Nach bis zuletzt anhaltenden Spekulation zur Konfiguration der Rakete (der Nutzlastverkleidung) und der Nutzlast (es gab Mutmaßungen, die von einem geostationären Radaraufklärer bis zu einem experimentellen militärischen Erderkundungssatelliten namens Tianhui 3 reichten) kam schließlich eine CZ-3B/G2 Rakete zum Einsatz, um am 04.02.2021 von Xichang einen Satelliten namens TJS-6 zu starten. Die Mission der Tongxin Jishu Shiyan Satelliten gab Beobachtern allerdings ebenso Rätsel auf. In den Pressemitteilungen zu ihrem Start fanden sich nur minimale Hinweise auf die Zweckbestimmung. Und auch die waren eher dubios. Die verschwommenen Bilder aus den Startanimationen zeigten Satelliten, die in ihrer Konfiguration eher nicht zu den „Experimenten auf dem Gebiet der Kommunikationstechnik“ paßten, die der Name Tongxin Jishu Shiyan suggerierte. Die veröffentlichten Renderings von TJS-2 , TJS-5 und TJS-6 ähnelten sich, zeigten aber nur wenige identifizierbare Details. Unter westlichen Experten wurde über einen Zusammenhang mit einem Typ geostationärer Frühwarnsatelliten namens Huoyan 1 spekuliert. Der von der SAST gebaute TJS-6 manövrierte jedenfalls auf eine leicht inklinierte geosynchrone Bahn und wurde innerhalb von zwei Wochen über 178,5° Ost positioniert. Im Vergleich zu den beiden angenommenen Vorläufern fiel die 1° größere Bahnneigung der Transferbahn auf. Da die Bahneinschußgenauigkeit der etablierten chinesischen Trägerraketen mittlerweile exzellente Werte erreichte, war eine solche Abweichung eher ungewöhnlich. Naheliegendste Erklärung wäre eine Nutzlast nahe oder knapp über der regulären Kapazität der Rakete. Zusammen mit anderen Hinweisen auf verbesserte Systeme (zur „Bilddatenverarbeitung“) an Bord des Satelliten und der Ko-Positionierung mit (dem allerdings erst ein Jahr alten) TSJ-5 sprach vieles für einen verbesserten geostationären Frühwarnsatelliten. Tatsächlich wechselte TJS-5 nach dem Start von TJS-6 seine Position und wurde neu über 107,5° Ost stationiert.

