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Freitag,

18.01.2019

Die japanische Enhanced Epsilon Trägerrakete mit CLPS (Compact Liquid Propulsion Stage) Viertstufe für den präziseren Bahneinschuß kam am 18.01.2019 erstmals für einen Mehrfachstart zum Einsatz. Aufgrund ungünstiger meteorologischer Bedingungen hatte sich der Start um einen Tag auf den Beginn der bereits im November 2018 benannten Reserve-​Startperiode verschoben. Knapp 52 Minuten nach dem Start vom Uchinoura Space Center wurde als erste der sieben Nutzlasten RAPIS 1 ausgesetzt, gefolgt von den restlichen sechs auf einem höheren Orbit. Der Rapid Innovative Payload Demonstration Satellite war ein Technologiedemonstrator, den die JAXA gemeinsam mit dem „Newspace“ Unternehmen Axelspace verwirklicht hatten. Der Schwerpunkt seiner Mission lag bei der Erprobung eines extrem leichten und kompakt faltbaren Solarzellenauslegers. Weiterhin sollten die Strahlungstoleranz eines FPGA (Schaltkreises) des NEC Konzerns studiert, ein X-​Band Downlink hoher Datenrate (2 bis 3 Gbps) der Keio University getestet und ein Green Propellant Reaction Control System (GPRCS) erprobt werden. Dazu kamen diverse experimentelle Sensoren und ein miniaturisierte GNSS Empfänger der Chubu University. Vom Raumfahrt-​StartUp Astro Live Experiences stammte der gleichnamige ALE 1 Satellit. Der hatte 300 bis 400 Kugeln mit chemisch reaktiven Partikeln an Bord, die auf Bestellung ausgestoßen werden konnten und den Kunden des Unternehmens das Erlebnis eines künstlichen Meteorschauers gewähren sollten. Für etwa zwanzig bis dreißig dieser Himmelsspektakel sollte der Vorrat reichen. Die Institutionen hinter dem AOBA-​VELOX IV Satelliten (Nanyang Technological University — Singapur und Kyushu Institute of Technology — Japan) widmeten sich dagegen einem anderen Himmelsphänomen, dem Lunar Horizon Glow. Dazu wurde eine extrem lichtempfindliche Kamera beim Eintritt in den Erdschatten auf der Horizont gerichtet. Die Erfahrungen im Erdorbit sollten der Vorbereitung einer Mondmission zur Erforschung des LHG dienen. Das RISESat Konsortium unter Führung der University of Tokyo hatte den „Hodoyoshi“ 2 entwickelt, der vor allem mehrere Kameras und Teleskope für wissenschaftlich-​technologische Experimente an Bord hatte. Das High Precision Telescope (HPT) verfügte als Besonderheit beispielsweise über zwei LCTFs (Liquid Crystal Tunable Filters), mit denen das Spektrum des Instruments je nach gewünschtem Einsatzgebiet angepaßt werden konnte. Die Dual-​band Optical Transient Camera (DOTCam) sollte dagegen sogenannte Transient Luminous Events (TLEs) in der oberen Atmosphäre dokumentieren. Und bei der Ocean Observation Camera (OOC) handelte es sich um eine extreme Weitwinkelkamera für die Beobachtung der Meeresoberfläche (65 km Schwadbreite, 100 m Auflösung). Weitere Instrumente stammten u.a. von Universitäten in Ungarn, Tschechien und Schweden. Vom Tokyo Institute of Technology stammte OrigamiSat 1, ein Demonstrator für eine entfaltbare „Sonnensegel“ Membran, die zudem als Träger von Dünnschicht-​Solarzellen und als Antenne fungieren sollte. Da der 3U CubeSat Bus des Satelliten auch eine Amateurfunk-​Nutzlast an Bord hatte, erhielt OrigamiSat den Beinamen Fuji-​OSCAR 98 verliehen. Obwohl unmittelbar nach dem Start einige Empfangsberichte von Signalen des Satelliten eingingen, brach wenig später leider der Kontakt zu ihm ab. Auch der für solche Situationen vorgesehene automatische Neustart des Bordcomputers brachte keine Besserung. Bei NEXUS (Next Generation X Unique Satellite) handelte es sich dagegen um einen reinen Amateurfunksatelliten. Die Nihon University und JAMSAT wollten mit dem 1U CubeSat vor allem einen QPSK Sender mit variabler Übertragungsgeschwindigkeit und niedrigem Energiebedarf erproben. Der Satellit trug auch den Namen Fuji-​OSCAR 99. Den MicroDragon Erderkundungssatelliten hatten dagegen vietnamesische Experten mit Unterstützung japanischer Experten gebaut. Er basierte auf dem Bus der japanischen „Hodoyoshi“ Satelliten und war speziell zur Beobachtung der vietnamesischen Küstengewässer konzipiert. Das Vietnam National Satellite Center (VNSC) erhoffte sich u.a. Informationen zum Zustand der Aquakulturen, eines bedeutenden nationalen Wirtschaftszweiges. Neben dem Spaceborne Multispectral Imager (SMI) waren auch ein Triple Polarization Imager (TPI) für die Beobachtung von Aerosolkonzentrationen und eine store-​and-​forward Kommunikationsnutzlast an Bord.