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Gründung der European Space Agency

Hintergrundartikel (Archiv)


esa_logoIm Schatten der beiden „Raumfahrtgroßmächte“ Sowjetunion und USA entwickelten nach dem Ende des zweiten Weltkriegs auch weitere Nationen nationale Raumfahrtprogramme. Hier wie dort waren diese eng verzahnt mit den Plänen zur Entwicklung militärischer Langstreckenraketen. In Westeuropa trieben zunächst Frankreich und Großbritannien diese Programme besonders energisch voran. Beide Länder bauten eine eigene atomare Abschreckungskapazität auf, zu der auch land– und seegestützte Mittelstreckenraketen zählten. Aus Deutschland, wo alliiertes Recht den Bau von Flugzeugen und erst recht von Raketen streng reglementierte, gingen zahlreiche führende Wissenschaftler und Ingenieure ins Ausland. Neben der Gruppe um Wernher von Braun, die im Rahmen der Aktion „Paperclip“ in die USA verschifft worden war, gingen andere Teams z.B. nach Argentinien oder Ägypten, aber auch nach Frankreich. Ende der 1950er Jahre erkannten aber eine Reihe führender europäischer Wissenschaftler, daß die Erkundung des Weltraums ein Unterfangen sein würde, das die nationalen Volkswirtschaften der europäischen Staaten überforderte. Und dies trotz des enormen wirtschaftlichen Booms, den die meisten dieser Länder gerade erlebten. Wenige Monate nach dem Start von Sputnik initiierten die prominenten Physiker Edoardo Amaldi und Pierre Victor Auger eine Konferenz, auf der sie mit anderen Vertretern der europäischen Wissenschaftsgemeinde die Gründung einer europäischen Raumfahrtorganisation nach dem Vorbild des CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) diskutierten. Am 01.12.1960 wurde auf der Konferenz von Meyrin (Schweiz) die Gründung der European Preparatory Commission for Space Research (COPERS) beschlossen, die den Weg für eine europäische Raumfahrtorganisation bereiten sollte. 1962 war es dann tatsächlich soweit. Zwei Organisationen, die ESRO / CERS (European Space Research Organisation / Centre Européen de Recherches Spatiales) und die ELDO / CECLES (European Launcher Development Organisation / Centre Européen pour la Construction de Lanceurs d’Engins Spatiaux) wurden ins Leben gerufen. Praktisch nahmen die Organisationen am 29.03.1962 (ELDO) bzw. 14.06.1962 (ESRO) ihre Arbeit auf, auch wenn die Verträge erst zum 20.03.1964 in Kraft traten. Trotz einiger respektabler Erfolge litt das europäische Raumfahrtprogramm aber von Anbeginn an unter sich verschärfenden strukturellen Problemen. So gab es immer wieder Abstimmungsprobleme zwischen ESRO und ELDO. Und selbst die organisatorischen Strukturen innerhalb der jeweiligen Organisation erwiesen sich als fortwährendes Hindernis. Denn immer wieder wurden Positionen und Aufträge nicht entsprechend der Qualifikation, sondern gemäß der Finanzanteile an dem jeweiligen Projekt vergeben. Nationale Interessen dominierten die Programme. Anfang der 1970er Jahre brach zunächst in der ELDO, dann auch in der ESRO eine offene Krise aus. Auslöser war die Serie von Fehlstarts innerhalb des Entwicklungsprogramms für die sogenannte „Europa-​Rakete“. Vor allem Großbritannien forcierte seinen Rückzug aus dem Gemeinschaftsunternehmen. Aber auch in Deutschland gab es zunehmende Bestrebungen, sich eng an die USA zu binden und auf eine eigene Trägerraketenentwicklung zu verzichten. Auch Anwendungssatellitenprogramme (meteorologische und Kommunikationssatelliten) wurden kritisch gesehen. Schließlich kamen die Nationen überein, ESRO und ELDO zu liquidieren. Bereits 1968, dann wieder 1971 und schließlich 1972/73 hatte es ernsthafte Bestrebungen gegeben, ESRO und ELDO mit der parallel existierenden CETS (Conférence Européenne des Télécommunications par Satelites) zu einer neuen schlagkräftigen Organisation zu verschmelzen. Doch erst jetzt hatte man sich verständigen können, mit der ESA (European Space Agency) einen Nachfolger zu gründen. Tatsächlich wurde allerdings lediglich der ESRO ein neues Programm gegeben. ELDO und CETS gab es bereits nicht mehr. Ihre Aufgaben wurden in das Programm der neuen Organisation, die zunächst den englisch-​französischen Doppelnamen ESA/ASE (für European Space Agency / Agence Spatiale Européenne) trug, übernommen.
ESA GründungskonferenzAm 30.05.1975 war es dann soweit. Im Monat zuvor hatte in Brüssel ein Ministerratstreffen stattgefunden. In zähen Verhandlungen waren die letzten grundsätzlichen Fragen geklärt worden. Vor allem die Kosten für das neue europäische Trägerraketenprogramm „Ariane“, und damit verbunden für den Startkomplex in Kourou, waren umstritten. Praktisch in letzter Minute sicherte Deutschland eine Beteiligung in Höhe von 50 Mio. DM zu und rettete die Konferenz. Bei den Strukturen der neuen Organisation hatte man versucht, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Dennoch war deutlich, daß die meisten der beteiligten Nationen das gemeinsame Raumfahrtprogramm auch als Maßnahme zur Stützung der jeweiligen nationalen Luft– und Raumfahrtindustrien verstanden. Dementsprechend bestimmte damals wie heute der Erhalt von Arbeitsplätzen die Aufteilung der Projekte auf die ESA Mitgliedsländer. So erfolgte die Fertigung der Komponenten für die Ariane Raketen verteilt auf Standorte in ganz Europa, was zwar dort dem Erhalt einmal erworbener Komptenzen diente, andererseits aber die Kosten enorm nach oben trieb. Alles in allem gelang es mit der Gründung der ESA aber, eine schlagkräftige Organisation aufzustellen. Immer wieder mußten nationale Befindlichkeiten bedient werden. Und die finanzielle Ausstattung der ESA ist bis heute eher bescheiden. Dennoch gelang ihr die Umsetzung einer Vielzahl international stark beachteter Projekte. Die ESA war stets ein gern gesehener Partner der USA, später auch der Sowjetunion bzw. Rußlands, Japans und Chinas bei gemeinsamen Wissenschaftsprojekten. Zunächst führte die ESA bereits von der ESRO begonnene Satellitenprogramme fort. Einen Schwerpunkt bildeten dabei astronomische Forschungsmissionen. So zeigte die ESA auch großes Interesse an einer Beteiligung am Large Space Telescope der NASA, dem späteren Hubble Space Telescope (HST). Ebenfalls ein europäisch-​amerikanisches Gemeinschaftsprojekt sollte die „Out-​of-​Ecliptic“ Mission werden, bei der erstmals zwei Sonden die Sonne auf einer Bahn außerhalb der Ekliptik erkunden sollten. Nach dem Rückzug der NASA führte die ESA das Projekt unter dem Namen „Ulysses“ und mit nur noch einer Sonde zu einem grandiosen Erfolg. Auch am Space Shuttle Programm beteiligte sich die ESA umfangreich, schließlich ebenfalls am Aufbau und Betrieb der Internationalen Raumstation. Lange Jahre waren planetare Missionen kein Schwerpunkt des ESA Programms. Keines der Projekte schaffte es in die Realisierungsphase. Doch in den 1980er Jahren beteiligte sich die ESA am Saturn Orbiter/Titan Probe (SOTP) Projekt der NASA. Das mehrfach von der Einstellung bedrohte Unternehmen wurde schließlich unter dem Namen „Cassini-​Huygens“ realisiert. Die ESA beteiligte sich mit einem Lander, der spektakuläre Daten vom Saturnmond Titan lieferte. In Eigenregie wurden dagegen die Projekte Mars Express und Venus Express (Start 2003 bzw. 2005) umgesetzt. Ambitionen für eine eigenständige bemannte Raumfahrt („Hermes“), maßgeblich vorangetrieben von Frankreich, scheiterten dagegen in den 1980er Jahren an den hohen Kosten und technischen Problemen. Bis auf diesen Bereich ist die ESA heute auf allen Gebieten der Raumfahrt aktiv. Denn auch die einst so umstrittene Trägerraketenentwicklung konnte erfolgreich fortgeführt werden. Allerdings sind gerade ihre Kosten immer wieder Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der ESA. Denn die Raketenstarts werden schon lange kommerziell durch das Unternehmen „Arianespace“ vermarktet. Die Kosten für die Entwicklung neuer Modelle werden jedoch noch immer zu einem großen Teil aus dem Haushalt der ESA bestritten.
Den Erfolg der ESA konnten die Generalbevollmächtigten, die sich am 30.05.1975 in Paris versammelten, nicht voraussehen. Noch bei der Unterzeichnung der ESA Konvention waren zahlreiche Punkte offengelassen worden. Selbst der Name ESA für die neue Organisation wurde als nicht feststehend angesehen. Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Schweden, die Schweiz und Spanien unterzeichneten an diesem Tag das Übereinkommen zur Gründung einer Europäischen Weltraumorganisation. Irland folgte am 31.12.1975. Doch erst am 30.10.1980, als Frankreich die Ratifikationsurkunde hinterlegte, trat die Konvention in Kraft. Bis dahin hatte die ESA lediglich als de facto Nachfolger der ESRO deren Programme fortgeführt. Als erster Generaldirektor der ESA agierte der Brite Roy Gibson. Seine Nachfolge trat 1980 der Schwede Erik Quistgaard an. ESA Etat 2010 Die wachsende Bedeutung der ESA für die internationalen Raumfahrtprogramme verdeutlicht die seit 1975 erheblich gewachsene Zahl der Mitgliedsländer bzw. assoziierter und kooperierender Staaten. Den Anfang machte im Dezember 1978 Kanada als Kooperationspartner. Österreich unterzeichnete im Oktober 1979 eine Assoziationsvereinbarung. Am 30.12.1986 wurde das Land Vollmitglied. Ebenso Norwegen (assoziiert set 1981). Finnland (assoziiert seit 1987) folgte am 01.01.1995, Portugal am 14.11.2000, Griechenland am 09.03.2005, Luxemburg am 01.12.2005 und mit der Tschechischen Republik am 12.11.2008 das erste Land der früheren Interkosmos Kooperation. Ungarn (seit 2003), die Türkei (seit 2004), Rumänien (seit 2006), Polen und Estland (seit 2007), die Ukraine (seit 2008), Lettland und Zypern (seit 2009) sowie Slowenien und die Slowakei (seit 2010) kooperieren mit der ESA. Zuletzt hatten Litauen, Israel und Malta ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Sie unterzeichneten am 07.10.2010, 30.01.2011 und 20.02.2012 entsprechende Vereinbarungen. Unterdessen wurde Rumänien am Ende 2011 das 19. ESA Vollmitglied, gefolgt von Polen im September 2012, sowie Estland und Ungarn Anfang 2015.
Trotz aller Probleme und Unzulänglichkeiten verfügt das inzwischen geeinte Europa mit der ESA über eine der leistungsfähigsten Raumfahrtorganisationen weltweit. Die ESA hat sich zu einer leistungsfähigen Organisation entwickelt, die einige der bedeutendsten Wissenschaftsprojekte in der unbemannten Raumfahrt managt. Und die kommenden Projekte lassen ebenso neue spektakuläre Erkenntnisse erwarten.
Happy Birthday, ESA!

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