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Mittwoch,

12.06.1963

Eine Thor-​SLV2A Agena-​D beförderte am 12.06.1963 von der Vandenberg AFB einen CORONA Aufklärungssatelliten mit KeyHole KH-​4 Kamera auf seine Umlaufbahn. Ein Teil der bei dieser Mission gewonnenen Aufnahmen war durch Korona Bildung und einfallendes Streulicht beeinträchtigt. Dennoch war der Flug erfolgreich. Die Kapsel konnte während des 33. Erdumlaufs ausgestoßen und am 14.06.1963 in der Luft abgefangen werden. An Bord der Agena flog bei dieser Mission ein neuartiges Experiment namens EROS (Experimental Reflector Orbital Shot). Die USAF hatte einen faltbaren Reflektor vom Fresnel-​Typ entwickeln lassen, mit dem man versuchen wollte, das einfallende Sonnenlicht zu bündeln und später zur Energieversorgung eines Satelliten zu nutzen. Mittels eines Radiometers wurde im Rahmen des Experiments nachgewiesen, daß es tatsächlich möglich war, die Sonnenenergie mit dem 1,22 m (lt. anderen Quellen 1,37 m) Spiegel punktgenau zu bündeln. Bis heute hat sich die Technik, die u.a. in Kombination mit einem Sterling-​Motor eingesetzt werden sollte, in der Raumfahrt nicht durchgesetzt. Dieses Experiment war nicht die einzige Besonderheit der Mission. Seit 1961 CORONA Mission 9017 Aufnahmen von Bauarbeiten nahe Leningrad geliefert hatte, fürchteten die US Geheimdienste, daß dort eine ABM Basis im Entstehen begriffen war. Da jedoch die Auflösung der verfügbaren Satellitensysteme zu gering war, den Zweck sicher zu bestimmen, baute man schließlich eine Spezialkamera für eine einmalige Mission. Sie war kompakt genug, um neben der MURAL Standardkamera Platz finden zu können. Da man nicht riskieren wollte, die wertvolle Kamera durch eine unerwartete Wechselwirkung mit anderen Bordsystemen zu verlieren, wurde zur Vorbereitung diese Mission mit einer Attrappe des Systems geflogen. Probleme traten dabei keine auf, was den Weg für den Einsatz des Systems schon zwei Wochen später bereitete. Weiterhin flog auf der Agena eine AFTRACK Nutzlast. Codename des ELINT/​SIGINT Systems war WILD BILL III, Mission 7207. Mit den Apparaturen der WILD BILL Serie unternahmen USAF und Geheimdienste den Versuch, dem Geheimnis des HEN HOUSE getauften und offenbar für die Bahnverfolgung von Raketen und Satelliten errichteten, neuartigen Radars in Sary-​Schagan auf die Spur zu kommen. Bis zum Juni 1963 erfolglos. Doch dann kam den US Experten der Zufall zu Hilfe. Ein sowjetischer Atomtest im Oktober 1962 hatte für kurze Zeit eine Sperrschicht in der Hochatmosphäre erzeugt, die diverse Signale zufällig so reflektierte, daß sie von US Stationen aufgefangen werden konnten. Eines davon auf etwa 160 MHz stammte nach einer ersten Analyse möglicherweise von HEN HOUSE. Und so scannte WILD BILL III speziell den Frequenzbereich zwischen 150 und 230 MHz nach auffälligen Radarsignaturen. Tatsächlich gelang gegen Ende der 13-​tägigen Mission aus 1.800 km Entfernung die Aufzeichnung eines HEN HOUSE Signals, als die Station in Sary-​Schagan eine in Makat am Kaspischen Meer gestartete Rakete verfolgte. Allerdings war die Qualität der Aufzeichnung so schlecht, daß darüber hinaus keine Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Immerhin kannte man nun aber den Frequenzbereich. Einen größeren Erfolg der Mission verhinderte der Zusammenbruch der Energieversorgung nach sechzehn statt wie erwartet dreißig Tagen.