenten für Plasma– und Magnetfeldmessungen. Bereits im Dezember 2012 brach aufgrund von Problemen mit der Energieversorgung der Kontakt zu Sich 2 ab. Im Mai 2013 wurden schließlich die Versuche den Satelliten zu reaktivieren ergebnislos eingestellt.
Ursprünglich war der Start der Dnepr-1 für 2008, später dann für 2009 angekündigt gewesen. Politische und vor allem finanzielle Probleme hatten aber für anhaltende Verzögerungen gesorgt. Schließlich konkretisierte sich ein Termin gegen Ende des Jahres 2010. Doch nun gab es Schwierigkeiten mit der Startgenehmigung der Rakete. Diese konnten erst im Laufe des Sommers 2011 überwunden werden.
Zu den sekundären Nutzlasten der Trägerrakete zählte auch EduSAT von der La Sapienza Universität in Rom. Die Gruppo Astrodinamica Università degli Studi di Roma „La Sapienza“ hatte bereits eine Reihe von Mikrosatelliten unter dem Namen UNISAT entworfen und gebaut. EduSAT war nun ein neues studentisches Trainingsobjekt. Er verfügte über ein System zur passiven magnetischen Orientierung und einen experimentellen Sonnensensor. Das interessanteste Experiment sollte aber erst nach Ende des aktiven Betriebes stattfinden. Zur Vermeidung unnötigen Weltraummülls hatten die Studenten ein innovatives System entwickelt, das den Satelliten zum Ende der Mission aus der Bahn entfernen sollte. Der ursprüngliche Entwurf SIRDARIA (Spacecraft Integrated Re-Entry Device Aero-Resistant, Increasing Area) war in der letzten Designphase nochmals überarbeitet worden. Das passive System auf Basis der Sonnnensegel-Technologie sollte nun auch bei Ausfall des elektrischen Systems noch aktiviert werden können. Tatsächlich kreiste der Satellit aber auch nach mehr als zehn Jahren noch unverändert in über 600 km Höhe. Nigeria war mit gleich zwei Satelliten bei der Mission der Dnepr Rakete vertreten. Der größere der beiden, NigeriaSat 2, war von der nigerianischen Raumfahrtbehörde NASRDA bei der britischen Surrey Satellite Technology Ltd. in Auftrag gegeben worden. Als Basis für den Erderkundungssatelliten wurde das neue Modell SSTL-300i ausgewählt. Die Optik des Satelliten erlaubte in Verbindung mit dem Very High Resolution Imager (VHRI) Instrument die Gewinnung hochauflösender Monochrombilder mit 2,5 m Auflösung. Auch die Anfertigung von Multispektralbildern im NIR-, Rot-, Grün– und Blaubereich war möglich. Dabei standen zwei Modi zur Verfügung mit 5 m bzw. 32 m Bodenauflösung bei 20 km bzw. 300 km Schwadbreite. Außerdem konnte der Satellit innerhalb von nur 30 s um 45° geschwenkt werden, was die Gewinnung von Stereo-Bildern ermöglichte. Zur Übertragung der großen Datenmengen verfügte NigeriaSat 2 über zwei Datenkanäle mit einer Bandbreite von je 105 Mbps, die bei Bedarf zu einer 210 Mbps Verbindung zusammengeschaltet werden konnten. Mit Unterstützung von SSTL war auch NigeriaSat X realisiert worden. Ausgehend vom kleineren SSTL-100 Bus hatten britische und nigerianische Ingenieure einen experimentellen Erderkundungssatelliten realisiert. Primär war dessen Entwicklung ein Trainingsprogramm für angehende nigerianische Experten. Doch die technischen Daten seines 3-kanaligen Multispektralscanners waren auch nicht zu verachten: immerhin 22 m Auflösung (Rot, Grün, NIR) bei einer Schwadbreite von 600 km. Die beiden nigerianischen Satelliten übertrafen ihre Auslegungsbetriebsdauer von sieben Jahren deutlich und lieferten auch 2021 noch einige Daten. RASAT wurde als der erste Satellit bezeichnet, der ausschließlich in der Türkei von einheimischen Experten entwickelt und gebaut worden war. Das Programm selbst wurde als Fortführung der BiLSAT Mission angelegt, die im August 2006 nach dem Ausfall einer Batterie zu einem vorzeitigen Ende gekommen war. Tatsächlich mußten aber auch für RASAT eine Reihe von Schlüsselkomponenten aus dem Ausland bezogen werden. So stammte die OIS Optic von der südkoreanischen SaTReC, einem Spezialisten für Kleinsatelliten. Das Instrument ermöglichte die Gewinnung von Erderkundungsinformationen mit einer Monochrom-Auflösung von 7,5 m und einer Multispektral-Auflösung von 15 m. Das war ausreichend für die angestrebten Ziele, wie z.B. die Städteplanung einschließlich der Aufdeckung von illegalen Bauten, die Kartographie, Waldbrandbekämpfung u.ä. Gegenüber BiLSAT verfügte sein Nachfolger über ein verbessertes Echtzeit-Bildverarbeitungssystem (GEZGiN-2), einen leistungsfähigeren Bordcomputer (BiLGE), ein Hochgeschwindigkeits-X-Band-Datentransfersystem und ein hochpräzises 3-Achsen-Stabilisierungssystem. Für das das US Unternehmen Aprize Satellite Inc. waren die Satelliten AprizeSat 5 und AprizeSat 6 an Bord der Rakete. Ursprünglich unter dem Namen LatinSat, hatte das Unternehmen in den 1990er Jahren den Aufbau einer globalen LEOSat Konstellation zur Kommunikation nach dem „store-and-foreward“ Prinzip geplant. Wie viele andere Projekte scheiterte aber auch dieses an den sich unerwartet schnell ändernden Marktbedingungen und dem raschen Ausbau terrestrischer Mobilfunknetze. Doch die beiden ersten Satelliten hatten immerhin die Eignung der Satelliten bewiesen, unkompliziert und kostengünstig die Positionsdaten von Containern während ihres Transports per Schiff, Bahn oder Lkw zu übermitteln. Das war die Marktnische, die man zukünftig adressieren wollte. 2004 wurden die beiden ersten Satelliten für die kommerzielle Satellitenkonstellation gestartet. 2009 folgten zwei weitere Satelliten, die wie die beiden neuesten Exemplare auch über eine AIS Nutzlast (Automatic Identification System) zur Identifikation und Verfolgung hochseegehender Schiffe verfügten. Kommerziell genutzt wurden die Daten von AprizeSat 5 und AprizeSat 6 von der kanadischen exactEarth Ltd. Einer der beiden Satelliten, AprizeSat 6 alias exactView 6, wurde im März 2020 an das australische Start-Up Myriota verkauft, das über diesen und weitere Satelliten erste Tests für eine geplante Konstellation für die IoT Kommunikation unternehmen wollte. Schließlich hatte auch die letzte Stufe der Trägerrakete mit BPA 2 noch ein technologisches Experiment an Bord. Mit diesem Блок Перспективной Авионики erprobte der ukrainische Hersteller von Steuerungssystemen JSC „Chartron“ ein modernisiertes Avionikpaket, das zukünftig u.a. bei der Zyklon-4 Rakete zum Einsatz kommen sollte.






