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Donnerstag,

27.06.1963

Ein Fotoaufklärungssatellit des CORONA Programms startete am 27.06.1963 von Vandenberg mit einer Thor-​SLV2A Agena-​D. Die KeyHole KH-​4 Kamera des Satelliten verfügte über eine Reihe von Modifikationen, weshalb die Mission als experimentell eingestuft wurde. Als 1961 CORONA Mission 9017 Aufnahmen von Bauarbeiten nahe Leningrad lieferte, die an die ABM Stellungen in Sary-​Schagan erinnerten, waren US Geheimdienste und Militär alarmiert. Doch reichte die Auflösung der damals verfügbaren KH-​2 Kamera (4,5 bis bestenfalls 3 m) nicht aus, den Einsatzzweck und Typ der in Leningrad startionierten Raketen zu erkennen. Daher wurde ein Crashprogramm initiiert, um Detailaufnahmen der Installationen zu beschaffen. Doch das KH-​6 LANYARD Programm entwickelte sich zu einem Desaster. Auf Anregung von Physik Nobelpreisträger Dr. Edward M. Purcell entwarf die Itek Corporation daher unter Verwendung vorhandener Komponenten ein neues Kamerasystem, eine 127 mm Schlitzkamera mit 240 mm Cassegrain–Teleskop. Dank „gefalteter Optik“ konnte diese Kamera neben der Standard MURAL Kamera in ein aktuelles CORONA Modell integriert werden. Man hoffte dank dieser Verbesserungen die Auflösung der Fotos bis auf etwa 30 cm (1 ft.) verbessern zu können. Doch nach dem Start des Satelliten zeigte die Telemetrie, daß die Abdeckung über der Optik des „P“ Instruments nicht wie geplant abgeworfen worden war. In der Hoffnung, daß es sich lediglich um einen Sensorfehler handelte, aktivierte man die Kamera dennoch. Als die Kapsel mit dem Filmmaterial am 29.06.1963 (einige Quellen nennen auch den 30.06.1963) geborgen und ausgewertet war, zeigte sich aber, daß die Abdeckung tatsächlich nicht abgetrennt worden war. Und auch die Aufnahmen der Hauptkamera waren teils durch Streulicht spürbar beeinträchtigt.
Das Geheimnis um die sowjetischen Raketen– und Radarstellungen nahe Leningrad (und die später hinzugekommenen bei Tallinn) konnte erst im Frühjahr 1965 gelüftet werden, als während GAMBIT Mission 4016 endlich an einem wolkenlosen Tag einige hochauflösende Fotos gelangen. Bei den in Leningrad stationierten SA-​5 (NATO Code GRIFFON) handelte es sich um Langstrecken-​Flugabwehrraketen, die allerdings bedingt auch zur Raketenabwehr taugten. Die Installationen wurden nie fertiggestellt…
Eine Besonderheit der Mission war, daß erstmals erfolgreich ein kleiner Subsatellit am Heck der Agena-​D mitgeführt wurde. Unter der informellen Bezeichnung Hitchhiker 1 verbarg sich ein P-​11 Bus von Lockheed, der später in großer Zahl ELINT Nutzlasten zum Aufspüren von Radaranlagen trug. Doch die ersten drei Exemplare (dieses war das zweite) waren für eine umfangreiche wissenschaftliche Mission instrumentiert worden. Sie sollten Daten zur Verteilung, Energie und dem Auftreffwinkel von Protonen und Elektronen liefern. Nach dem Abtrennen von der Stufe zündete ein kleines Bordtriebwerk und brachte den spinstabilisierten Hitchhiker P-​11 4201 auf eine eigene exzentrische Umlaufbahn zwischen 326 und 4.150 km Bahnhöhe. Am 07.09.1963 fiel der Datenrekorder aus, so daß am 17.09.1963 der reguläre Datenempfang eingestellt wurde.
Frühere Versuche (im Rahmen des Projekts SOCTOP), sowjetische Versuche zu erkennen, US Aufklärungssatelliten aktiv per Radar zu verfolgen und/​oder in ihre Signalübertragungswege einzugreifen, wurden mit den neuen STOPPER Nutzlasten fortgesetzt, von denen eine auf der Agena die Mission 7006 flog. Entwickelt worden waren die für Signale zwischen 160 MHz und 2,5 GHz empfindlichen Detektoren am Sylvana Electromagnetic Development Lab (EDL). Im praktischen Einsatz erwiesen sie sich aber als zu empfindlich für alle Arten von Störsignalen, wie sie beispielsweise auch von anderen Systemen der Satelliten, die sie eigentlich schützen sollten, ausgingen. Daher kam nur ein kleiner Teil der gebauten Exemplare zum Einsatz.