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17.08.2011 

Start der Proton-M mit Ekspress-AM4
Ekspress-AM4 vor der Auslieferung nach Rußland

Mit dem Start des Ekspress-​AM4  Kommunikationssatelliten schien sich eines der bedeutsamsten Projekte des russischen Satellitenoperators Russian Satellite Communications Company (russ. ФГУП „Космическая Cвязь“) zu materialisieren. Denn mit seinen 63 Transpondern war dieser bei weitem der bis dahin leistungsfähigste Kommunikationssatellit europäischer Produktion. Den Auftrag zu seinem Bau hatte die RSCC an EADS Astrium vergeben. Dort rüstete man einen Eurostar-​3000  Bus mit 30 C-​, 28 Ku-​, 2 Ka– und 3 L-​Band Transpondern aus. Die gewaltige Solarzellenanlage lieferte anfangs 16 kW. Von der zentralen russischen geostationären Position 80° Ost sollte der Satellit eine Fülle von Kommunikationsaufgaben übernehmen. Der Start erfolgte am 17.08.2011 mit einer Phase III Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43  Bugsierstufe vom kasachischen Baikonur. Planmäßig erreichte die Bris-​M mit Ekspress-​AM4  eine erste Parkbahn. Fünf Zündungen ihres Triebwerks sollten den Satelliten im Laufe mehrerer Stunden auf einen geostationären Transferorbit anheben. Doch nach der vierten Zündung brach der Kontakt zu ihr komplett ab. Tage später konnte Ekspress-​AM4  nach Aussage von EADS Astrium wohl auf einer exzentrischen und noch immer stark inklinierten Bahn lokalisiert und kontaktiert werden. Er befand sich in dem für solche Situationen konzipierten Notfallmodus, die Solarzellen teilweise entfaltet. Doch das Erreichen eines nützlichen Orbits mit den Treibstoffreserven des Satelliten wurde ausgeschlossen, die Versicherungen akzeptierten den Totalverlust.
Bei der Untersuchung der Ursachen für das Versagen der Bris-​M stieß man auf zwei interessante Fakten. Einerseits stellte sich heraus, daß man bei der Berechnung des spezifischen Flugprofils nicht berücksichtigt hatte, der Gyro-​Plattform ausreichend Zeit für eine Neuausrichtung zu geben. Dazu kam, daß die verwendete Kreiselsteuerung konstruktiv auf ein Modell aus der Frühzeit der militärischen Raketenentwicklung zurückging. Die Adaption an die Belange der Raumfahrt war nur bedingt gelungen. Doch hatte man über Jahrzehnte gelernt, mit diesen Defiziten zu leben. Ausgerechnet bei diesem Flug war man an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geraten. Pragmatisch war die Entscheidung der Untersuchungskommission. Konstruktive Änderungen wurden nicht angeordnet, lediglich eine verstärkte Kontrolle der Einhaltung kritischer Parameter bei der Berechnung der Steuerungsprogramme. Auch International Launch Services als Vermarkter der Starts schloß sich dem an.
Anfang 2012 kam Hoffnung auf, den Satelliten tatsächlich noch für Kommunikationsaufgaben nutzen zu können. Vor allem die Polar Broadband Systems Ltd. hatte ihr Interesse bekundet, den Satelliten zu übernehmen und mit seiner Hilfe Wissenschaftlern und Forschern in der Antarktis täglich für 14 bis 16 Stunden Breitband-​Kommunikationsverbindungen anzubieten. Nach der Außerdienststellung diverser anderer, längst abgeschriebener, Kommunikationssatelliten war die Anbindung der Forschungsstationen in der Antarktis mehr denn je ungenügend. Der Bedarf war also unbedingt gegeben. Doch die Versicherer stimmten einem Verkauf des Satelliten nicht zu. Sie stützten sich dabei auf die Meinung anderer Experten, die davon ausgingen, daß die Elektronik von Ekspress-​AM4  wie auch seine Solarzellen bereits irreparable Schäden erlitten hatten. Am 25.03.2012 sendete daher das Kontrollzentrum im Centre Spatiale de Toulouse die Befehle zur Zündung des Manövertriebwerks an Bord des Satelliten. Planmäßig trat der über dem Pazifik in die Atmosphäre ein und verglühte.

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