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N1-​L3 11A52 

Trägerraketen

N1-L3 11A52
N1-​L3 11A52 

Die Geschichte der jahrzehntelang geheimnisumwitterten Superrakete N1 , dem im Westen mit den Namen Lenin oder Kommunism belegten Superbooster, begann noch vor dem Start des ersten Satelliten. Am 30.01.1956 legte ein Dekret die zukünftigen Schritte in der noch nicht existierenden sowjetischen Raumfahrt fest. Die Ziele umfaßten die Entwicklung einer Rakete mit einer Nutzlastkapazität von 12 Tonnen auf Fluchtgeschwindigkeit (bis 1970) und einer Rakete mit einer Nutzlastkapazität von 100 Tonnen auf Erdumlaufbahnen. Letztere sollte auch zwei bis drei Kosmonauten zum Mond befördern können, wobei für diese Mission kein Zeitrahmen vorgegeben wurde. Anfänglich schien es unmöglich, derartige Leistungen mit konventionellen Raketentriebwerken zu erzielen. Daher gingen die ersten Entwürfe dieser Superrakete von der Nutzung nuklearer Triebwerke aus. Doch dann schritt die Entwicklung beim Bau chemischer Triebwerke rasch voran und erreichte deutlich bessere Kennwerte, während die Entwicklung der Nukleartriebwerke vor gewaltigen Problemen stand und auch erhebliche ökologische Risiken mit sich brachte. Ende 1959 wurden diese Arbeiten daher zurückgestellt. Etwa gleichzeitig wurden die Entwicklungsaufgaben der sowjetischen Raumfahrt für die Periode 1963 – 1965  neu formuliert. Darunter befanden sich:

  • Start von 3 bis 6 geostationären Kommunikationssatelliten von 2 bis 3 Tonnen Masse (realisiert erst ab Mitte/Ende der 70er Jahre)
  • Start (militärischer) bemannter Raumstationen für 2 bis 3 Mann Besatzung und 25 bis 30 Tonnen Masse (erste Saljut Raumstation von knapp 20 Tonnen gestartet im Jahr 1971) sowie später einer größeren Version von 60 bis 70 Tonnen (vergleichbar Raumstation Mir ab 1986)
  • Start eines 2 bis 3 Tonnen schweren Satelliten auf eine heliozentrische Umlaufbahn für solare Forschungen (nie realisiert)
  • Start eines 2 bis 3 Mann Raumschiffs zum Mond, Einflug in einen Mondorbit und Rückkehr zur Erde ohne Mondlandung (nie realisiert)
  • Start interplanetarer bemannter(!) Missionen für 2 bis 3 Kosmonauten zum Mars und zur Venus mit fly-​by und Absetzen unbemannter Forschungssonden dort (nie realisiert)
  • Gruppenflüge bemannter Raumschiffe zur Landung auf Mars und Venus (nie realisiert)
  • Entwicklung interkontinentaler Raketen mit multiplen Sprengköpfen von 40 bis 100 Tonnen Gesamtmasse (Entwicklung begonnen, aber nie zu Ende geführt; kleine Mehrfachsprengköpfe heute weit verbreitet bei ICBM’s)
  • Entwicklung eines flächendeckenden Antiraketen– und Antisatelliten-​Systems (in den 60er und 70er Jahren bis zu einem gewissen Grad entwickelt, getestet und auch teilweise stationiert; militärisch aber nur bedingt wirksam)
  • Entwicklung fotografischer und elektronischer Überwachungssatelliten (erfolgreich realisiert)
  • Entwicklung hochpräziser militärischer Navigationssysteme (erfolgreiche Experimente seit den 60er Jahren, operationell erst seit Ende der 90er Jahre)

Mit einigen Änderungen wurden die Aufgaben im Sommer 1960 an die verschiedenen Konstruktionsbüros verteilt, wobei sich Sergej P. Koroljow geschickt die Hauptaufträge sicherte, darunter die Entwicklung der Raketen N1 und N2 (letztere wieder mit nuklearen Oberstufen). Konstruktiv wurde diesmal die klassische Hintereinanderordnung der Stufen gewählt, was einen einfacheren Aufbau und ein besseres Masseverhältnis versprach. Schwierig gestaltete sich die Wahl der Triebwerke. Koroljow favorisierte den Einsatz großer Einkammer-​Triebwerke, Valentin P. Gluschko, der Leiter des führenden Triebwerkskonstruktionsbüros dagegen plädierte für die Bündelung mittlerer Triebwerke. Koroljow war verärgert, weil sich die Entwicklung neuer Triebwerke aus dem OKB-​456  (GDL) für seine R-​7  und R-​9  immer weiter verzögerte und weder Leistung noch Zuverlässigkeit befriedigten. Gluschko hatte die Treibstoffschwingungen und die hohen Temperaturen bei seinen großen Einkammer-​Triebwerken nicht in den Griff bekommen und ging daher auf die besser beherrschbaren Mehrkammer-​Triebwerke zurück. Diese hatten jedoch eine ungünstigere Massenbilanz und waren problematisch in ihrer der Synchronisation. Außerdem propagierte Gluschko den Einsatz des neuen Treibstoffs UDMH (Hyptyl), den Koroljow aber wegen seiner Toxizität und Selbstentzündlichkeit ablehnte. Die beiden damals führenden sowjetischen Raumfahrtkonstrukteure verband ohnehin eine heftige persönliche Abneigung (Koroljow war 1937 aufgrund vermutlich erpreßter Falschaussagen Gluschkos vom NKWD verhaftet und in ein Arbeitslager verbannt worden). Jedenfalls wählte Koroljow als Triebwerkslieferanten für die N1 das OKB-​276  von Nikolai D. Kusnezow. Dieser hatte sich bis 1956 lediglich im Flugzeugtriebwerksbau einen Namen gemacht. Dann erhielt es jedoch den Entwicklungsauftrag für das NK-​9  Triebwerk als Antrieb der Erststufe von Koroljows Interkontinentalrakete R-​9 . Das Triebwerk zeigte zwar gute Werte, unterlag aber letztlich doch dem RD-​111  aus dem OKB-​456 . Doch im Wettbewerb um den Antrieb der N1 lag die Weiterentwicklung NK-​15  auch nach Expertenmeinung eindeutig vor dem RD-​250  von Gluschko, das auch einmal mehr nicht die geforderten spezifischen Daten erreichte. Auch für die beiden Oberstufen wurden Kusnezow-​Triebwerke gewählt. Im Mai 1962 waren schließlich die Entwürfe der N1 fertig und wurden im Juli vor einer Expertenkommission verteidigt. Am 24.09.1962 wurden die Parameter der Rakete bestätigt und die eigentliche Entwicklung begann. Ein Problem Koroljows blieb jedoch, daß er noch immer keine konkrete Nutzlast für seine N1 vorliegen hatte. Alle Versuche, dem Militär die N1 als Träger militärischer Raumstationen und Waffenplattformen schmackhaft zu machen, waren gescheitert. Letztlich sollte diese mangelnde Unterstützung zum Fiasko des Projekts beitragen. Zunächst wurde aber auf der Basis der ICBM R-​9  eine Art fliegender Versuchsstand für die Kusnezow-​Triebwerke entwickelt, die Globalrakete GR-​1  „Grom“. Deren Erst– und Zweitstufe qualifizierten sich bei deren Tests zur Zweit– und Drittstufe der N1, ihre wiederzündbare Drittstufe aus dem OKB-​1  wurde später in modifizierter Form zum Block D der Proton Rakete. Am 13.05.1961, kurz vor der berühmten Rede des US-​Präsidenten John F. Kennedy, die den Startschuß des „Wettlaufs zum Mond“ bedeutete, erteilte die sowjetische Regierung den Auftrag zur Aufnahme von Arbeiten an einem bemannten Mondprogramm. Allerdings kam darin Koroljows N1 wieder nicht vor. Geplant wurde nämlich zunächst eine bemannte Mondumrundung und den Entwicklungsauftrag für Rakete und Raumschiff erhielt Koroljows Konkurrent Wladimir N. Tschelomej. Dessen OKB-​52  entwickelte bereits die „universelle“ Raketenfamilie UR und erhielt nun am 13.04.1962 den Auftrag für das Mondraumschiff LK-​1  zum Start mit einer Variante der UR-​500 . Koroljow hielt mit seinem Entwurf „Sewer“ in der Variante L1 dagegen. 1963 entstand dann das Projekt „Sojus“ mit den separat zu startenden Komponenten Sojus-​A (bemanntes Raumschiff), Sojus-​B (Antriebsstufe) und Sojus-​W (Tankersatellit). Mehrfache Rendezvous ließen aber auch diesen Entwurf zu kompliziert erscheinen. 1964 schlug Koroljow dann den Einsatz einer Weiterentwicklung der N1 vor, der N11, um ein Raumschiff direkt zum Mond zu befördern. Keiner der Entwürfe wurde von der sowjetischen Führung angenommen. Insgesamt lief die Entwicklung des Mondprogramms ohnehin eher schleppend. Das Militär forderte mehr Gelder für seine Raumfahrtprojekte und im Dezember 1963 wurde das Budget sogar zugunsten den Landwirtschaft gekürzt. Doch dann ließen die ernsthaften Bemühungen der USA bezüglich einer bemannten Mondlandung die sowjetische Führung aufschrecken. Am 03.08.1964 erschien der Beschluß Nr. 655 – 268  des ZK der KPdSU mit deem Titel „Über die Arbeiten zur Erforschung des Mondes mit kosmischen Mitteln“. Nun erhielt auch Koroljow seine Chance. 1966 bis 1968 sollten 16 Exemplare seiner N1 gebaut werden und zwei Kosmonauten zum Mond bringen. Die Flugerprobung einer leistungsgesteigerten N1 wurde auf 1967/68 festgesetzt, die bemannte Mondlandung für das zweite Halbjahr 1968! Für den Fall von Schwierigkeiten bei der Entwicklung der N1 erhielten nun auch das OKB-​52  (Tschelomej) und OKB-​586  (Jangel) Aufträge zur Entwicklung neuer Superraketen (UR-​700  bzw. R-​56). Am 25.12.1964 konnte das OKB-​1  die Pläne für den neuen vereinfachten Mondflugkomplex L3 vorlegen. Zwei zusätzliche Oberstufen sorgten jetzt für den Einschuß in eine Mondtransferbahn und alle erforderlichen Bahnmanöver. Aufgrund der gewachsenen Nutzlast mußte der Schub der N1 gesteigert werden, was u.a. durch ein geändertes Schubregime, vergrößerte Tanks, den Einsatz tiefgekühlten Treibstoffs und die Installation von 6 zusätzlichen Triebwerken in der Erststufe erreicht werden sollte. Dennoch konnten nur zwei Kosmonauten die Reise zum Mond antreten und nur einer landen. Als sich Ende 1965 gravierende Probleme bei der Entwicklung von Tschelomejs Mondraumschiff LK-​1  abzeichneten ging Koroljow in die Offensive. Er forderte erfolgreich die Zusammenlegung der Programme für die Mondumrundung und die Mondlandung. Basis sollte sein Entwurf Sojus 7 K sein. Am 15.12.1965 wurde schließlich die Mondumrundung mit der Variante UR-​500 K-​L1  bestätigt. Nur einen Monat später starb Koroljow bei einem chirurgischen Eingriff. Zu diesem Zeitpunkt standen die Chancen für einen sowjetischen Triumph über die USA im Wettlauf zum Mond bereits sehr schlecht. Koroljows langjähriger Stellvertreter, Wassili P. Mischin konnte sich erst nach einem halben Jahr lähmender Streitigkeiten als sein Nachfolger durchsetzen. Dennoch liefen die Konstruktionsarbeiten an Rakete und Nutzlast auf vollen Touren. Zeit– und Geldmangel zwangen jedoch zum Verzicht auf Prüfstandversuche der kompletten Erststufe, was sich als folgenschwerer Fehler erweisen sollte. Zwischen Februar 1969 und November 1972 fanden lediglich vier Teststarts der N1 statt. Alle scheiterten in der ersten Aufstiegsphase durch Defekte an der Erststufe. Fortwährende konstruktive Änderungen waren die Folge. Doch schon nach dem zweiten Fehlstart verlor das Programm die politische Unterstützung, mit Apollo 11 war den USA schließlich bereits die bemannte Mondlandung gelungen. Der dritte Flug diente schon nur noch der Qualifizierung der Rakete und der vierte schließlich sollte eine Reihe vorgenommener Modifikationen auf dem Weg zur stark verbesserten Version N1 F testen. Trotz des vierten Fehlstarts in Folge waren die am Programm Beteiligten optimistisch hinsichtlich der für das 4. Quartal 1974 vorgesehenen Starts von N1 F Nr. 8 L und 9 L. Diese waren grundlegend verbessert worden und verfügten u.a. über die neuen Triebwerke NK-​33  (Erststufe), NK-​43  (Zweitstufe) und NK-​39  (Drittstufe), die ihre hohe Zuverlässigkeit bei Prüfstandversuchen bewiesen hatten. Doch am 15.05.1974 wurde der Chefkonstrukteur des ZKBEM (ehemals OKB-​1) Wassili P. Mischin von seinem Posten entbunden und durch Walentin P. Gluschko ersetzt. Die durch Zusammenlegung neu entstandene Organisation erhielt den Namen NPO Energija. Umgehend begann Gluschko, alle Spuren des N1 Programms zu tilgen. Der für August 1974 geplante Start des in vieler Hinsicht verbesserten Exemplars 8 L (Triebwerke 11D111 in Block, 11D112 in Block B, 11D113 in Block W und 11D114 in Block G) wurde abgesagt, die verbliebenen Raketen (9 L und 10 L waren in Baikonur schon weitgehend vormontiert) vernichtet. Als die Regierung im Februar 1976 die Einstellung aller Arbeiten anordnete, hatte Gluschko das Programm bereits ausgelöscht. Seine Pläne für eine eigene Superrakete Vulkan fanden allerdings auch keine Unterstützung. Erst 1976 wurden die Planungen für die Energija-​Rakete begonnen. Doch auch diese fand nach nur zwei (erfolgreichen) Starts ein unrühmliches Ende.
Ausgerechnet Kusnezows Triebwerke überlebten jedoch alle diese Wirren. 150 von ihnen wurden heimlich im Herstellerwerk eingelagert. 1975 bis 1976 versuchte Kusnezow sein NK-​33  als Antrieb für die Erststufe der Proton zu plazieren. Obwohl der damalige Verteidigungsminister Georgi Gretchko dieses Projekt stützte, wurde es nach dessen Tod nicht verwirklicht. Erfolglos blieben auch Bemühungen um einen Einsatz anstelle des RD-​170  in der Erststufe der Zenit. In den 1990er Jahren kam dann scheinbar der Durchbruch. US Triebwerkshersteller Aerojet kaufte eine Reihe der Triebwerke auf und begann ihre Vermarktung. Das private Unternehmen Kistler Aerospace Corporation übernahm 1997 58 NK-​33  und 18 NK-​43  für seine Rakete Kistler K-​1 . Als dieses Projekt mangels einer soliden Finanzierung eingestellt werden mußte, wurde es wieder still um die Kusnezow Triebwerke. Doch im Jahr 2005 machten sie einmal mehr von sich reden im Zusammenhang mit dem ambitionierten russischen „Kliper“ Raumschiffprojekt. Ihren ersten Einsatz erlebten sie schließlich aber erst im April 2013 in der Erststufe der Antares-​110  Rakete des US Unternehmens OSC. Unbestritten eines der besten Triebwerke seiner Klasse, konnte es sein Potential nie wirklich demonstrieren. Insbesondere Fertigungsmängel und die extreme Materialbelastung eines Designs, das seiner Zeit um viele Jahre voraus gewesen war, reduzierten die Zuverlässigkeit auf ein inakzeptables Maß. Pläne für eine Wiederaufnahme der Produktion, bei der die bekannten Probleme wohl abzustellen gewesen wären, konnten leider nie umgesetzt werden.

Konstruktiv hatte man bei der N1 vielfach neue Wege beschritten. Teils aus dem Bedürfnis heraus, echte Neuerungen im Sinne von Verbesserungen einzuführen. Teils aus der Not geboren. So war das einzige Transportmittel, mit dem die aus allen Teilen der Sowjetunion angelieferten Baugruppen zuverlässig nach Kasachstan transportiert werden konnten, die Eisenbahn. Kurvenradien und Tunnelquerschnitte begrenzten aber die Abmessungen. Keinesfalls ließen sich die gewaltigen Raketenstufen in Gänze befördern. Im Gegensatz zu den USA, wo der Seeweg nach Cape Canaveral offen stand. Also mußten die Raketenzellen vor Ort in Baikonur gefertigt werden. Bei der äußeren Form der Rakete verfiel man auf eine kegelförmige Hülle, die man hinsichtlich der Krafteinleitung als besonders günstig erachtete. Die Tanks hingegen (ebenfalls vor Ort zusammengeschweißt) waren kugelförmig und wurden in die Hülle eingehängt. Hinsichtlich der Ausnutzung des Volumens der Gesamtstruktur erwies sich das aber als ungünstig und trug zu der ungenügenden Nutzlast des Gesamtsystems bei.
erste Stufe (Block A) der N1 Rakete in der MontagehalleDie erste Stufe wurde mit dreißig nach dem Hauptstromprinzip arbeitenden Triebwerken in zwei konzentrischen Ringen ausgerüstet. Vierundzwanzig im äußeren, sechs im inneren Ring. Die inneren Triebwerke sollten nach etwa 90 s abgeschaltet werden, um die Beschleunigungswerte in angemessenen Grenzen zu halten. Schwenkbar waren sämtliche Triebwerke der Erststufe nicht, vielmehr erlaubte die über einen weiten Bereich mögliche individuelle Schubregelung eine Nick– und Giersteuerung der gesamten Rakete. Die Rollsteuerung sollten zwölf paarweise angeordnete Düsen übernehmen (11D64) , die mit vom Gasgenerator der Triebwerke abgezweigten Turbinengas arbeiteten. Diese Lösung erwies sich im Laufe der Flugerprobung als zu schwach und wurde ab der Produktionsnummer 7 L durch vier zusätzlich installierte Rudertriebwerke 11D121 (abgeleitet vom 11D58 des Block D) mit je drei Brennkammern abgelöst, die mit Kerosin und abgezweigtem Generatorgas arbeiteten. Weiterhin waren an der Basis der Erststufe vier große Gitter-​Stabilisatoren/Steuerflächen montiert. Der obenliegende Treibstofftank ragte in den Adapter zur Zweitstufe hinein. Der war traditionell als offenes Stabfachwerk ausgeführt, so daß bei der „heißen Stufentrennung“ die Abgase der Zweitstufentriebwerke seitlich entweichen konnten.
Block B, die zweite Stufe der N1 Rakete, in der MontagehalleKonstruktiv sehr ähnlich wie die erste war auch die zweite Stufe (Block B) ausgeführt. Hier kamen acht starr in einem Ring montierte Kerosin/Flüssigsauerstoff Triebwerke zum Einsatz bei denen es sich um eine vakuumoptimierte Variante des Modells für die Erststufe mit längerer Düse handelte. Nick– und Giersteuerung erfolgten wieder durch Schubregulierung, für die Rollkontrolle griff man auf das ursprüngliche Prinzip der Erststufe zurück. Nur, daß hier lediglich acht Triebwerke paarweise verbaut waren. Ab dem Exemplar 7 L wurden stattdessen drei 11D121 Triebwerke installiert.
Auch die dritte Stufe, Block W, folgte dem konstruktiven Prinzip der unteren Stufen. Verbaut wurden hier vier Triebwerke der von Kusnezow entworfenen Triebwerksreihe. Ab Produktionsnummer kamen 11D02 Triebwerke für die Rollkontrolle zum Einsatz, zuvor 11D66. Im Unterschied zu den beiden unteren Stufen wurde bei der dritten die Nutzlast über einen geschlossenen Adapter auf die Stützstruktur der Stufe aufgesetzt. Auch die Nutzlastverkleidung mit dem L3 Mondflug-​Komplex saß damit praktisch direkt auf dem Hauptspant der dritten Stufe auf. Unter der Nutzlastverkleidung saß also der Mond-​Raketen-​Komplex, bestehend aus dem Block G und dem Block D, der später als Oberstufe der Proton-​Rakete noch Bekanntheit erlangen sollte. Block G verfügte über ein kardanisch schwenkbares Kusnezow Triebwerk und sollte den LRK aus einem niedrigen Erdorbit in Richtung Mond beschleunigen. Damit war seine Aufgabe erfüllt. Im weiteren Missionsverlauf hätte der Block D mit seinem schwenkbaren Triebwerk übernommen, auf dem direkt der Mondlander saß. Nachdem dessen 11D58 Triebwerk den Lander bis nahe genug an den Mond heran gesteuert hatte, wäre die Aufgabe der fünften Stufe erfüllt gewesen. Während der Lander mit seinem Block Je genannten Triebwerk zur Mondoberfläche herabsteigen sollte, hätte das LOK Raumschiff, das während des translunaren Fluges nur über eine leichte Verkleidung mit dem Lander/Block D verbunden gewesen war, den Mond umkreist und mittels seines Block I genannten Antriebs schließlich den Rückflug zur Erde angetreten. Im engeren Sinne war der LRK (und schon gar nicht Block Je und I als integrale Bestandteile der beiden Raumschiffkomponenten) kein Bestandteile der Trägerrakete mehr.


Gesamtsystem
Nation Sowjetunion
Bezeichnung(en) N1-​L3 „Herkules“offiziell wurde die Rakete nie benannt und nur unter der technischen Bezeichnung geführt, Erzeugnis 11A52 
Entwicklungszeitraum 1964 – 1974 
erster Start 21.02.1969 (Fehlstart)
Erprobungszeitraum 1969 – 1972 Entwicklung/Erprobung nie abgeschlossen, keine Serienreife
Stufenzahl 3 (5)die N1 als solche ist nach sowjetischer/russischer Nomenklatur ein 3-​stufiges System, die beiden oberen Stufen werden als Teil des LRK (Mond-​Raketen-​Komplex), also der Nutzlast, gezählt
Gesamthöhe 105,29 m
Basisdurchmesser 16,88 m
Spannweite der Stabilisierungsflächen 22,33 mab Produktionsnummer 7 L etwas weniger
max. Nutzmasse ca. 90.000 kg (@200 km LEO)
Leermasse inkl. Nutzlast ca. 277.000 kg
Treibstoffmasse
Startmasse ca. 2.750.000 kglt. anderen Quellen ca. 2.825.000 kg (starke Unterschiede zwischen den einzelnen Exemplaren)
Startschub ca. 43.300 kNlt. anderen Quellen bis zu 45.300 kN
1. Stufe
Bezeichnung(en) Block A
Länge 30,09 m
Durchmesser 16,88 m
Leermasse ca. 120.000 kg
Treibstoffmasse ca. 1.750.000 kg
Gesamtmasse ca. 1.870.000 kg
Antrieb 30 Flüssigkeitstriebwerke Kusnezow NK-​15 (Erzeugnis 11D51)ab Produktionsnummer 8 L NK-​33 (11D111)
Treibstoff Kerosin + Flüssigsauerstoff
Startschub 30× 1.526 kNlt. anderen Quellen zwischen 1.442 und 1.510 kN je Triebwerk
spezifischer Impuls (Seehöhe) 284 s
Nominal-​Brenndauer 113…120 s
2. Stufe
Bezeichnung(en) Block B
Länge mit Adapter 20,46 m
max. Durchmesser 9,80 mlt. anderen Quellen 10,30 m
Leermasse ca. 52.200 kg
Treibstoffmasse ca. 505.000 kg
Gesamtmasse ca. 561.000 kg
Antrieb 8 Flüssigkeitstriebwerke Kusnezow NK-​15 W (Erzeugnis 11D52)ab Produktionsnummer 8 L NK-​43 (11D112)
Treibstoff Kerosin + Flüssigsauerstoff
Vakuumschub 8× 1.648 kN
spezifischer Impuls (Vakuum) 346 s 
Brenndauer 108…130 s
3. Stufe
Bezeichnung(en) Block W
Länge 11,01 mlt. anderen Quellen 11,51 m
max. Durchmesser 8,40 m lt. anderen Quellen 7,60 m
Leermasse ca. 13.700 kg
Treibstoffmasse ca. 175.000 kg
Gesamtmasse ca. 185.000 kg
Antrieb 4 Flüssigkeitstriebwerke Kusnezow NK-​19 (Erzeugnis 11D53)lt. einigen Quellen ab Produktionsnummer 6 L NK-​39  (11D113) — dessen Prüfstanderprobung begann aber erst im Oktober 1970 
Treibstoff Kerosin + Flüssigsauerstoff
Vakuumschub 4× 441 kN
spezifischer Impuls (Vakuum) 352 s
Brenndauer 288 slt. anderen Quellen bis zu 375 s
4. Stufe
Bezeichnung(en) Block G
Länge ca. 9,10 m
max. Durchmesser ca. 4,10 m
Leermasse
Treibstoffmasse
Gesamtmasse ca. 62.000 kg
Antrieb 1 Flüssigkeitstriebwerk Kusnezow NK-​21 (Erzeugnis 11D59)lt. anderen Quellen Kusnezow NK-​19 lt. einigen Quellen ab Produktionsnummer 5 L NK-​31  (11D114) — dessen Prüfstanderprobung begann aber erst im Dezember 1973 
Treibstoff Kerosin + Flüssigsauerstoff
Vakuumschub 392 kN?
spezifischer Impuls (Vakuum)
Brenndauer (typ.) ca. 430…480 s
5. Stufe
Bezeichnung(en) Block D
Länge ca. 5,50 m
max. Durchmesser ca. 3,72 m
Leermasse
Treibstoffmasse
Gesamtmasse ca. 13.360 kg
Antrieb 1 Flüssigkeitstriebwerk RD-​58 (Erzeugnis 11D58)
Treibstoff Kerosin RG-​1 + Flüssigsauerstoff
Vakuumschub 83 kN
spezifischer Impuls (Vakuum)
Gesamt-​Brenndauer (typ.) ca. 600 s
Nutzlastsektion
Länge mit Rettungssystem 43,22 mdie Nutzlastsektion bestand aus dem L3 Mondflugkomplex, der wiederum die Antriebsblöcke G und D sowie den Mondlander LK mit dem Block Je Antrieb und den Mondorbiter LOK mit dem Block I Antrieb umfaßte 
max. Durchmesser 6,10 m
Strukturmasse ca. 17.000 kginkl. Rettungsraketensystem

Quellen:

  1. OLAF PRZYBILSKI, STEFAN WOTZLAW: N-​1 KERKULES — ENTWICKLUNG UND ABSTURZ EINER TRÄGERRAKETE, 1996 
  2. RGANTD Archivalien
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