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die zweite Hyperbola 1 Rakete
Überreste der zweiten Hyperbola 1

Die Hyperbola 1 Rakete des privaten chinesischen Raumfahrtunternehmens iSpace unternahm am 01.02.2021 ihren zweiten Flug. Im Juli 2019 war dem Unternehmen, das in den chinesischen Medien gern mit dem Vorbild SpaceX verglichen wurde, im ersten Anlauf der Start mehrerer Satelliten und einer Reihe eher kurioser Nutzlasten auf der Viertstufe der SQX-1 Feststoffrakete gelungen. Überraschend präsentierte sich das zweite Exemplar nun in einer grundlegend überarbeiteten Konfiguration. Die SQX-1 (v.2) (offiziell weiterhin lediglich als Hyperbola-​1 oder Shian Quxian 1 bezeichnet) bestand nun aus vier Feststofftriebwerken von einheitlich 1,4 m Durchmesser. Beim Erstflug waren die Oberstufen schlanker und die Endstufe zudem mit einem kleinen Flüssigkeitstriebwerk ausgerüstet gewesen. Zu den Gründen für den tiefgreifenden Wandel gibt es verschiedene Annahmen, jedoch keine Aussage des Unternehmens selbst. In den chinesischen sozialen Medien wurde über Streitigkeiten mit dem Lieferanten der Triebwerke spekuliert, der demnach selbst als Startanbieter aktiv war bzw. werden wollte (iSpace gab allerdings an, selbst Entwickler/Hersteller der Triebwerke zu sein). Westliche Experten nahmen hingegen eher an, daß die Hyperbola 1 auf demilitarisierten Triebwerken verschiedener ausgesonderter Raketen basierte — und iSpace sich, warum auch immer, diesmal anderer Modelle bedient hatte. So oder so, der Wechsel brachte dem Unternehmen kein Glück. Bereits kurze Zeit nach dem Start von Jiuquan geriet die Rakete außer Kontrolle und zerbrach. Welche Nutzlasten von dem Fehlstart betroffen waren blieb unklar. Zunächt tauchten Meldungen auf, die von einem Experimentalsatelliten der Beijing Interstellar Glory Technology Co. Ltd. sprachen. Tatsächlich hatte das Unternehmen den Start seines Ark 2 Satelliten auf einer Hyperbola 1 gebucht. Wie man nun aber in einer Pressemitteilung klarstellte, war der Kontrakt im Dezember 2020 in gegenseitigem Einverständnis aufgelöst worden. Welche Nutzlasten stattdessen geflogen waren, blieb Gegenstand von Spekulationen. Die Rede war von sechs Satelliten eines oder mehrerer Kunden. Die Rakete selbst war jedenfalls als Kunstobjekt gestaltet worden. Der auch international bekannte chinesische Konzeptkünstler Xu Bing hatte die ersten beiden Stufen der Rakete kalligraphisch mit Zitaten aus seinem „Buch des Himmels“ verziert. Von ihm stammte auch die einzig bekannte Nutzlast der Rakete — ein als Kunstobjekt gestalteter „Zauberwürfel“ mit Lettern aus dem „Buch des Himmels“.
Vier Wochen nach dem Fehlstart gab iSpace das Ergebnis der Unfalluntersuchung bekannt. Demnach war nach dem Start ein größeres Stück Isolierschaum auf das Gitterruder IV der Erststufe gefallen und hatte dieses vorübergehend blockiert. Das sorgte bereits für eine Abweichung von der geplanten Aufstiegsbahn. Als sich die Blockade löste, vollzog das Gitterruder einen abrupten 30° Schwenk, wodurch die Rakete Kräften jenseits der zulässigen Grenzen ausgesetzt wurde und zerbrach. Auch wenn die Absturzursache damit schlüssig geklärt war, läutete dieser Fehlstart eine Serie von Mißerfolgen ein, die erst im April 2023 gebrochen werden konnte.