Der erste „echte“ US-​Raumflug

John Glenn beim einsteigen in die KapselTrotz des Überraschungscoups, der der Sowjetunion mit dem Start des ersten Sputnik gelungen war, hoffte anfangs die noch junge NASA, wenigstens im Rennen um den Start des ersten Menschen ins All die Nase schließlich vorn zu haben. Sicher, der Sputnik war größer und schwerer als alle Satelliten, an denen man aktuell in den USA arbeitete. Aber das war ja typisch für russische Technik. Die geplanten Vanguard Satelliten hingegen waren Wunderwerke westlicher Hochtechnologie, vollgestopft mit miniaturisierten Forschungsinstrumenten. Doch noch bevor die USA ihre Antwort auf den Sputnik präsentieren konnten, legte die Sowjetunion mit dem Start des ersten Lebewesens in den Weltraum weiter vor. Und weitere Erfolge folgten. Nachdem auch der Wettlauf um die ersten Nahaufnahmen des Mondes an die Sowjetunion verloren gegeben werden mußte, blieb eigentlich nur noch eine prestigeträchtige Unternehmung, bei der man hoffen konnte, die Führung im Wettlauf um die Erorberung des Weltraums übernehmen zu können: der erste bemannte Raumflug. Entsprechend rivalisierten insbesondere die US Army und die noch junge USAF darum, ein solches Projekt umsetzen zu dürfen. Doch im August 1958 erteilte US Präsident Dwight D. Eisenhower derartigen Bestrebungen eine Absage. Er sah bemannte Raumflüge als nationale Aufgabe in der Verantwortung der noch in der Gründung befindlichen NASA. Dort wertete man sowohl die Studien der Vorläuferinstitution NACA wie auch des Militärs aus und präsentierte bald darauf einen eigenen Kapselentwurf. Dieser war in vieler Hinsicht moderner als das russische Wostok Design. Doch litt er unter den Masserestriktionen infolge der einzigen verfügbaren Trägerraketen.
Um kein unnötiges Risiko einzugehen, wählte die NASA eine sehr systematische Herangehensweise bei der Kapselerprobung bis zu Freigabe der ersten bemannten Raumflüge. Allerdings verkomplizierte sich dadurch die Entwicklung des Raumschiffs. Denn es entstanden zwei Versionen für suborbitale bzw. orbitale Flüge, die sich konstruktiv teils erheblich unterschieden. Auch in der Sowjetunion hatte es energische Befürworter der Idee gegeben, zunächst suborbitale Raumflüge zu unternehmen. Letztlich war es der einflußreiche Kopf des sowjetischen Raumfahrtprogramms, Sergej P. Koroljow, der sich mit seiner ablehnenden Haltung dazu durchsetzte. Die NASA plante hingegen, jeden der für das „Mercury“ Programm ausgewählten sieben Astronauten zunächst auf einen 15-​minütigen ballistischen Flug zu schicken. Mehr oder weniger zeitgleich mußte daher die Flugqualifikation der Atlas und Redstone Trägerrakete als Träger der Mercury Kapsel bewältigt werden. Und auch die beiden Kapsel Baureihen mit dem Hitzeschild nach dem „Wärmesenke“ Prinzip für suborbitale Flüge bzw. einem ablativen Hitzeschild für Orbitalmissionen mußten zur Serienreife gebracht werden. Zwar erwies sich die Entwicklung des Raumschiffs als zeitraubender als erwartet. Doch vor allem wiederholte Fehlstarts bei unbemannten Testflügen warfen das Programm immer weiter zurück.
Olega Gasenko mit Belka und StrelkaUnterdessen hatte die Sowjetunion seit dem Sommer 1960 eine Reihe von orbitalen Testmissionen mit unbemannten Prototypen ihres Wostok Raumschiffs unternommen. Fehlschläge wurden dabei bestmöglich verheimlicht, nicht jedoch die Tatsache, daß es sich bei den Korabl-​Sputniks um die Erprobungsträger für einen geplanten bemannten Raumflug handelte. So wurden wiederholt Hunde auf einen Erdorbit geschickt und nach mehreren Umläufen sicher zur Erde zurückgeholt. Stolz wurden die Tiere, die den Weltraumaufenthalt offenbar unversehrt überstanden hatten, der internationalen Presse vorgeführt. Den Experten der NASA wie auch der Geheimdienste war klar, daß die Sowjetunion nur noch Wochen von einem bemannten Flug entfernt war. Aufhalten konnte diesen neuerlichen Triumph wohl nur noch eine größere Katastrophe im Erprobungsprogramm oder beim ersten bemannten Start. Dennoch ließ sich die NASA nicht unter Druck setzen, die bemannten Mercury Flüge vorzuziehen. Obwohl auch die Astronauten darauf drängten, wenigstens mit den ballistischen Flügen zu beginnen. Und sei es an Bord der noch kleineren Little-​Joe Rakete.
Enos auf seiner KonturenliegeUnd so kam es, daß auch nach dem epochalen ersten bemannten Raumflug des Kosmonauten Juri Gagarin noch fast ein Monat verging, bevor Alan Shepard wenigstens einen ballistischen „Hüpfer“ ins All unternehmen konnte. Zwar verfolgten Millionen Zuschauer live vor Ort und im Fernsehen dieses Ereignis und feierten hinterher begeistert ihren neuen Nationalhelden. Doch NASA intern war man sich bewußt, daß es bis zum ersten „echten“ Mercury Raumflug noch ein weiter Weg war. Und tatsächlich legte die Sowjetunion im August 1961 mit einem Raumflug von mehr als einem Tag Dauer die Meßlatte erneut Aufsetzen der Friendship-7 Kapselbedeutend höher. Dem stand bis dahin lediglich ein zweiter ballistischer Mercury Raumflug durch Virgil Grissom gegenüber. Immerhin hoffte man, wenigstens noch 1961 mit einer amerikanischen bemannten Orbitalmission kontern zu können. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, bestand das Management aber darauf, weiter den ursprünglichen Plan zu verfolgen, und zunächst einen Affen in den Erdorbit zu befördern. Probleme mit der Kapsel und der Trägerrakete verzögerten die MA-​5 Mission aber bis zum 29.11.1961. Abgesehen von einigen kleineren Problemen verlief dieser Flug schließlich immerhin doch noch erfolgreich und machte den Weg frei für das bemannte MA-​6 Unternehmen. Doch ein Starttermin noch vor dem Jahresende war nicht mehr realistisch. Anfang Januar 1962 begannen die unmittelbaren Startvorbereitungen für diese bedeutende Mission. Ein Schlechtwettergebiet sorgte für eine Verlegung des geplanten Starttermins vom 23.01. auf den 27.01.1962. USMC Pilot John Glenn verließ an diesem Tag aber nach fünf Stunden die von ihm auf den Namen Glenn in Erwartung der Countdown Aufnahme„Friendship 7“ getaufte Kapsel wieder, ohne daß der Countdown weiter als bis zur T –20 min Marke vorangeschritten war. Eine dichte Wolkendecke hatte den Start unmöglich gemacht. Da die Prognosen einen neuen Versuch vor dem 01.02.1962 unsinnig erscheinen ließen, wurde die Atlas 109D gesichert und enttankt. Als am 30.01.1962 mit dem erneuten Betanken begonnen wurde, entdeckte ein Techniker augetretenen Treibstoff im Tankzwischenraum. Die vollgesogene Isolierung mußte ausgetauscht werden, was voraussichtlich zu einer 10-​tätigen Verschiebung des Starttermin führen würde. Unterdessen standen weltweit rund 18.000 Menschen zur Unterstützung dieses Raumflugs in Bereitschaft. Allein 24 Schiffe und mehr als 60 Flugzeuge waren zur Bahnverfolgung und für die Bergungsoperationen disloziert worden. Da ein neuer Startversuch nicht vor dem 13.02.1962 erwartet wurde, reisten auch die meisten der 600 Medienvertreter wieder von Cape Canaveral ab. Da das unbeständige Wetter einen Start weiter unwahrscheinlich erscheinen ließ, kehrten auch nur wenige bis zum 13.02.1962 zurück. Glenn absolvierte unterdessen ein entspanntes Trainingsprogramm und verbrachte sogar einige Tage bei seiner Familie. Dann ging alles vergleichsweise schnell. Am 19.02.1962 klarte der Himmel über Florida auf. Und auch aus dem Landegebiet im Atlantik kamen Meldungen über günstige Bedingungen. Allerdings zog am nächsten Tag eine Wetterfront über Zentralflorida, die für eine zunehmende Bewökung sorgen würde. Immerhin bestand die Chance auf größere Wolkenlücken. Flight Operations Director Walter C. Williams entschied sich dafür, den angehaltenen Countdown wiederaufzunehmen.
Glenn beim Anlegen des RaumanzugsAm 20.02.1962 um 02:20 Uhr Ortszeit wurde Glenn geweckt, duschte und nahm sein Frühstück ein. Bereits um 03:05 Uhr untersuchte ihn der Flugmedizinier William Douglas und erteilte ihm kurz darauf die Freigabe. In Hangar S erfolgte das Einkleiden für die Mission. Um 05:01 Uhr war der Astronaut im Astro Van auf dem Weg zur Startrampe. Als er dort mit 20-​minütiger Verspätung eintraf, arbeiteten Techniker fieberhaft am Austausch einer defekten Einheit des Steuerungssystems der Rakete. Die Verzögerungen summierten sich schließlich auf 135 min. Glenn wartete das Ende der Arbeiten und das vorhergesagte Aufklaren des Himmels im Astro Van ab. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug setzte er um 06:03 Uhr den ersten Fuß in seine Kapsel. Es folgte das abarbeiten der immer wieder trainierten Prozeduren bis zum Start. Schließlich setzten die Techniker die Luke ein und Glenn in der Kapsel vor dem Schließen der Lukebegannen, diese mit 70 Bolzen zu sichern. Um 07:10 Uhr, die meisten der Verschraubungen waren inzwischen angezogen, entdeckten die Techniker einen gebrochenen Bolzen. Grissom war bei MR-​4 zwar mit einem defekten Bolzen geflogen, diesmal wollte allerdings niemand dieses Risiko eingehen. Die Luke wurde wieder geöffnet, der Bolzen getauscht und alle wieder angezogen. Um 08:05 Uhr wurde der Countdown wieder aufgenommen. Verzögerungen gab es, als das Ventil einer Pumpe des Betankungssystems blockierte und als die Stromversorgung einer Bahnverfolgungsstation auf den Bermudas kurzzeitig zusammenbrach. Um 09:47:39 Uhr Ortszeit (14:47:39 UTC), 3:44 h nachdem Glenn in seine Kapsel hinüber gewechselt war, hob die Rakete endlich von Pad 14 in Cape Canaveral ab. Und diesmal erfüllte sie ihre Aufgabe mit höchster Präzision. Die Brennschlußgeschwindigkeit lag lediglich 2 ms1 zu niedrig, die Bahnneigung wich um 0,05° von den projektierten Mercury MA-6 ErdaufnahmeWerten ab. Die ersten Berechnungen zeigten, daß die Bahn für bis zu 100 Orbits stabil sein würde. Glenn erhielt die Freigabe für bis zu sieben. Trotz einiger Schwierigkeiten bei der automatischen Ausrichtung der Kapsel konnte Glenn für etwa acht Minuten die zur Erde zurückstürzende Atlas Sustainer Stufe beobachten. Nachdem er die ersten Systemchecks abgeschlossen hatte, durfte Glenn erste Lagemanöver mit seiner Kapsel fliegen. Dabei fiel auf, daß die Lageanzeigen nicht mit den Beobachtungen übereinstimmten. Das wurde aber nicht als kritisch angesehen. Für Aufregung sorgte aber seine Beobachtung von winzigen glühenden Partikeln, die seine Kapsel umschwirrten und die er „Feuerfliegen“ Blick in den Mercury Kontrollraumtaufte. Sichtbar waren diese nur, wenn sich die Mercury nicht im prallen Sonnenlicht befand. Glenn hatte den Eindruck, daß die Kapsel einen regelrechten „Schweif“ dieser Partikel hinter sich herzog, deren genauen Ursprung er nicht feststellen konnte. Wenig später trat ein erstes konkretes Problem mit der Kapsel auf. Das automatische Kontrollsystem ließ eine kontinuierliche Abweichung der Kapsel aus der optimalen räumlichen Lage zu. Glenn steuerte manuell gegen. Zwischenzeitlich schien sich die Situation zu stabilisieren. Doch kurz darauf trat das Problem wieder auf. Glenn würde für den Rest der Mission kontrollierend eingreifen müssen. Im Kontrollzentrum war man unterdessen mit einem scheinbar John Glenn während seines Raumflugsviel ernsteren Problem beschäftigt. Eine Sensoranzeige deutete darauf hin, daß sich der Landedämpfer (ein luftgefüllter Balg), an dessen Unterseite der Hitzeschild hing, aus seiner Verankerung gelöst hatte. Traf das zu, wurde er nur noch von den Spannbändern des Bremsraketenpakets gehalten. Da man ohnehin wenig tun konnte, beschloß man im Kontrollzentrum, Glenn nicht über die Befürchtungen zu informieren. Die Bahnverfolgungsstationen erhielten jedoch die Order, Glenn möglichst unaufgeregt darauf hinzuweisen, daß er doch die Stellung des Auslöseschalters für den Landedämpfer einmal prüfen solle. Das weckte natürlich dessen Argwohn. Und als auch noch die Weisung an ihn erging, beim Wiedereintritt das ausgebrannte Retrotriebwerk nicht abzuwerfen, wurde auch er sich des Problems Bergungsoperationen der MA-6 Kapsel durch den Zerstörer Noabewußt, obwohl niemand ihm eine Erklärung gab. Neue technische Probleme traten während des zweiten Erdorbits auf. Sie betrafen die Sauerstoffversorgung in der Kapsel und den Wasserstoffperoxid-​Vorrat des Lageregelungssystems. Um Treibstoff zu sparen, wurde Glenn angewiesen, seine Kapsel für den Rest des nächsten Erdumlaufs driften zu lassen. Die weitere Mission verlief ohne ernstzunehmende Probleme. Planmäßig sollte „Friendship 7“ nach drei Erdumläufen zur Erde zurückkehren. Glenn folgte den abweichenden Instruktionen für den Wiedereintritt ohne erkennbare Anzeichen von Nervosität. Doch die Anspannung war enorm. Am Boden war man sich bewußt, daß man womöglich gerade dabei war, den ersten US Astronauten bei seiner Rückkehr zur Erde zu verlieren. Und niemand konnte etwas dagegen unternehmen. Glenn sah zudem auch noch glühende Trümmer an seinem Kabinenfenster vorbeifliegen, während er die Kapsel exakt auf Kurs halten mußte. Glücklicherweise waren das Matrosen der Noa helfen Glenn aus seiner Kapselaber nur die Reste des Retropakets und nicht Teile des Hitzeschildes, wie der Astronaut angesichts der Umstände befürchten mußte. Kaum bauten sich die g-​Kräfte ab und Glenn realisierte, daß er den Wiedereintritt wohl überlebt hatte, begann die Kapsel wild hin und her zu schwingen. Nur mit Hilfe der Automatik konnte er die Auslenkungen innerhalb der 10° Toleranz halten. Doch sank nun der Treibstoffvorrat rasant. Lange vor dem planmäßigen Ausstoßen des Pilotschirms waren die Tanks leer. Rasch bauten sich die wilden Schwingungen wieder auf. Als Glenn in 35.000 ft. (10.670 m) Höhe fürchten mußte, daß sich die Kapsel überschlagen könnte, entschied er sich, den Schirm dennoch auszulösen. In 28.000 ft. (8.540 m) Höhe kam ihm die Automatik zuvor. Rasch stabilisierte sich die Kapsel. Planmäßig öffnete sich schließlich der Hauptschirm, das Periskop fuhr aus und vor allem entriegelte laut und vernehmlich der Landedämpfer. Am 20.02.1962 um 20:43 UTC landete „Friendship 7“ nach einer Gesamtflugzeit von 4:55 h sicher im Atlantik. Zwar am Rand der Landezone, etwa 64 km vor dem (unter Annahme falscher Parameter) berechneten Zielpunkt, aber in gutem Zustand und mit einem gesunden Astronauten an Bord. Der in diesem Seegebiet patroullierende Zerstörer „Noa“ ging bereits 17 min später längsseits und nahm die Kapsel an Bord. Bevorzugt sollten die Mercury Astronauten nach der Landung durch die (obere) Turmluke die Kapsel verlassen. Dieser Bereich erwies sich aber in Glenns Fall als immer noch sehr heiß. Und so informierte Glenn die Seeleute an Deck des Zerstörers, daß er alternativ die seitliche Einstiegsluke aufsprengen würde. Augenblicke später zogen ihn die jubelnden Matrosen aus der engen Kapsel. Glenns erste Worte an die Umstehenden „Es war heiß da drin…“.
ein entspannter John Glenn auf dem Deck des Zerstörers NoaGlenn war erschöpft, durstig und hatte mehr als 2,5 kg an Gewicht verloren. Andererseits waren ihm die Strapazen aber kaum anzumerken und er ertrug die folgenden medizinischen Untersuchen ausgeglichen und mit gewohnter Professionalität. Nach einer ersten Untersuchung an Bord der „Noa“ wurde Glenn auf den besser ausgestatteten Flugzeugträger „Randolph“ gebracht und schließlich in ein Hospital auf Grand Turk Island. Bereits kurz nach der Landung hatte ihn ein Anruf von US Präsident John F. Kennedy erreicht, der ihm begeistert gratulierte.
Mehr als 100 Millionen Amerikaner hatten begeistert den Raumflug Glenns im Fernsehen verfolgt. Am 26.02.1962 säumten 250.000 Menschen die Straßen von Washington, um ihrem Helden einen John u. Annie Glenn bei der Parade in New Concordbegeisterten Empfang zu bereiten. Und als John und Annie Glenn am 03.03.1962 ihre Heimatstadt New Concord in Ohio besuchten, damals eine Kleinstadt mit kaum mehr als 2.000 Einwohnern, hatten sich 75.000 Menschen zu ihrer Begrüßung eingefunden. Glenn blieb angesichts dieses Trubels dennoch der bescheidene Mensch, als der er bekannt war. Dabei hatte er bereits als Pilot im 2. Weltkrieg und in Korea mit seinem fliegerischen Können überzeugt und trug eine Reihe militärischer Auszeichnungen. Auch als Test– und Rekordpilot war er schon vor seiner Astronautenkarriere interessierten Amerikanern bekannt gewesen. Nun ging er wie auch seine „Friendship 7“ Kapsel als Botschafter für das US Raumfahrtprogramm auf Tour durch viele Länder der Erde. Seine Hoffnungen auf einen weiteren Raumflug mußte er aber gerade angesichts seiner Popularität begraben. Er teilte damit das Schicksal seines sowjetischen Gegenübers Gagarin. Nachdem er noch zwei Jahre für das US Raumfahrtprogramm tätig gewiesen war, verließ er die NASA und das Militär und begann eine Karriere als Politiker. 1998 erhielt Glenn schließlich die Gelegenheit, doch noch einmal an Bord des Space Shuttle ins All zu fliegen. Offiziell standen bei der Entscheidung, den nunmehr 77-​jährigen Glenn als bisher ältesten Menschen in den Weltraum zu schicken, raumfahrtmedizinische Interessen im Vordergrund. Tatsächlich zollte die NASA aber wohl vor allem dem Menschen Glenn Tribut, dem sie soviel zu verdanken hatte.
Mit der MA-​6 Mission hatte die NASA das ursprüngliche Ziel des Mercury Programms eigentlich bereits erreicht. Angesichts immer neuer Rekordflüge sowjetischer Kosmonauten gingen bei den nächsten Missionen nun auch die NASA Ingenieure an die Grenzen des Designs. Zwar ließ sich die Sowjetunion nicht übertrumpfen. Doch konnten wertvolle Erfahrungen gewonnen werden und eine erste Gruppe erfahrener Astronauten, Techniker und Ingenieure aufgebaut werden. Damit war der Weg bereitet für das Mercury Mk. II Projekt, jenes zweisitzige Kapseldesign, mit dem die NASA unter dem Namen Gemini erstmals die Führung in der bemannten Raumfahrt übernehmen sollte.