Ausgerechnet der erste Start eines Progress Transportraumschiffs nach der offiziellen Einstellung des Space Shuttle Programms endete am 24.08.2011 mit einem Desaster. Mehr als 40 der unbemannten Frachter hatten seit dem August 2000 die ISS kontinuierlich mit Nachschub versorgt. Seit 1978 war noch keine Progress durch einen Fehlstart verlorengegangen und alle hatten an der jeweiligen Raumstation angedockt werden können. Nicht immer ohne Schwierigkeiten, doch in jedem Fall erfolgreich. Und so rechnete auch niemand ernsthaft damit, daß dies bei Progress M-12 M anders sein könnte. Planmäßig hob die Sojus-U 11A511U Rakete am 24.08.2011 um 13:00 UTC von Baikonur ab und stieg in den kasachischen Himmel. Schon wurden Pressemitteilungen zum erfolgreichen Start verschickt. Doch dann liefen die ersten Meldungen ein, die von einem Zwischenfall berichteten. Sie sollten sich leider bestätigen. Zunächst gab es noch Hoffnung, die Progress könnte doch noch einen Orbit erreicht haben. Doch schon bald mußten die Meldungen korrigiert werden, nach denen lediglich die Abtrennung der dritten Stufe mißlungen war. Vielmehr war es zunächst ab T +309 s zu einem Druckabfall im Treibstoffsystem der letzten Stufe gekommen und dann zur Notabschaltung des Triebwerks. Die Stufe mit dem Raumschiff stürzte in der Altai Region im Fernen Osten Rußlands ab. Zum Glück war dort außer einigen Holzfällern und Beerensammlern niemand unterwegs, so daß es keine Verletzten oder gar Toten gab.
Für das russische Raumfahrtprogramm bedeutete der Fehlstart einen schweren Rückschlag. Erst wenige Tage zuvor war der Start einer Proton-M Rakete mit einem teuren Kommunikationssatelliten gescheitert. Eine Reihe wichtiger in– und ausländischer Satelliten konnte nun nicht gestartet werden, bevor die Ursache des Versagens der Bris-M Manövrierstufe geklärt war. Und nun die Sojus-U. Auch über sie wurde umgehend ein Startverbot ausgesprochen. Damit war praktisch die gesamte russische Raketenflotte bis auf weiteres an den Boden gefesselt. Bald schon wurde offen darüber diskutiert, die ISS zu evakuieren, sollten die (bemannten wie unbemannten) Versorgungsflüge nicht rasch wieder aufgenommen werden können. Mit Hochdruck machten sich russische Experten daher an die Ursachenforschung. Die Hoffnung, aus eventuell geborgenen Trümmern konkrete Hinweise ableiten zu können, mußte nach einigen Tagen aufgegeben werden. Damit blieben lediglich einige Telemetriedaten. Diese zeigten einen Druckabfall im Treibstofftank der dritten Stufe. Vermutlich war die Treibstoffzufuhr zum Gasgenerator der Stufe wegen einer unsauber ausgeführten Schweißnaht eingeschränkt. Das führte zur Notabschaltung des Triebwerks bei T +342 s.
Die Untersuchungskommission ordnete umfassende Kontrollen aller bereits fertiggestellten Triebwerke und Baugruppen an. Diese mußten aus Baikonur, Plesetsk und Kourou zurückgeholt werden. Außerdem wurde festgelegt, daß vor der Wiederaufnahme bemannter Flüge drei unbemannte Sojus-Starts erfolgreich zu absolvieren waren.



